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Glastener beenden den Dornröschenschlaf ihres Festplatzes

Glastener beenden den Dornröschenschlaf ihres Festplatzes

Züge fahren hier seit sechseinhalb Jahrzehnten nicht mehr. Abgebrannt ist das Dienstgebäude anno 1995. Ganz aus dem Sinn geraten ist den Glastenern ihr Bahnhofsareal aber nicht.

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Detlef Lachmann (links) und Albrecht Mörl wechseln morsche Latten des Geländers aus.

Quelle: Jens Paul Taubert

Glasten. Immerhin war es der Festplatz, ehe es vor ein paar Jahren in einen Dornröschenschlaf sank. Mit einem Arbeitseinsatz wurde das Gelände wiedererweckt und so hergerichtet, dass es unbeschadet über den Winter kommt.

 

 

"Ich habe den Aufruf gelesen und gedacht: Da solltest du mitmachen." Mario Kühne ist einer von jenen, der am Sonnabend auf dem Gelände am Glastener Dorfrand anpackte, wo einst die Querbahn auf ihrem Weg von Großbothen nach Bad Lausick einen Stopp einlegte. Nach Aufgabe der Bahnstrecke kurz nach dem Krieg war der Kindergarten in das Stationsgebäude gezogen, später der Jugendklub. Kühne gehört zu jenen, die den Jugendklub nutzten und der sich deshalb noch immer verbunden fühlt mit dieser Immobilie, die Bürgersinn schließlich zu einem Festplatz und Sportgelände hatte werden lassen.

 

 

2009 fand das letzte Parthenfest statt, das - an der Parthenquelle im Colditzer Forst begründet und schließlich an den alten Bahnhof verlegt - lange Zeit weithin ausstrahlte. Zwei Jahre später folgte ein Kinderfest des Parthenvereins. Seither ist Ruhe. Der Verein, der weiter besteht, sieht sich seither außerstande, Veranstaltungen dieser gewachsenen Dimension zu stemmen. "Eines Tages gibt es bestimmt wieder ein Fest, doch nicht mehr in dieser Größenordnung", sagte Detlef Lachmann, einer von vielen Vereinsmitgliedern, die zum Arbeitseinsatz gekommen waren. Er könne sich ein Fest für das Dorf vorstellen, "aber das muss reifen". Damit aber der Zahn der Zeit den Festplatz am Bahndamm bis dahin nicht zerlege, wolle man Schäden beseitigen und die Immobilie erst einmal gut über den Winter bringen.

 

 

"Heute machen wir einen Anfang. Der Platz muss erhalten bleiben", bekräftigte das Albrecht Mörl. Vor ein paar Wochen hatte die Stadt Bad Lausick den Bestand der Anlage in Frage gestellt, und selbst der Ortschaftsrat hatte Zweifel, ob es ausreichend Interesse im Dorf an diesem Festplatz gibt. Der arbeitsintensive Sonnabend war insofern ein durchaus ermutigendes Signal. Morsche Geländer wurden erneuert. Fensterrahmen abgeschliffen und mit einem neuen Anstrich versehen. Die Stufen zum kleinen Gebäude, das einst an den hölzernen Bahnhof angebaut war und das aufgrund seiner massiven Bauweise dem Jugendklub-Brand trotzte, wurden ausgebessert, Türhölzer ausgetauscht.

 

 

In einer nächsten Aktion soll das Haus innen renoviert werden. Doch dafür sei es unerlässlich, erst einmal das Dach wieder dicht zu kriegen, meinte Mörl. Thomas Schenkel und Tom Schiebold machten sich in der Höhe zu schaffen. Sie lösten morsche Bretter aus der Dachschalung und nagelten eine Partie neue auf. "Da kommen dann noch neue Schweißbahnen drauf", sagte Schenkel.

 

 

"Was unserem Dorf fehlt, ist ein Ort für die Kommunikation, wo man sich trifft", sagte Dietmar Mandry. Eine Gaststätte gibt es seit vielen Jahren nicht mehr im Dorf. Immerhin nutze der rührige Heimatverein dieses Gebäude für sein Museum und die vielen Sonderausstellungen, die ein paar Gäste nach Glasten holten: "Aber wer nicht im Heimatverein oder in der Feuerwehr ist..."

 

 

Der fühlt sich dem Parthenverein noch immer verbunden, der ohnehin, wie es in vielen Dörfern ist, eine große Schnittmenge mit der Feuerwehr hat und der sich weiterhin in das Dorfleben einbringt, bei der alljährlichen Dorfweihnacht zum Beispiel oder wie in diesem Sommer, als das Jubiläum "50 Jahre Jugendfeuerwehr" in Glasten groß gefeiert wurde. An solche Gemeinsamkeiten soll auf dem alten Bahnhofsgelände wieder angeschlossen werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.10.2013

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