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Geithainer Heimatverein baut systematisch Archiv auf

Häuser erzählen Stadtgeschichte Geithainer Heimatverein baut systematisch Archiv auf

Neu und alt gegenüberstellen will der Heimatverein Geithain, der jetzt eine Datenbank für Geithainer Häuser aufbaut. Für die Nachwelt sammeln möchte er darin aber noch mehr: Fakten zur Geschichte der einzelnen Grundstücke nämlich. Ein ambitioniertes Vorhaben, das auf Jahre angelegt ist und das mit der Unterstützung vieler gelingen kann.

Das ehemalige „Haus Altenburg“ ist schon lange abgerissen. An seinem Standort steht seit Jahren ein Neubau.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Die Häuser des Geithainer Stadtzentrums, ein in sich geschlossenes Ensemble aus vergangenen Jahrhunderten, stehen für Geschichte. Jene Geschichte zu erfahren, die sie erzählen können, hat sich der Geithainer Heimatverein in einer breit und auf Jahre angelegten Recherche vorgenommen: Er will möglichst Haus für Haus die Entwicklung in den Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten bildlich dokumentieren, Fakten zu Bewohnern, Handwerk, Gewerbe zusammentragen – um der Nachwelt eine aufschlussreiche Datensammlung zu hinterlassen. Um dieses Mammut-Vorhaben zu stemmen, ist der Verein nicht nur auf Unterstützung durch alte Ansichten und Dokumente angewiesen. Es braucht auch die Bereitschaft, ein bisschen von sich zu erzählen.

„Der Bad Lausicker Heimatgeschichtler Wolfgang Müller hat die Entwicklung seiner Stadt seit der Wende fotografisch dokumentiert, hat Fotos von 1990 jenen 25 Jahre später aufgenommenen gegenüber gestellt. Diese Idee wollen wir aufgreifen, aber noch weiter zurückgehen“, sagt Bernd Richter, der Vorsitzende des Geithainer Heimatvereins. Zu einzelnen Anwesen nicht nur in der Innenstadt habe man bereits recherchiert. Jetzt aber sei es an der Zeit, systematisch Daten und Dokumente zusammenzutragen. Anderenfalls verschwinde vieles, was man heute noch erfragen könne, unter dem Mantel der Geschichte. Dabei sei das Wissen um Herkunft – die eigene und die des Hauses, das man bewohne – ein Schatz nicht nur für ausgewiesene Freunde der Stadtgeschichte, weiß Richter: „Viele freuen sich und staunen, wenn sie etwas erfahren über das Gebäude, in dem sie schon seit vielen Jahren leben, das ihrer Familie mitunter schon seit Generationen gehört.“ Dieses Wissen schaffe auch Verbundenheit, Heimatgefühl.

In den Wintermonaten wollen Mitglieder des Vereins beginnen, die Leipziger Straße zu fotografieren. Dazu müssen sie die vegetationslose Zeit nutzen, da sonst das üppige Grün der Bäume den Blick auf die historischen Fassaden nimmt. Nach und nach will man sich dann den anderen Straßen widmen und das Ganze nicht auf den Stadtkern beschränken. Zum historischen Abgleich dient das umfangreiche Bildarchiv, das Ulrich Ibrügger aufgebaut hat. Besonders interessant: die sogenannten Fotokarten. „Geschäfte, die es sich leisten konnten, ließen durch einen Fotografen Karten zu Werbezwecken anfertigen, meist nur in kleiner Stückzahl“, sagt Ibrügger. Er besitze inzwischen eine erhebliche Zahl von ihnen, Aufnahmen, die nicht nur die Außengestaltung der Läden und Werkstätten zeige, sondern auch generationenübergreifend die jeweilige Familie, die sich vor dem Haus aufgestellt habe oder aus vielen der Fenster blicke. „Es waren garantiert noch viel mehr solcher Karten im Umlauf“, sagt der Sammler. An die heranzukommen, würde dem Projekt helfen. In den vergangenen Jahren habe er von vielen Geithainern alte Ansichtskarten, vor allem aber auch stadtgeschichtlich aussagekräftige Fotografien erhalten. Beides seien profunde Ausgangspunkte für Recherchen – und der Stoff, der künftig ein Gegenüberstellen von neu, alt und ganz alt möglich mache.

Bei ihren Forschungen greifen die Heimatgeschichtler auch auf vier überlieferte Adressbücher zurück. Das älteste von 1895 verzeichnet noch die dreistelligen Brandkataster-Nummern. Ab 1905 dann sind die heute noch gebräuchlichen Hausnummern verzeichnet. Das letzte vorliegende amtliche Verzeichnis stammt von 1927. Bernd Richter erinnert daran, dass es Geithains erster fest angestellter Bürgermeister Friedrich Bauer (im Amt von 1862 bis 1899) war, der auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung von 1873 in der Stadt Straßennamen einführte. Bezeichnungen, die bis auf wenige Ausnahmen heute noch gültig sind.

Wie die Menge an Bildern und Fakten, die jetzt abrufbar in einer Datenbank konzentriert werden sollen, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll, dazu hat der Heimatverein, am Anfang stehend, noch keine klar umrissenen Pläne. „Vielleicht machen wir daraus Fotobücher oder ein Sonderheft unserer Reihe Vom Turm geschaut“, sagt Richter.

Der Verein bitte alle, dieses Vorhaben zu unterstützen. Fotos und Postkarten werden nach dem Einscannen sofort an den Besitzer zurückgegeben. Jeden Dienstag ist im Stadttor, dem Vereinssitz, zwischen 10 und 12 Uhr ein Ansprechpartner anzutreffen. Wer telefonisch Kontakt aufnehmen möchte, kann auch das tun – zu Bernd Richter unter 034341/42603, zu Ulrich Ibrügger unter 0162/6877424.

Von Ekkehard Schulreich

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