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Geithain Günter Rackwitz nutzte Emaille für die Kunst
Region Geithain Günter Rackwitz nutzte Emaille für die Kunst
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06:18 08.09.2018
Ausstellungsaufbau in der Geithainer Stadtbibliothek am Freitag, hier Viola Stefan, die Tochter von Günter Rackwitz. Quelle: Jens Paul Taubert
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Geithain

Günter Rackwitz und die Geithainer Emaille: Über Jahrzehnte war der Leipziger Maler und Grafiker nicht nur als Leiter eines Zeichenzirkels mit dem Geithainer Emaillierwerk verbunden. Hier entdeckte er auch die gestalterischen Möglichkeiten gebrannten Glases. Der emaillierte Brunnen, den Rackwitz 1973 gestaltete und den der Betrieb der Stadt damals schenkte, ist sei 1999 vom Marktplatz verschwunden.

Günter Rackwitz. Quelle: privat

Trotzdem hat Rackwitz in Geithain und mit Geithainern etwas geleistet, das Umbrüchen und Zeiten trotzt. Deutlich wird das zweifellos nicht nur angesichts der Bilder der Ausstellung „Familienbande“, die am Sonntag in der Stadtbibliothek eröffnet wird – sondern auch angesichts des Publikums. Denn zur Vernissage werde einige jener kommen, die durch den Künstler im Zirkel Anregung erfuhren.

Dass Geithain für ihren Vater eine wichtige Lebensstation war, steht für Tochter Viola Stefan außer Frage. „Er hat hier gern mit den Menschen zusammen gearbeitet. Und für die großen Emaille-Bilder, die seit den Siebzigerjahren entstanden, hat der die Brennöfen des Emaillierwerkes genutzt“, erzählt sie. Für Günter Rackwitz (1922 bis 1999) war der Geithainer Zirkel der zweite, den er übernahm. Zuvor war er – die Kulturpolitik des Bitterfelder Weges hatte den Künstlern nahe gelegt, in die Betriebe, an die Basis, zu gehen – im Braunkohlenwerk in Deutzen gewesen.

Günter Rackwitz, Tagebau Deutzen, Linolschnitt (1961). Quelle: privat

Während er hier die Frauen und Männer der Kohle für das Bildkünstlerische aufschloss, kümmerte sich Kinderbuch-Autor und Freund Werner Lindemann um die schreibenden Arbeiter. „Im Nachlass gibt es noch einige Zeichnungen, Porträts von Brigadieren, Industrielandschaften“, sagt Stefan: „Einen Linolschnitt vom Tagebau Deutzen stellen wir jetzt in Geithain mit aus.“ Wir sagt sie, weil Ausstellungsmacherin Ramona Kratz beide wollte für diese Schau: den Vater mit seinen Bildern und die Tochter, die aber lediglich drei, vier Blätter beisteuern will – zur Abrundung, „denn es geht um ihn, weil hier seine Wirkungsstätte war“.

Werkhalle ohne Jahresangabe, entstanden in den 60er-Jahren , Kohlezeichnung von Günter Rackwitz. Quelle: privat

1972 übernahm Rackwitz den Geithainer Kurs, führte ihn bis zur Abwicklung des Werks in der Nachwendezeit. Als Geithain 1986 seine 800-Jahr-Feier ausrichtete, gestaltete er künstlerische Sondereditionen Geithainer Emailletöpfe. In Geithain ließ er die emaillierten Tafeln brennen, die er zu großen Wandbildern zusammensetzte. Erhalten haben sie sich an den Fassaden mehrerer Schulen in Leipzig; in Großdeuben gestaltete er eine Sonnenuhr. Vor allem aber war Rackwitz, der an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst Meisterschüler bei Max Schwimmer war und ihm für einige Jahre nach Dresden folgte, freischaffender Maler und Grafiker.

Einige Bilder in Leipzig und Berlin

Einige seiner Bilder hat das Museum der bildenden Künste Leipzig in seinem Bestand, einige sind in Berlin archiviert. Die Verbindung dorthin hielt er über Otto Nagel. Neben der eigenen künstlerischen Arbeit war ihm die Förderung der nicht Professionellen wichtig: Einen Zirkel am Lindenau-Museum Altenburg leitete er von 1955 bis 1995. An der Zooschule in Leipzig betreute er Arbeitsgemeinschaften für Malerei und für Keramik.

Ausstellungsaufbau in der Stadtbibliothek am Freitag, hier Viola Stefan, die Tochter von Günter Rackwitz. Quelle: Jens Paul Taubert

Der Weg, den die Tochter ging, war ein anderer. Zwar vorgeprägt durch den Vater und durch Mutter Margaretha, die in den Fünfzigerjahren Federzeichnungen für Insel-Bändchen schuf, besuchte sie einen Abendkurs an der Leipziger Hochschule, studierte dann aber Technische Kybernetik, wurde Hochbauzeichnerin. Sie war eingebunden in die Projektierung des Leipziger Uniriesen und des Wintergarten-Hochhauses.

Erste Ausstellung 2017 in Bad Lausick

Zeit zu malen fand sie damals kaum, noch weniger nach dem späten Betriebswirtschaftsstudium Ende der Achtziger-, Anfang der Neunzigerjahre. „Gemalt habe ich höchstens so für mich“, sagt die heute 66-Jährige. Erst seit wenigen Jahren geht sie mit ihren Bildern in die Öffentlichkeit, stellte 2017 etwa in Bad Lausick aus.

Eines der Bilder aus der Ausstellung. Quelle: Jens Paul Taubert

Die Ausstellung „Familienbande – Malerei und Grafik von Günter Rackwitz und Viola Stefan“ wird am 9. September, 11 Uhr, in der Stadtbibliothek eröffnet. Sie ist bis zum 14. November zu sehen. Am Eröffnungstag, der ja Tag des offenen Denkmals ist, ist die Schau auch am Nachmittag zu sehen, parallel zum Bücherflohmarkt.

Von Ekkehard Schulreich

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