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Hochwasserschutz ist auch „Privatsache“

Hochwasserschutz ist auch „Privatsache“

Der Tag, an dem vor zehn Jahren auch rund um Frohburg die Wassermassen kamen, naht: Es war der 12. August 2002. Zwar war das Ausmaß des Hochwassers in keiner Weise mit dem vergleichbar, was wenig später an Mulde und Elbe geschah und als Jahrhunderthochwasser in die Geschichte einging.

Frohburg. Doch auch Wyhra oder Eula hielten die Menschen tagelang in Atem. Der Hochwasserschutz beschäftigt die Menschen bis heute – auch Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW). Er ist unzufrieden.

„Wir haben zwar einiges gemacht und geschafft, ob in Eschefeld, Benndorf, Greifenhain oder Tautenhain. Aber keiner, der realistisch in die Welt schaut, darf erwarten, dass es einen hundertprozentigen Schutz vor extremen Wetterlagen gibt. Das haben wir in den vergangenen Wochen erst wieder erfahren müssen. Und diese Extremwetterlagen werden wohl zunehmen", schätzt er ein.

Hiensch ärgert sich vor allem darüber, dass seiner Ansicht nach die Kommunen und der Freistaat fast die Einzigen gewesen seien, die sich bemühten, an der Situation etwas zu verbessern. Und die ist nach wie vor die: Die Wassermassen, die in den Ortsteilen Straßen und Keller überfluten, kommen vor allem von den umliegenden Feldern, lassen die Bäche und die Kanalisation kollabieren. „Wenn ich die Großfeldwirtschaft und manche Landwirte sehe, haben sich deren Methoden, die Felder zu bestellen, jedoch seit 2002 kaum im Sinne eines ausreichenden Hochwasserschutzes verändert. Auch viele Bürger sind nach wie vor unvernünftig, leisten Überflutungen Vorschub", bewegt das Stadtoberhaupt.

Hiensch benennt dafür Beispiele: Das Bemühen, in Eschefeld Gräben am Ortsrand wieder freizulegen, konnte erst 2008 realisiert werden, weil erst dann die Grundstückseigentümer ihre Zustimmung gaben. „Und heute ist zu verzeichnen, dass an den freigelegten Gräben von Anliegern die Uferbereiche nicht freigehalten und die Gräben mit Hindernissen versperrt werden oder Müll und Abfälle im Graben liegen", ärgert Hiensch maßlos. Ähnlich unverständlich ist für ihn, dass in Tautenhain ein künstlich angelegtes Gewässer aus DDR-Zeiten existiert, welches gemäß Standortbestätigung neben der Bewässerungsfunktion für die umliegenden Felder ausdrücklich der Regenwasserrückhaltung dienen sollte. Erst vor Kurzem wurde von der Stadtverwaltung ein derartiges Dokument entdeckt. „Dabei gibt es seit 2007 ein Hochwasserschutzkonzept für die Kleine Eula, das von der ehemaligen Gemeinde Eulatal in Zusammenarbeit mit Studenten der HTWK erarbeitet wurde. Wusste denn keine der Behörden und Einwohner von dieser Bedeutung und hätte einen Hinweis geben können? Dann hätte viel früher reagiert werden können. Das Gewässer wäre nicht von der BVVG verkauft worden", stößt ihm auf. Nun seien erst einmal die Eulen verflogen, weil der Bau einer Kindertagesstätte und damit verbundene andere Dinge in Tautenhain alles von der Kommune abfordere. Die Stadt müsse nun das Gewässer zurückkaufen, um überhaupt Fördermittel für eine Ertüchtigung zur Regenrückhaltung zu erhalten.

Allerdings passierte in diesen zehn Jahren im Frohburger Terrain auch vieles, um die Überschwemmungsgefahren zu bannen. Erinnerungen: In Benndorf wurde eine neue Wyhrabrücke gebaut, um den Wasserdurchlass zu erhöhen. In Eschefeld wurden der Dorfteich geschlämmt und bis auf eine Maßnahme alle anderen aus dem Hochwasserschutzkonzept umgesetzt. In Tautenhain wurde in einem Teilbereich die Verrohrung der Kleinen Eula in der Rosa-Luxemburg-Straße erneuert und Hindernisse auf ihrem Weg minimiert. Mit einiger Verspätung konnte im Frühjahr 2011 in Frohburg das neue Schlossmühlenwehr seiner Bestimmung übergeben werden. In Schönau sorgte vor allem die Teilnehmergemeinschaft dafür, dass die Überschwemmungsgefahr für den Ort gebannt ist. Ein Hochwasserschutzkonzept für den Greifenhainer Bach und für Benndorf sind erarbeitet und Teilmaßnahmen davon bereits realisiert worden...

„Wenn wir Fördermittel bekommen, können wir Ende des Jahres in Eschefeld die letzte Maßnahme aus dem dortigen Konzept realisieren", ist Hiensch optimistisch. Dennoch bleibt für ihn das A und O: „Genauso wichtig ist es, die Bürger, Grundstückseigentümer und Landwirte für das Thema Hochwasserschutz und -vorbeugung zu sensibilisieren. Damit 2002 möglichst Geschichte bleibt."

Thomas Lang

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