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Geithain Heimatmuseum zeigt alte Filmaufnahmen
Region Geithain Heimatmuseum zeigt alte Filmaufnahmen
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05:01 29.05.2018
Ein Umzug passiert das Geithainer Stadttor. Der konkrete Anlass ist nicht mehr bekannt. Transparente legen nahe, dass die Aufnahmen 1963, im Jahr des IV. Turn- und Sportfestes in Leipzig, entstanden. Quelle: Filmklub Geithain
Geithain

Geschichte bewegt – umso mehr, wenn es Geschichte in bewegten Bildern ist: Um Filme und Filmchen zu sichten, die vor 50, 60 Jahren in Geithain und Umgebung entstanden, versammelte sich vor wenigen Tagen ein Dutzend Älterer im zum Kino umfunktionierten Hinterzimmer des Geithainer Heimatmuseums.

Nicht ganz uneigennützig präsentierten Museumsmitarbeiterin Carmen Schmidt und Ansichtskarten-Sammler Ulrich Ibrügger einen Teil jener Schätze, die sie vom Oldtimerverein Kohren-Sahlis erwarben. „Uns fehlen zu vielen der Streifen grundsätzliche Informationen“, sagte Schmidt, die während der improvisierten Vorstellung Namen und Orte eifrig protokollierte und ebenso aufgeschlossen Anekdoten lauschte, die den Zuschauern – in ihre Kinder- und Jugendzeit rückversetzt – unweigerlich über die Lippen kamen.

„Pionierexpedition Sputnik“

Der Kohren-Sahliser „Pionierexpedition Sputnik“ widmeten die Amateurfilmer, die sich Geithainer Rundblick nannten, 1960 einen längeren Film. Ein futuristisches Lokomobil führte den fröhlichen Zug der Sommerferienspiel-Kinder an. Vor dem Töpferbrunnen wurde getanzt, auf dem Sportplatz über offenem Feuer gekocht – und dann ging es bei einer Neptuntaufe hart zur Sache.

Ferienkinder in Frohburg

Lachende Ferienkinder zeigte ein Kurzfilm von Klaus Winter. Wo sie sich tummelten, klärte das Publikum einhellig auf: Es war das Gelände der Station Junger Techniker in Frohburg, das heute die Kindervereinigung Leipzig unter anderem für einen Offenen Treff nutzt.

Ein Exkurs der Geithainer Filmemacher in das Zentrale Pionierlager Petzow an der Havel weckte Erinnerungen bei Helga Haase aus Geithain: „Ich war dort mal als Kind. Pionierkleidung mussten wir mitnehmen, aber wir trugen sie nicht beim Spielen und Wandern – anders als im Film.“

Dreieckrennen und Friedensfahrt

Begeisterung kam auf, als sich auf der Projektionswand Motorräder in die Kurve legten. „Das müssen Aufnahmen vom ersten oder zweiten Frohburger Dreieckrennen sein“, meinte Ulrich Ibrügger. Weniger Konsens herrschte angesichts eines Radler-Peletons, das mit Schmackes die Bahnunterführung der Frankenhainer Straße Richtung Geithainer Zentrum passierte. Waren es nun Friedensfahrer oder nicht?

„Es waren welche. Mein Vater, der im Rathaus als Streckensprecher am Mikrofon war, sagte damals: Täve Schur hat die Grüne Tanne überfahren – und alle lachten“, erinnerte sich Rosita Stock, heute in Kohren-Sahlis zu Hause, an die missverständliche Formulierung. „Da fuhren welche aus Kolumbien mit, die waren ganz weit hinten“, ergänzte Manfred Mostisch; an die 1000 Zuschauer hätten Geithains Straßen gesäumt.

Wo steht das Thälmann-Denkmal?

Rätsel auf gab die Einweihung eines monumentalen Ernst-Thälmann-Denkmals. Weder in Geithain noch in Bad Lausick entstanden die Sequenzen, wohl aber im Kreis Geithain, denn Rolf Müller, der 1. SED-Kreissekretär, drängte mehrfach in den Bildvordergrund. Dass eine gefilmte Erntekampagne nahe des Geithainer Pfarrholzes stattfand, wusste Helmut Strobel aus Nenkersdorf zu identifizieren.

Er gab auch eine Schnurre zum Besten, in der Walter Ulbricht eine Rolle spielte: 1952 besuchte der SED-Generalsekretär die LPG „Allen voran“, eine der ersten Genossenschaften im Kreis Geithain. Strobel: „Er bewunderte ein Pferdegespann. Doch das Interesse erlosch schlagartig, als er erfuhr, dass die Tiere einem Einzelbauern gehörten.“

Filmschatz soll zugänglich sein

„Uns ist es wichtig, die rund 80 Filme nicht nur zu erhalten, sondern sie zugänglich zu machen. Das Interesse daran ist groß“, sagte Carmen Schmidt. Der Schatz des Filmklubs habe in der Geithainer Filmbühne geschlummert, sei nach der Wende nach Kohren-Sahlis gekommen und digitalisiert worden. Aus Anlass des Jubiläums „120 Jahre Geithainer Emaille“ gab es kürzlich bereits eine Aufführung aus diesem Fundus.

Vorführung möglich

Wer Interesse habe, kann sich in kleiner Gruppe gern im Heimatmuseum für eine Flimmerstunde anmelden (Telefonnummer 034341/44403). Vielleicht erkennt sich der eine oder andere selbst wieder in jenem kleinen Film, der eine Manifestation durch das Geithainer Stadttor zeigt. Sie dürfte 1963 stattgefunden haben; das legen Transparente nahe, die für das IV. Turn- und Sportfestes in Leipzig werben.

Von Ekkehard Schulreich

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