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Geithain Holice und Frohburg: Motorsport begründete 1971 eine von Musik getragene Freundschaft
Region Geithain Holice und Frohburg: Motorsport begründete 1971 eine von Musik getragene Freundschaft
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00:46 27.04.2018
Das Blasorchester Frohburg bei einem Auftritt zur Grünen Woche in Berlin. Quelle: Manuela Schilde
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Frohburg

Dass Blasmusik verbindet, dafür geben das böhmische Holice und das sächsische Frohburg ein beredtes Beispiel: Seit 45 Jahren gibt es zwischen den Blasorchestern beider Städte eine angeregte wie anregende Partnerschaft. In jährlichem Wechsel besucht man sich, um gemeinsam zu musizieren. 2016 findet das Wiedersehen und Wiederhören an der Wyhra statt. Am Wochenende sind die Tschechen hier zu Gast – und von ihrer Visite profitiert auch der Frohburger Schützenverein, denn beide Orchester, das aus Holice und das der Frohburger Feuerwehr, treten im Rahmen des 20. Schützenfestes auf.

„Klar gemacht haben wir die Partnerschaft, als wir 1971 zum Campingurlaub in Holice waren“, blickt Anton Fetzer (71), Trompeter und Notenwart des Feuerwehr-Blasorchesters, zurück. Mit Wir meint er Horst Schulze samt Familie und seine eigene. Die gemeinsame Basis für die Holicer und Frohburger hatte allerdings einen ganz anderen Grundton: den dröhnender Motoren. Denn beide Orte waren sich bereits durch den Rennsport näher gekommen. Die Musik indes spielte in der kleinen Stadt nahe Pardubice östlich von Prag im Kulturhaus. Hier gab es ein Blasorchester, dem der Kulturhaus-Leiter vorstand, und hier wurde drei Jahre nach dem gewaltsamen Ende des Prager Frühlings der Partnerschaftsvertrag paraphiert.

„Uns war es damals wichtig, an original tschechische Stücke heranzukommen, an Polkas und Walzer, denn mit Notenmaterial sah es schlecht aus in der DDR“, erinnert sich Andreas Kupfer (63), Schlagzeuger und heute Orchesterleiter. Der Austausch habe sich auf verschiedenen Ebenen vollzogen. Und auch Bereiche berührt, die den Frohburgern heimwärts beim Grenzübertritt gern ein Kribbeln verursachten, sagt Joachim Schulz (64), Tenorhorn: „Es war nicht nur der Becherovka im Gepäck.“ Auch Glas oder Sanitärtechnik habe die Seiten gewechselt, und die Tschechen arbeiteten bei ihren Frohburg-Besuchen ebenso Wunschlisten ab. „Nach Holice zu fahren, das war immer ein Höhepunkt für uns, für alle unsere Familien.“

Kontakte, die – weil von den Familien getragen – bis heute lebendig sind. „Wir sehen uns auch zwischendurch mal, spielen bei Goldenen Hochzeiten, inzwischen aber öfter auch auf Trauerfeiern“, sagt Siegfried Kunkel (60), der Tuba spielt. Das zeige, man sei gemeinsam alt geworden. Die ältesten Frohburger Musiker haben – wie Klarinettist Erwin Röhr (86), der 1958 die Kapelle mitgegründet hatte – die Mitte der Achtzig überschritten. „Wir haben inzwischen mehr Ältere als Jüngere“, formuliert es Andreas Kupfer. Zwei Dutzend Musiker zähle die Feuerwehr-Kapelle, die seinerzeit aus Anlass des 90-jährigen Bestehens der Frohburger Feuerwehr gegründet wurde und die Musiker aus Frohburg und weit darüber hinaus vereint. Die Tschechen indes seien heute personell besser aufgestellt, hätten viele Junge in ihren Reihen. Für die Älteren indes ist jede der jährlichen Begegnungen ein Fest, wohl wissend, dass die Chance zu reisen gesundheitsbedingt abnimmt. Es gebe inzwischen aber auch unterschiedliche musikalische Entwicklungen, sagt Joachim Schulz: „Während wir gern bei der traditionellen Blasmusik bleiben möchten und auch unser Publikum das will, setzen die Jüngeren gern auch auf das Moderne.“

In Frohburg wird am Sonnabend wohl beides zu hören sein. Nach der Ankunft am Freitagnachmittag und einem orchester-internen Begrüßungsabend sind am Sonnabend zwei Konzerte geplant. Die Gäste aus Holice spielen ab 14 Uhr im Festzelt am Frohburger Schützenhaus, nachdem der Umzug der Schützenvereine – vom Markt her kommend – dort eingetroffen ist. Gegen 15 Uhr gesellt sich die Feuerwehrkapelle auf der Bühne hinzu – dann wird gemeinsam musiziert. Zudem bestreiten die Frohburger ab 20 Uhr den musikalischen Part des großen öffentlichen Schützenballs – wobei Andreas Kupfer keinesfalls ausschließt, dass auch dann die tschechischen Musiker zu hören sein werden. Die Erfahrung zeige, dass es sie, wenn der Abend fortschreite, kaum auf ihren Stühlen halte – Musiker halt mit Herz und Seele.

Von Ekkehard Schulreich

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