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Gute Ernte gleicht tiefen Milchpreis nicht aus

Bauern in Sorge Gute Ernte gleicht tiefen Milchpreis nicht aus

Ganz im Keller ist der Milchpreis (noch) nicht, aber seit dem Fall der Milchquote weist er kontinuierlich nach unten: 26 Cent pro Liter erlöst die Agrargenossenschaft Rathendorf aktuell für einen Liter Milch. In besten, auskömmlichen Zeiten lag dieser Erlös bei 40 Cent; der Tiefpunkt war vor sechs Jahren mit lediglich 21 Cent erreicht.

In der Kälberhalle: Vorstandsvorsitzende Kathrin Hausmann (l.) und Elke Hecht, die die Milchviehanlage der Agrargenossenschaft Rathendorf in Oberpickenhain leitet und zweiter Vorstand der Agrargenossenschaft ist. 

Quelle: Jens Paul Taubert

Narsdorf/Rathendorf. Ganz im Keller ist der Milchpreis (noch) nicht, aber seit dem Fall der Milchquote weist er kontinuierlich nach unten: 26 Cent pro Liter erlöst die Agrargenossenschaft Rathendorf aktuell für einen Liter Milch. In besten, auskömmlichen Zeiten lag dieser Erlös bei 40 Cent; der Tiefpunkt war vor sechs Jahren mit lediglich 21 Cent erreicht. Kalt kann das Kathrin Hausmann nicht lassen, doch die Vorstandsvorsitzende setzt auf Pragmatismus. „Unsere Erträge beim Getreide sind sehr gut, liegen sogar über denen des Vorjahres“, sagt sie. Die Lößlehmböden südlich von Geithain hätten dem trockeneren Frühjahr und Sommer gut widerstanden. Die Verluste bei der Milchproduktion könnten so aber nicht ausgeglichen werden, denn: „Zwei Drittel unseres Umsatzes machen wir mit Milch. Das haut ganz schön rein.“

Rund 500 Milchkühe stehen in Oberpickenhain, in einer Anlage, in der die Genossenschaft in den vergangenen Jahren investierte. Sie ist das wirtschaftliche Rückgrat des Unternehmens, das 28 Mitarbeiter beschäftigt, unter ihnen drei Auszubildende, die Landwirt und Tierwirt werden wollen und hier eine berufliche Perspektive erhoffen. Die Rathendorfer kümmern sich selbst um die Nachzucht des Milchviehs.

Verarbeitet wird die Milch in der Molkerei Hainichen/Freiberg, einem langjährigen Partner, der zur Ehrmann-Gruppe gehört. Vor allem Joghurt und Desserts, aber auch Käse – etwa die „Striegistaler Zwerge“ – entstehen hier aus der Rathendorfer Milch. Man setze auf regionale Verarbeitung und Vermarktung, sagt Hausmann. Vor den Schwankungen des Milchpreises könne das kaum bewahren, denn der Milchpreis werde vom Weltmarkt bestimmt. Das Russland-Embargo tauge wenig zur Erhellung des aktuellen Preisverfalls, glaubt sie.

Doch nachweislich gehe es seit dem Fall der europäischen Milchquote – einer Produktionsbeschränkung – abwärts für die Milchbauern hierzulande. Lag der Literpreis im Januar vorigen Jahres bei hervorragenden 40 Cent, war er im Januar 2015 auf 28 Cent geschrumpft, erholte sich um einen Cent, bis die Quote fiel – und fällt seither.

Dem stehen steigende Erträge bei Weizen, Gerste und Raps gegenüber. Wer sich früh über Kontrakte band, erzielte einen besseren Preis als der, der jetzt verkauft. Die Rathendorfer Genossenschaft hat Ersteres getan, lagert zudem einen Teil der Ernte ein. Die Zuckerrüben kommen demnächst aus dem Boden.

Die Rekord-Ernte des vergangenen Jahres könne man nicht wiederholen, sagt Hausmann. „Wir haben damals für 2015 bereits vorgeliefert und dieses Jahr deshalb weniger angebaut.“ Auf einem Teil der Felder um Rathendorf, Obergräfenhain, Ober- und Niederpickenhain, Wenigossa und Walditz, die die Genossenschaft bestellt, sind Wintersaaten bereits wieder in der Erde. Das Wetter des sich neigenden Jahres habe – jedenfalls in der Region – der Landwirtschaft gutgetan, versucht Kathrin Hausmann eine erste Bilanz.

Die 41-Jährige weiß, wovon sie spricht, ist in Stollsdorf im nahen Köttwitzschtal aufgewachsen; ihre Eltern bauten unmittelbar nach der Wende als Wiedereinrichter den Hof der Familie neu auf. Nach ihrem Studium Agrarmanagement kam sie 1998 nach Rathendorf und steht seit 2001 an der Spitze der Agrargenossenschaft – gemeinsam mit dem zweiten Vorstand Elke Hecht, die die Milchviehanlage leitet.

Dass die Rathendorfer auch Öko-Strom produzieren, zeigt die große dunkelgrüne Kuppel neben den Milchviehställen an: 90 Prozent der Gülle reifen hier unter Beimischung von Silomais zu Biogas. Der erzeugte Strom wird ins Netz eingespeist. Traditionell dagegen das Festhalten am Anbau von Einkellerungskartoffeln für die Dörfler. Hausmann: „Die sind noch immer gefragt. Deshalb bieten wir sie an, auch wenn der Absatz längst nicht mehr so hoch ist wie früher.“

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