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Historische Dokumente zum Geithainer Emaillierwerk werden aufgearbeitet

Historische Dokumente zum Geithainer Emaillierwerk werden aufgearbeitet

Die Geschichte von Geithain als Stadt der Emaille begann am 4. Juni 1898 mit der Gründung der Firma Gräßler und Co. Heute setzt diese Tradition die Firma Geo - Gesellschaft für Emaillierung und Oberflächentechnik Geithain mbH fort.

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Hagen Witruk übergibt das Archivmaterial symbolisch an Archivleiterin Veronique Töpel.

Quelle: Inge Engelhardt

Geithain/Leipzig. Deren Geschäftsführer Hagen Witruk übergab am Mittwoch 34 Umzugskartons mit Material aus der 115-jährigen Geschichte an das Sächsische Wirtschaftsarchiv in Leipzig. Bis Mitte kommenden Jahres soll es aufgearbeitet sein.

 

 

Das sei immer eine Herausforderung und spannend, so einen Fundus zu übernehmen, betonte Veronique Töpel bei der Übergabe, sie ist Geschäftsführerin des Vereins Sächsisches Wirtschaftsarchiv. Einen Eindruck von dem Material aus Geithain hatte sich die Diplomarchivarin bereits vor Ort gemacht. Als der Anruf von Witruk gekommen war, hatte sie sich sofort ins Auto gesetzt und war nach Geithain gefahren. Mit Hilfe einer Taschenlampe warf sie einen ersten Blick in die Regale - trotz des teilweise schlechten Zustandes der Papiere stand für Töpel sofort fest: "Hier ist noch was zu retten." Regal für Regal hat sie später mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Karsten Sichel gesichtet und 30 laufende Meter Akten für das Archiv ausgewählt. "Das war ein versteckter Schatz", kommt die 50-Jährige fast ins Schwärmen. Als das Emaillierwerk 2005 in Insolvenz ging, hatte sie bei Insolvenzverwalter Michael Frege nach Akten gefragt, aber die Auskunft erhalten, es sei nichts mehr da.

 

 

Als die Geo im selben Jahr gegründet wurde, ahnte Hagen Witruk nichts von dem historischen Bestand. Erst im Sommer letzten Jahres entdeckte er auf dem weitläufigen Betriebsgelände zufällig den großen Kellerraum mit Vorhängeschloss, der nicht wie alle anderen leer war. Der erste Ordner, den er zufällig zog, war die Gewerbesteueranmeldung von 1926, damals hatte das Werk 600 Mitarbeiter.

 

 

In der Zeitschrift der Industrie- und Handelskammer Leipzig entdeckte der 42-Jährige zu Jahresbeginn dann einen Verweis auf das Sächsische Wirtschaftsarchiv und nahm Kontakt auf. "Geschichte fasziniert mich zunehmend", erzählte der geschäftsführende Gesellschafter. Er sieht sich mit seinem Unternehmen in der Verantwortung, die Tradition von Geithain als Stadt der Emaille fortzuführen. Noch heute haben die meisten Geithainer eine Beziehung zur "Emaille", hat aus fast jeder Familie jemand dort gearbeitet. "Wir freuen uns, wenn noch jemand weiteres Material hat", sagte Veronique Töpel - ob alte Fotos, Arbeitsbücher, Arbeitsverträge, Material zu Betriebsfeiern, auch einzelne Dokumente seien willkommen.

 

 

Der diese Woche an das Wirtschaftsarchiv übergebene Bestand bleibt Eigentum der Geo, das jeweilige Unternehmen entscheidet auch selber, ob es Anträgen auf Einsichtnahme zustimmt. Anfragen kommen vor allem von Wirtschaftshistorikern, Studenten, Schülern und Heimatforschern.

 

 

Veronique Töpel geht davon aus, dass etwa im Herbst feststeht, was die 34 Umzugskartons konkret enthalten. Jedes Blatt wird nun sortiert, technisch bearbeitet, getrocknet und von Metallteilen sowie von Staub befreit. Was von Schimmel befallen ist, muss bestrahlt werden. Akte für Akte wird mit dem Computer erschlossen und kommt dann in spezielle Archivkartons - säurefrei und basisch gepuffert, um dem Verfall entgegenzuwirken. Mitte 2014 soll die Aufarbeitung abgeschlossen sein, dann erfolgt die Lagerung bei konstanten 17 Grad und etwa 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. "Ich bin froh, dass das Material nun in guten Händen ist und aufgearbeitet wird", bekräftigte Witruk.

 

 

Auch Historisches von anderen Unternehmen der Region lagert in dem Archiv in der Industriestraße, dazu gehören die Graichen Bau- und Möbelwerkstätten GmbH aus Frohburg, aber auch die Firma J. G. Becker aus Bad Lausick oder die ehemalige Schmiede Wolftitz. "Die reiche Wirtschaftsgeschichte im Bornaer Raum ist noch zu wenig bekannt", bedauerte Töpel, die sich über jeden Zugang freut. Diese Woche waren es drei - das ist eher selten.

Der Verein Sächsisches Wirtschaftsarchiv hat rund 80 Mitglieder. Den Großteil des Haushaltes tragen die drei Industrie- und Handelskammern von Leipzig, Dresden und Chemnitz sowie die Handwerkskammer zu Leipzig.

www.swa-leipzig.de

Weiteres Material zum Emaillierwerk nimmt das Unternehmen Geo in Geithain entgegen (www.geo-geithain.de).

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.04.2013

Inge Engelhardt

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