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Geithain Horst Kempa schreibt Bücher über das Dorfleben
Region Geithain Horst Kempa schreibt Bücher über das Dorfleben
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00:35 17.05.2018
Landwirtschaft war Horst Kempas Leben. Im Ruhestand schreibt er über seine beruflichen Erfahrungen – und liest gerne auch aus Narsdorfer Kindheitserinnerungen. Quelle: Jens Paul Taubert
Geithain/Narsdorf

Gerade 19 Jahre jung war Horst Kempa, als er der erste Mann unter den Traktoristen des Sahliser Gutes wurde, des VEG, des Volkseigenen Gutes Kohren-Sahlis. Da hatte das Umsiedlerkind, wie der offizielle Sprachgebrauch lautete, gestrandet in Narsdorf, in der Landwirtschaft längst Fuß gefasst. Ein halbes Jahrhundert blieb der 77-Jährige mit ihr aufs Engste verbunden.

Autor hat zahlreiche Bücher geschrieben

Teilte er diesen Berufsweg mit nicht wenigen seiner Generation, unterscheidet ihn jedoch eines: Er schrieb nach dem Eintritt in die Rente mehr als ein Dutzend Bücher darüber, unterhaltsame wie programmatische. Wenn er aus ihnen liest, findet er ein aufgeschlossenes Publikum – wie jüngst im Geithainer Heimatverein, der ihn zu seiner monatlichen Veranstaltung einlud.

Der Zetor Super, ein tschechisches Fabrikat, galt 1959 als hochmoderner Traktor. Kempa, der auf dem Gut drei Jahre lang Erfahrungen auf dem Bock von Aktivist und Pionier sammeln konnte, empfand es als Auszeichnung, als jüngster Traktorist und Erster im Kreis Geithain solch eine Maschine lenken zu dürfen.

Zeit als Traktorist prägte ihn

Nicht nur auf den Feldern kam er zum Einsatz. Regelmäßig steuerte er mit seinem Gespann den Frohburger Milchhof an, half mit seinem leitungsstarken Fahrzeug in anderen LPGs – Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften – aus. „Traktorist zu sein, war eine für mich prägende Zeit. Ich wusste, wie es draußen zugeht, kannte die Sprache der Leute“, blickt er zurück.

„Schwarzer, du musst weitermachen“, sagte VEG-Chef Martin Goth dem Zwanzigjährigen mit dem dunklen Schopf, setzte ihn als Brigadier für den Feldbau ein. Da hatte er Dutzende Frauen und Männer unter sich und 700 Hektar, musste die Arbeiten einteilen. Kein Zuckerschlecken, „eine Schule des Lebens, nachts hab ich geheult“.

Kempa absolvierte zwei Fernstudien

Doch er biss sich durch: zwei Fernstudien, wurde Diplom-Agraringenieur-Ökonom. Goth, der inzwischen das VEG Sommerfeld am Ostrand von Leipzig, „das mieseste im Bezirk“, auf Vordermann zu bringen suchte, holte ihn dorthin. Von 1978 an Direktor bis zur Wende, hatte er die Chance, unter Treuhand-Regie und nach der Privatisierung an Bord zu bleiben.

Hier in Engelsdorf lebt er heute noch mit seiner Frau Barbara, die eine Landwirtschaftsfachschule absolvierte.

Schreiben war Rettung im Ruhestand

„Obwohl ich vorbereitet war auf den Ruhestand, wäre ich beinahe in ein tiefes Loch gefallen“, sagt Horst Kempa. Sich hinzusetzen und aufzuschreiben, was er in Jahrzehnten erlebte, bewahrte ihn davor. Sein inzwischen dreibändiges Buch „50 Jahre erlebte Landwirtschaft im Osten Deutschlands“ ist ein Standardwerk der Erinnerungsliteratur auf diesem Feld.

Berichtet er dort im Detail unter anderem darüber, wie es in den Fünfzigerjahren im Kohren-Sahliser Gut zuging, wie die archaische Landwirtschaft nach und nach technisiert und umgekrempelt wurde, geht es in „Narsdorf – ein Bauerndorf und seine Kinder“ vor allem unterhaltsam zu.

Hier werden die Nachkriegsjahre beleuchtet. Im Schlesischen nahe Breslau geboren in einer Familie von Bauern und Handwerkern, flüchtete der ganze Clan Kempa 1945, kehrte für Monate nach Polen zurück, musste im Winter 1945/46 endgültig raus.

Familie versuchte, in Narsdorf Fuß zu fassen

Weil Horst, der Fünfjährige, an Typhus erkrankte, blieb er mit den Eltern in Görlitz zurück; die anderen siedelten sich im Westen an. In Narsdorf versuchte man Fuß zu fassen. Bescheidene Wohnräume beim Kohlenhändler Stephan am Narsdorfer Bahnhof. Dorfschule, acht Jahrgänge, vier Klassenzimmer, mehr als die Hälfte Kinder, die der Krieg wie Horst heimatlos gemacht hatte. Der Wille, Boden unter die Füße zu bekommen.

Doch als er, der Einzige, auf die Oberschule delegiert werden sollte, kniff er, zog die Lehre auf dem Sahliser Gut vor.

Autor Horst Kempa (l.) 2012 nach der Lesung zum Auftakt des Schul- und Heimatfestes im Gespräch mit Narsdorfern über sein Buch. Quelle: Inge Engelhardt

„Aufgeschrieben habe ich all das nur für mich. Kollegen von einst bestärkten mich“, sagt Horst Kempa. Dass er aufmerksame Zuhörer findet – in seiner Generation und unter den Jungen vor allem –, freut ihn. Um vorzutragen, kommt er gern in die Wahlheimat des Kohrener Landes.

Seinen Narsdorfer Schulgeschichten fügte er schließlich ein weiteres Bändchen hinzu: „Was die Erwachsenen von uns Narsdorfer Kindern nicht wissen durften“. Mit dem Engelsdorfer Verlag fand er ein probaten Partner. Und alles erzählt ist für Kempa noch lange nicht.

Von Ekkehard Schulreich

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