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Gold, Silber, Bronze und Vaters Niere

Gold, Silber, Bronze und Vaters Niere

Langenleuba-Oberhain/Leipzig. Zweimal Euromeisterschafts-Gold, zweimal Silber, einmal Bronze: Für Patrick Peters sind diese Medaillen viel mehr als ein Zeichen sportlichen Erfolgs.

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Familienbild mit Medaillen: Der Sport führt Patrick Peters vor Augen, was er wieder leisten kann. Er ist seinen Eltern Friedmar und Marlis sehr dankbar.

Quelle: Jens Paul Taubert

. Für den 29-Jährigen sind sie ein Lebenszeichen, ein Beleg für Leistungsfähigkeit, ein Mutmacher für Menschen in ähnlicher Situation und ein Impuls für alle, dem Thema Organtransplantation offener gegenüberzutreten. Denn das Edelmetall geholt hat der junge Mann, der in Langenleuba-Oberhain aufwuchs und jetzt in Leipzig wohnt, bei den European Transplant and Dialysis Sports Championships.

Wie lebt es sich mit Vaters Niere? Eine Frage, die in ihrer Unverblümtheit Patrick Peters nicht verblüfft. "Ich kann ein weitgehend normales Leben führen. Das alles so klappte, empfinde ich als großes Glück", sagt der 29-Jährige, über das Wochenende heimgekehrt unter das elterliche Dach in Langenleuba-Oberhain. Vater Friedmar (61) lächelt. "Es war für mich keine Schwierigkeit, ja zu sagen. Der Schock über Patricks akutes Nierenversagen war viel schlimmer."

Vier Sommer liegt es zurück, dass das Leben der Familie, zu der außerdem Patricks älterer Bruder Frederik gehört, eine abrupte Wende nahm. Eine angeborene Schädigung der Nieren, die Patrick schon in jüngster Kindheit Krankenhaus-Aufenthalte bescherte, ihn über die Jahre allerdings kaum einschränkte, verschlimmerte sich von heute auf morgen. Mehrere Wochen Klinik, Dialyse, die Erkenntnis: Nur ein Spenderorgan kann wirklich retten. Um das mehrjährige Warten zu vermeiden, entschied die Familie: Friedmar Peters, der als Geschäftsführer bei der Raiffeisen-Handelsgenossenschaft Hainichen arbeitet, schenkt seinem Sohn eine Niere. Die Hürde einer Blutgruppen-Unverträglichkeit meisterte die Universitätsklinik Leipzig, wo die Operationen 2011 erfolgten. Patrick: "Eine Premiere, doch es gab keinerlei Komplikationen." Nach den für beide schwerwiegenden Eingriffen lagen beide im selben Zimmer, eine prägende Situation. Und eine sehr schwierige, wie Mutter Marlis (58), Erzieherin im Kindergarten, unumwunden einräumt: "Plötzlich waren beide Männer fort."

Drei Jahre später ist das beinahe Geschichte. Viel ist passiert seither. Patrick schloss vor wenigen Wochen sein Studium der Geschichte und Philosophie mit dem Magister ab, ist jetzt auf der Suche nach einer Stelle, hofft sie zu finden etwa im Bereich der politischen Bildung. Nahm er im vergangenen Jahr an den World Transplant Games, den Weltmeisterschaften der Organtransplantierten, im südafrikanischen Durban teil, holte er jetzt in Krakau auf europäischer Ebene gleich fünf Medaillen, darunter Gold im 400-Meter-Lauf und im Ballweitwurf. "Sport war schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens", sagt Patrick Peters, der während der Schulzeit Tischtennis und Volleyball im Verein spielte. Nach Monaten, in denen er wie ein Gefangener seines eigenen Körpers war, und nach der erfolgreichen Operation bescherte der Sport ihm "ein ganz neues Gefühl". Er belegt nicht nur die wiedererlangte Leistungsfähigkeit; er ist Brücke zu anderen Menschen. "Ich treffe hier viele, die ein ähnliches Schicksal teilen. Bei den Europa- und Weltmeisterschaften geht es aber vor allem um eine hohe mediale Aufmerksamkeit für die Organspende." Darum, Menschen zu informieren, zu gewinnen, um einen Gegenentwurf zu Negativschlagzeilen über Spendeskandale zu zeichnen: "Es gibt da so viel Positives, Hoffnungsvolles." In Leipzig trainiert Patrick Peters allein, macht Leichtathletik, liebt das Klettern in Steinbrüchen. Dach der Wettbewerbe, um deren Teilnahme er sich bewirbt, ist der Verein TransDiaSport Deutschland. Besonders beeindruckte ihn ein Brüder-Paar aus Großbritannien, das er in Südafrika kennenlernte: herztransplantiert beide - und Schwimmer. "Ohne Organspende hätte ich die niemals getroffen. Das stimmt schon nachdenklich."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.09.2014
Ekkehard Schulreich

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