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Geithain Hobby Stricken führt Frauen in Breitenborn zusammen
Region Geithain Hobby Stricken führt Frauen in Breitenborn zusammen
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00:20 09.12.2017
Eine bestrickend fidele Runde (sitzend, v. li.): Käthe Hammer, Reinhild Dathe, Ursula Zschille, Karla Moritz und Adelheid Reiche; im Hintergrund Marion Büttner (li.) und Gertraude Langstein. Quelle: Jens Paul Taubert
Rochlitz/Breitenborn

Für Augenblicke ist es still in der Stube. Das Ticken der Wanduhr überlagert das leise Geräusch der Nadeln, die Masche um Masche aufnehmen, aneinanderfügen. Dann brandet das Gespräch erneut auf, ausgelassen. Rückversetzt in längst vergangene Zeiten mag man sich für Augenblicke fühlen hier im alten Breitenborner Pfarrhaus, im Kreise der älteren Frauen, die sich Montag für Montag in bestrickender Runde treffen.

Treff seit mehr als zwei Jahrzehnten

Doch etwas sehr Gegenwärtiges ist es, was sie zusammenführt: die Pflege von Gemeinsamkeit, von Austausch. „Hier trifft man sich, weil man sich doch selbst auf unserem Dorf kaum noch sieht“, sagt Käthe Hammer, die scharf auf die Neunzig zugeht und damit die ungekrönte Alterspräsidentin ist. Seit mehr als zwei Jahrzehnten trifft sich diese fidele, durchweg weibliche Gesellschaft – nicht nur aus Breitenborn selbst, sondern auch aus Carsdorf, Rochlitz, Wechselburg, sogar Altmittweida kommen Mitstreiterinnen.

Die Strickrunde in Breitenborn. Quelle: Jens Paul Taubert

Mitte der Neunzigerjahre hatte Breitenborn mit Hans-Tilman Golde noch einen eigenen Pfarrer. „Seine Frau und die Schwiegermutter machten Handarbeiten. Damals ging das los, aber wir sind alle etwas später dazugestoßen“, blickt Karla Moritz zurück. Natürlich gehe es um das Stricken, doch nicht nur um den Faden, den jede Einzelne in Pullover, Socken, Schals verwandelt, sondern vor allem auch um den Gesprächsfaden: „Manchmal verplaudert man sich auch und muss dann ein Stück wieder auftrennen...“

Straffes Pensum vor Weihnachten

In Gemeinschaft zu stricken sei höchst angenehm, bestätigt Ursula Zschille, die seit anderthalb Jahrzehnten diese Runde nicht missen möchte: „Jeder macht das, was er will. Wir schauen uns das an, tauschen uns aus. Und dann wird ein bissel erzählt.“ In den Wochen vor Weihnachten ist ein durchaus straffes Pensum zu bewältigen: „Für die Enkel, die Urenkel. Da kriege ich Aufträge. Ich muss mich ranhalten“, sagt sie und lässt mit ihren drei Nadeln soeben eine Socke für den dreijährigen Urenkel entstehen.

Einen Pullover für den Schwiegerenkel hat Reinhild Dathe in Arbeit und deshalb ein Wollknäuel, groß wie ein Drachen-Ei, auf dem Tisch. Als sie noch in der Landwirtschaft im Beruf stand, sei sie kaum zum Stricken gekommen; umso mehr genieße sie das Hobby jetzt in geselliger Runde. „Ich habe damals viel in der Nacht gestrickt, Pullover für alle Kinder – und früh ging es wieder in den Stall“, lacht Ursula Zschille: „Heute ist das ganz anders.“ Aus der Mode gekommen seien aber weder das Stricken noch Gestricktes. Die nachfolgenden Generationen wüssten beides durchaus zu schätzen. „Handgestrickte Socken oder Handschuhe sind schon was wert“, bestätigt Marion Büttner, einzige Zivilistin in der Runde. Im Pfarrhaus wohnend, kümmert sie sich um die Gemütlichkeit, heizt den Raum, kocht Kaffee, bäckt mal einen Kuchen. Käthe Hammer hat sich gerade entschlossen, Ersatz zu schaffen für die Schafwoll-Fäustlinge, die sie – „Ich kam gerade aus der Landwirtschaftsschule“ – im Nachkriegswinter 1947 strickte und sieben Jahrzehnte (!) trug: „Nur, wenn es ganz kalt war!“ Die Neuen werden dunkelblau und gemustert.

Weihnachtskränze für den Weihnachtsmarkt

Das Geschick der Handarbeitsfrauen konnte mehrfach schon bewundert werden am Rande des Breitenborner Alttraktoren-Treffens, wo sie Ausstellungen gestalteten. Für den Breitenborner Weihnachtsmarkt auf dem Pfarrhof – der nächste findet am 9. Dezember statt – strickten sie nichts, wohl aber gestalteten sie dafür schmückende Weihnachtskränze. Und dass sie hingehen, um unter Leuten einen Becher Glühwein zu genießen, steht nicht nur für Käthe Hammer außer Frage: „Die Jugend, die macht das immer sehr schön.“

Von Ekkehard Schulreich

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