Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Im Geithainer Altdorf heißt es nach starkem Regen „Land unter!“

Behörde will helfen Im Geithainer Altdorf heißt es nach starkem Regen „Land unter!“

Ab dem kommenden Jahr soll zumindest keine Fäkalien mehr im Garten stehen: Die Kommunalen Wasserwerke Grimma-Geithain wollen einen Abwasser-Überlauf in die Eula mit Sieben versehen. Am Grundproblem, dass es im Geithainer Altdorf nach starkem Regen „Land unter!“ heißt, ändert das allerdings nichts.

Die Eula im Geithainer Altdorf – bei starkem Regen kommt es hier regelmäßig zu Überflutungen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Vorausgesetzt die Kommunalen Wasserwerke Grimma-Geithain ergänzen ihren Abwasserkanal in der Altenburger Straße in Geithain tatsächlich mit Sieben, dann blieben die Eula-Anlieger im Altdorf künftig zumindest von Fäkalien verschont. An der Gefahr, dass ihre Grundstücke bei jedem stärkeren Regenguss geflutet werden, ändert das nichts. Deshalb vernahmen Betroffene mit erheblicher Skepsis, was der Versorgungsverband Grimma-Geithain im Stadtrat jetzt zur Lösung des Problemes vorschlug. Dass besagte Siebe nur ein erster Schritt hin zu einer Lösung sein könnten, keinesfalls aber die Lösung selbst, daraus hatte in dieser Runde Verbandsgeschäftsführer Lutz Kunath keinen Hehl gemacht. Dass er allerdings mehrfach auf die Landestalsperren-Verwaltung wies und den von ihr 2013 aufgehobenen Vertrag zum Ausbau der Eula als einen Kernpunkt des Problems benannte, wird dort zurück gewiesen. Die Behörde hält den Eula-Ausbau mitnichten für den Schlüssel. Sie vermutet Versäumnisse eher schon während der Planungs- und Bauphase jenes Staukanals, der in der Altenburger Straße liegt und der bei Überlastung den Überschuss samt Toiletten- Ingredienzien in den Fluss leitet – oberhalb, nicht unterhalb der Siedlung.

„Mehr Wasser als genehmigt“

„Es kommt mehr Wasser an, als genehmigt ist“, beschreibt Markus Freygang, Betriebsteilleiter Weiße Elster, den Standpunkt der Landestalsperren-Verwaltung (LTV). Um das belegen zu können, fehlten allerdings belastbare Zahlen. „In den vielen Gesprächen, die seit Jahren geführt werden mit allen Seiten, stand immer die Frage: Wie viel Wasser kommt denn im Fall des Falls. Augenscheinlich extrem viel.“ Dass der Überlauf schon bei einer Wassermenge von 14 Litern pro Sekunde anspringt, steht in einem Protokoll von 2014 (!), auch der Satz: „Das ungewollte Einleiten von ungeklärten Abwässern tritt in der letzten Zeit immer häufiger auf.“ Als der Kanal im vergangenen Jahrzehnt projektiert worden sei, habe man von mehreren Ausbaustufen gesprochen, blickt Freygang zurück. Kleinere Mengen habe die Eula auch verkraftet. Was die Einleitung in die Eula in ihrer Komplexität für Konsequenzen – für die immer wieder von Hochwasser betroffenen Altdörfler – bedeute, „das hat damals keiner so richtig im Blick gehabt“. Er sieht deshalb das Landratsamt in der Verantwortung, sämtliche Genehmigungsunterlagen zu prüfen und mit den Realitäten abzugleichen.

„Stauraumkanal nach Stand der Technik genehmigt“

„Der Stauraumkanal mit dem Mischwasserabschlag von 2,6 Kubikmetern pro Sekunde wurde 2001 nach dem Stand der Technik genehmigt und dahingehend gebaut. Nach den damaligen Berechnungen kann die Eula diese Wassermenge schadlos abführen“, sagt Petra Hahn, Sachgebietsleiterin Wasser/Abwasser des Umweltamtes, auf LVZ-Nachfrage. Eine Festlegung aus den Beratungen sei die Überprüfung der wasserrechtlichen Erlaubnis zur Einleitung des Mischwasserabschlages gewesen. „Dazu gehören eine hydraulische Berechnung, die mit der Aktualisierung des Generalentwässerungsplanes für die Stadt Geithain durchgeführt wurde.“ Zudem habe man eine Grobstoff-Reinigungsanlage gefordert: „Diese Unterlagen liegen uns jetzt vor und werden gerade fachtechnisch bewertet.“ Die maximale Entlastungsmenge in die Eula beträgt Hahn zufolge „nach dieser Berechnung 2,4 Kubikmeter pro Sekunde bei einem Regenereignis mit einer Wiederkehrwahrscheinlichkeit von einmal pro Jahr“. Warum die Kreisbehörde überhaupt den wiederkehren Abschlag von fäkalienhaltigem Wasser über so viele Jahre duldete, diese Frage blieb unbeantwortet.

„Wasserrechtliche Genehmigung ist der Hammer“

„Diese wasserrechtliche Genehmigung ist der Hammer“, sagt der Geithainer Stadtrat Mario Frommhold (CDU). Aufgewachsen im Altdorf, kennt er das Flut-Problem aus der Unmittelbarkeit. Er hält den Staukanal für eine „Fehlkonstruktion“ und die Genehmigung all dessen für eine Fehlleistung der Behörden. Doch leider sei niemand willens, sich dieser Verantwortung wirklich zu stellen. Aus seiner Sicht lässt sich das Problem nur lösen, indem die Eula durchlässiger wird. „So lange sie das Wasser nicht abtransportieren kann, wird das Altdorf immer wieder geopfert für eine ganze Stadt“, sagt er. Das Projekt zum Ausbau liege seit Jahren in den Schubfächern – „und die Eingriffe in die Grundstücke sind gar nicht so gravierend wie behauptet“.

„Wir müssten den Fluss richtig einmauern“

Freygang sieht das anders. Selbst wenn die Eula ausgebaut würde – trotz des für den Freistaat ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses, „müsste sie bis zu zehn Kubikmeter pro Sekunde ableiten können. Dafür reicht der Platz in der Aue gar nicht aus. Wir müssten den Fluss richtig einmauern.“ Was man tun könne und tue, sei der Eula in kleinen Schritten mehr Raum zu geben. So sei man mit einem Unternehmen im Altdorf im Gespräch, dessen verbautes Ufer naturnaher zu gestalten. Im Bereich der in Auflösung begriffenen Gartenanlage Alte Heimat würde die LTV gern Flächen von der Stadt erwerben, um hier auch potenzielle Überflutungsflächen zu schaffen – auch wenn das dem Altdorf nicht helfe. Eine Solche Fläche habe man unterhalb des Altdorfs hergerichtet, dort wo bisher Garagen standen. Allerdings werde der Eula-Abfluss hier, im Bereich der B 7-Brücke erschwert, Rückstau-Gefahr inklusive: „Hier wächst alles immer wieder mit Schilf zu. Wir kommen mit dem Freihalten kaum nach – und es kann letztlich nicht unsere alleinige Aufgabe sein“, so Markus Freygang. Denn der Grund für das üppige Wachstum sei das Überangebot an Nährstoffen – durch die Fäkalien aus dem überlaufenden Stauraum-Kanal der Wasserwerke.

Von Ekkehard Schulreich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Geithain
Geithain in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 54,24km²

Einwohner: 7378 Einwohner (Dezember 2016)

Bevölkerungsdichte: 136 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04643

Ortsvorwahlen: 034341, 034346

Stadtverwaltung: Markt 11, 04643 Geithain

Ein Spaziergang durch die Region Geithain
21.11.2017 - 11:59 Uhr

Wenn es draußen kälter und dunkler wird, beginnt die Hallensaison. Wir bieten eine Übersicht über Turniere in und um Leipzig und sind dankbar für Hinweise.

mehr
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr