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Hochwasserschutz und Radweg fehlen

Hochwasserschutz und Radweg fehlen

Niedergräfenhain. Genau seit 20 Jahren war Niedergräfenhain gestern in die Stadt Geithain eingemeindet. Kaum jemand im Dorf hadert mit diesem Schritt, der zweifelsohne alternativlos war.

Wichtige Aufgaben harren im Ortsteil aber auf ihre Lösung: Der Schutz vor Hochwasser ist die wichtigste. Der Bau einer sicheren Verbindung für Radfahrer nach Geithain in Regie des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr ist ebenfalls dringend.

 

 

"Niedergräfenhain hatte sich ganz gut eingebracht, ist auf Augenhöhe eingemeindet worden", erklärt Christian Helldrich, Inhaber der Heros-Baumschulen im Ort. Niedergräfenhainer Themen seien auch im Tagesgeschäft der Stadtverwaltung ausreichend einbezogen worden, ist sein Eindruck. Jetzt müssten aus seiner Sicht Reparaturen an den Straßen erfolgen, bevor Schäden größer werden. "Hochwasserschutz ist das dringlichste Problem", steht für ihn fest. 2013 war ein hartes Jahr für die Niedergräfenhainer mit zwei Hochwasserereignissen - das erste vier Tage lang und das zweite von ungeahnter Gewalt. Die Eula müsste mehr Wasser fassen können, erklärt Helldrich.

 

 

"Das ist ein leises Miteinandergehen von Niedergräfenhain und Geithain", sagt Betti Raschke. Die Eingemeindung habe keine großen Vorteile gebracht. "Aber ganz vergessen sind wir doch nicht, das hat man beim Hochwasser gesehen", erklärt die Niedergräfenhainerin. Frank Voigt, der stellvertretende Leiter der Niedergräfenhainer Wehr, erzählt: "Wir haben damals ein bisschen Angst gehabt, dass die Feuerwehr eingeht. Aber das ist nicht passiert - im Gegenteil. Es ist eine super Zusammenarbeit mit der Geithainer Wehr und auch mit der Stadt."

 

 

Positiv sieht die Entwicklung auch Frank Viehweg: "Das ist eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt. Ich denke, die Bürger können zufrieden sein." Er war ab 1991 Bürgermeister von Niedergräfenhain, leitete nach der Eingemeindung bis zum Wechsel in den Ruhestand den städtischen Bauhof. Diese Eingemeindung sei "völlig emotionslos" geschehen, hatte er bei seinem Abschied aus dem Arbeitsleben zurückgeblickt. Einschneidend für Niedergräfenhain war im August die Einweihung der Autobahn 72 zwischen Rathendorf und Borna, denn direkt hinter dem Ortsausgang liegt die Auffahrt Geithain. In Stoßzeiten gäbe es nun deutlich mehr Verkehr im Ort, bestätigt Frank Viehweg. "Die Autobahn ist laut, da musste man sich erst dran gewöhnen. Die Abfahrt ist für uns natürlich ideal", erklärt er. Negativ sei, dass bis heute ein Fuß- und Radweg nach Geithain fehlt, idealerweise müsste der sogar bis Roda gehen, findet der Niedergräfenhainer.

 

 

"Zur Eingemeindung gab es keine Alternative", sagt Mario Frommhold, CDU-Stadtrat aus Niedergräfenhain. Die Straßen im Ort seien fast alle gemacht worden, vermerkt er positiv. Jetzt sei allerdings schon wieder die Instandsetzung fällig, betont auch er. Dass der Stadtrat 2009 doch nicht wie vorgesehen eine Schließung der Niedergräfenhainer Kindereinrichtung ab dem Sommer 2010 besiegelte, ist für ihn ein Beispiel, wo Stadträte etwas bewegen konnten. Das Kirchspiel Geithainer Land übernahm die Trägerschaft, baut derzeit einen neuen evangelischen Kindergarten im Ort, der im Mai eingeweiht werden soll (die LVZ berichtete). Positiv sei, dass dieses Jahr nun aus Mitteln zur Beseitigung von Hochwasserschäden die Straße zur neuen Kita, zu Kirche und Friedhof gemacht werden kann, betont Frommhold. "Schlecht, dass in Sachen Hochwasserschutz bislang nichts passiert ist. Wir kriegen das Wasser von den versiegelten Flächen der Stadt Geithain ab, genau wie das Altdorf", erklärt er. Abhilfe würde aus seiner Sicht eine Ertüchtigung des ehemaligen Porphyrsteinbruchs zwischen Geithain und Niedergräfenhain als Stauraum für Wasser aus Eula und Kalkbach schaffen. "Der Aufwand ist gar nicht so gewaltig im Vergleich zum Nutzen", schätzt der Inhaber eines Ingenieurbüros ein. Neben dem zentralen Thema Hochwasserschutz ist auch aus seiner Sicht sehr negativ, dass noch immer kein Baubeginn für einen Radweg entlang der Bundesstraße 7 zwischen Geithain und dem Ortsteil in Sicht ist. "Der Weg hätte spätestens mit der Autobahneröffnung da sein müssen", erklärt der Niedergräfenhainer. Dringend notwendig sei auch ein Fußgängerüberweg über die Bundesstraße in Höhe der Bushaltestelle. Vor allem Montag früh und Freitagnachmittag, sei seit der Autobahneröffnung nun deutlich mehr Verkehr im Ort. Ein drittes Thema bewegt den Stadtrat: "Was fehlt in Niedergräfenhain, ist ein Kinderspielplatz."

 

 

In diesem Jahr werde die Stadt Fußballtore auf dem Bolzplatz aufstellen lassen, die sich die Kinder und Jugendlichen des Ortes wünschen, kündigt Geithains Bürgermeisterin Romy Bauer (parteilos) an. Den Hochwasserschutz sieht auch die Stadtchefin als wichtigste Aufgabe an, die es für Niedergräfenhain zu lösen gilt. Sie sei "sehr, sehr unzufrieden" mit dem gegenwärtigen Stand, betont die Stadtchefin. Außer den in der Einwohnerversammlung von Flussmeister Remo Fahr für 2014 an der Eula zugesagten Unterhaltungsarbeiten, sei erst einmal nichts Konkretes im Blick. "Es geht nicht voran", ärgert sich die Bürgermeisterin und kündigt an, sie werde "mit den Partnern ständig im Gespräch bleiben und weitere Schritte einfordern."

 

 

Ärgerlich ist auch aus ihrer Sicht, dass es mit dem Radweg zwischen Geithain und Niedergräfenhain nicht schneller vorwärtsgeht. Für seinen Bau ist nun, wie berichtet, ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren erforderlich, weil es keine Einigung zwischen dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr als Bauherr und einem Teil der Niedergräfenhainer Grundstückseigentümer gibt. "Darüber bin ich schon enttäuscht", erklärt die Bürgermeisterin. 2014 werde man nun noch keinen Bagger bei der Arbeit für dieses Projekt sehen, frühestens im Jahr darauf, erwartet sie.

Sehr ärgerlich ist aus Bauers Sicht auch, dass die Autobahnauffahrt bei Niedergräfenhain bis heute nicht ausgeschildert ist, obwohl die A 72 hier bereits seit Monaten für den Verkehr freigegeben ist. Kommt man derzeit aus Geithain gefahren, ist zwar die Sperrung der B 7 in Richtung Chemnitz auf dem Hinweisschild im Ortsteil vermerkt, nicht aber, dass man wenige Meter weiter auf die Autobahn auffahren und super bequem eben dorthin gelangen kann. "Die Beschilderung ist lange, lange überfällig. Ich kann nicht nachvollziehen, warum sie immer noch aussteht", ärgert sich die Stadtchefin.

 

 

Ganz wichtig für Niedergräfenhain sei, dass es gelang, die Kindereinrichtung im Ortsteil zu erhalten, betont sie ebenfalls. Auch abgesehen von dem Trägerwechsel und dem Neubau der Kita, bringe sich das Kirchspiel Geithainer Land sehr aktiv in Niedergräfenhain ein.

 

 

Die Stadtchefin hebt aber auch die Aktivitäten anderer Akteure hervor, beispielsweise die regelmäßigen Ausstellungen von Rassekaninchen und -geflügel auf dem Gelände der Heros-Baumschulen. Schade sei, dass dort 2013 erstmals keine Rassehundeausstellung stattfand. "Ich wünsche mir, dass dies nur eine Pause war, und solche Schauen hier wieder Publikum aus nah und fern anlocken werden." Bemerkenswert sei auch, wie in Niedergräfenhain die Dorfgemeinschaft funktioniere. "Das schätze ich sehr", hebt Bauer hervor. Die Feuerwehr organisiere jeweils neben ihren Einsätzen gemeinsam mit Partnern das jährliche Dorf- und Kinderfest. Die Seniorenarbeit der Volkssolidarität sei auf dem Dorf selten so verankert wie in Niedergräfenhain.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.01.2014
Inge Engelhardt

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