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"Hier wird auf Verschleiß gefahren"

"Hier wird auf Verschleiß gefahren"

Die Fragestunde der Einwohner war der interessanteste Teil der Ratssitzung Dienstagabend in Geithain. Um das Wohngebiet Geithain-West drehten sich gleich mehrere Anfragen von Bürgern, die dort leben.

Geithain. Unzufrieden sind sie nicht nur, weil die Stadt im Gebiet wenig investiert. Auch mehr Informationen würden sich die Leute wünschen.

 

 

Peter Geistert ist einer der Mieter, die aus dem Wohnblock Lessingstraße 25 bis 28 ausziehen sollen, weil er abgerissen wird. Im Namen aller Betroffenen erkundigte er sich, wie es mit Unterstützung für den Umzug aussieht und erklärte zum anderen: "Wir verlangen nichts Besonderes - eine ordentliche vorgerichtete Wohnung, in die man gleich ziehen kann."

 

 

Wer sich für eine andere kommunale Wohnung entscheide, solle dort die gleichen Bedingungen vorfinden, wie im derzeitigen Zuhause, bestätigte Bürgermeisterin Romy Bauer (parteilos). Einen Balkon könne man allerdings erst mal nicht dranbauen, räumte sie ein. Die vorhandenen Wohnungen seien sanierungsbedürftig, das zu ändern, sei auch eine Frage des städtischen Haushaltes. Bauer verwies auf das jährliche Budget zur Instandsetzung kommunaler Wohnungen, über dessen Verwendung der Stadtrat zu entscheiden habe. Zu den Umzugskosten hielt die Stadtchefin fest: "Nach den rechtlichen Konfigurationen ist kein Rechtsanspruch erkennbar, für den Umzug Unterstützung zu bekommen." Allerdings erfolge der Wohnungswechsel nicht auf Wunsch der Mieter hin. Deshalb "erscheint es nicht unangemessen, hier über eine Unterstützung zu entscheiden". Ob und in welchem Rahmen diese gewährt wird, sei eine Entscheidung der Gremien. Wenn, dann müsse das für alle Betroffenen gelten. Bauer stellte den Mietern des Abrissblockes für Mitte bis Ende März eine Information dazu in Aussicht. Nachdrücklich kritisierte Peter Geistert die beiden Stimmenthaltungen beim Stadtrats-Beschluss vom November zum Abriss. "Ich habe nichts gegen das ,Ja' und nichts gegen das ,Nein'. Aber wie kann man sich da der Stimme enthalten?", fragte er.

 

 

Kritik übte auch Barbara Nestler, die seit 1975 mit ihrer Familie in dem Wohngebiet lebt. "Dort draußen wird wahrscheinlich alles auf Abriss getrimmt und auf Verschleiß gefahren", schilderte sie ihren Eindruck. "Schauen Sie sich die Fußwege an, die Fassaden! Machen Sie eine Begehung, aber nicht nur bis zur Kita!", forderte sie. Die vielen älteren Leute, die gern in Geithain-West wohnen, könnten bald nicht mehr vor die Tür gehen angesichts der vielen Stolperfallen. Unverständnis äußerte die Geithainerin, warum nun schon der zweite Block mit Balkonen abgerissen wird. "Was passiert in den nächsten Jahren in Geithain-West?" fragte sie.

 

 

Die Stadtchefin will mit ihr noch Kontakt aufnehmen. Welche Blöcke fallen, würde sich aus dem Stadtentwicklungskonzept ergeben, erklärte sie. "Zum Sanierungsstau kann ich Ihnen nur Recht geben." Und der sei nicht auf einmal zu beheben. "Wenn wir handeln, müssen vor Schönheitreparaturen erst mal Dächer dicht gemacht werden", hielt sie fest. Bauer verwies auf den geplanten Ausbau der Fröbel-Straße und versicherte, dass es an den Fußwegen weitergeht. Mit Blick auf den derzeitigen Eigentümer der ehemaligen Genossenschaftswohnungen sagte die Stadtchefin: "Ich nehme heute wahr, dass dort kein Interesse besteht, den Wohnungsbestand in Geithain zu entwickeln."

 

 

Joachim Krüger wohnt seit 1976 in der Goethestraße. Er wollte wissen, wo das Geld herkommt, für die vier Wohnungen, die für Asylbewerber vorgesehen sind, und welche Wohnungen das sein werden. Eine sei nun bezugsfertig, erklärte Bauer. 900 Euro seien reingeflossen, die durch Mieteinnahmen wieder eingenommen werden könnten. Jeweils rund 3000 Euro müssten in die anderen Wohnungen gesteckt werden. "Das wird nicht von dem Budget weggenommen, das für unsere kommunalen Wohnungen zur Verfügung steht", versicherte Bauer und erklärte, die Verhandlungen mit dem Landkreis dazu seien noch nicht abgeschlossen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.02.2014
Inge Engelhardt

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