Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Im Geithainer Altdorf heißt es nach starkem Regen „Land unter!“
Region Geithain Im Geithainer Altdorf heißt es nach starkem Regen „Land unter!“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:19 31.08.2016
Die Eula im Geithainer Altdorf – bei starkem Regen kommt es hier regelmäßig zu Überflutungen. Quelle: Jens Paul Taubert
Anzeige
Geithain

Vorausgesetzt die Kommunalen Wasserwerke Grimma-Geithain ergänzen ihren Abwasserkanal in der Altenburger Straße in Geithain tatsächlich mit Sieben, dann blieben die Eula-Anlieger im Altdorf künftig zumindest von Fäkalien verschont. An der Gefahr, dass ihre Grundstücke bei jedem stärkeren Regenguss geflutet werden, ändert das nichts. Deshalb vernahmen Betroffene mit erheblicher Skepsis, was der Versorgungsverband Grimma-Geithain im Stadtrat jetzt zur Lösung des Problemes vorschlug. Dass besagte Siebe nur ein erster Schritt hin zu einer Lösung sein könnten, keinesfalls aber die Lösung selbst, daraus hatte in dieser Runde Verbandsgeschäftsführer Lutz Kunath keinen Hehl gemacht. Dass er allerdings mehrfach auf die Landestalsperren-Verwaltung wies und den von ihr 2013 aufgehobenen Vertrag zum Ausbau der Eula als einen Kernpunkt des Problems benannte, wird dort zurück gewiesen. Die Behörde hält den Eula-Ausbau mitnichten für den Schlüssel. Sie vermutet Versäumnisse eher schon während der Planungs- und Bauphase jenes Staukanals, der in der Altenburger Straße liegt und der bei Überlastung den Überschuss samt Toiletten- Ingredienzien in den Fluss leitet – oberhalb, nicht unterhalb der Siedlung.

„Mehr Wasser als genehmigt“

„Es kommt mehr Wasser an, als genehmigt ist“, beschreibt Markus Freygang, Betriebsteilleiter Weiße Elster, den Standpunkt der Landestalsperren-Verwaltung (LTV). Um das belegen zu können, fehlten allerdings belastbare Zahlen. „In den vielen Gesprächen, die seit Jahren geführt werden mit allen Seiten, stand immer die Frage: Wie viel Wasser kommt denn im Fall des Falls. Augenscheinlich extrem viel.“ Dass der Überlauf schon bei einer Wassermenge von 14 Litern pro Sekunde anspringt, steht in einem Protokoll von 2014 (!), auch der Satz: „Das ungewollte Einleiten von ungeklärten Abwässern tritt in der letzten Zeit immer häufiger auf.“ Als der Kanal im vergangenen Jahrzehnt projektiert worden sei, habe man von mehreren Ausbaustufen gesprochen, blickt Freygang zurück. Kleinere Mengen habe die Eula auch verkraftet. Was die Einleitung in die Eula in ihrer Komplexität für Konsequenzen – für die immer wieder von Hochwasser betroffenen Altdörfler – bedeute, „das hat damals keiner so richtig im Blick gehabt“. Er sieht deshalb das Landratsamt in der Verantwortung, sämtliche Genehmigungsunterlagen zu prüfen und mit den Realitäten abzugleichen.

„Stauraumkanal nach Stand der Technik genehmigt“

„Der Stauraumkanal mit dem Mischwasserabschlag von 2,6 Kubikmetern pro Sekunde wurde 2001 nach dem Stand der Technik genehmigt und dahingehend gebaut. Nach den damaligen Berechnungen kann die Eula diese Wassermenge schadlos abführen“, sagt Petra Hahn, Sachgebietsleiterin Wasser/Abwasser des Umweltamtes, auf LVZ-Nachfrage. Eine Festlegung aus den Beratungen sei die Überprüfung der wasserrechtlichen Erlaubnis zur Einleitung des Mischwasserabschlages gewesen. „Dazu gehören eine hydraulische Berechnung, die mit der Aktualisierung des Generalentwässerungsplanes für die Stadt Geithain durchgeführt wurde.“ Zudem habe man eine Grobstoff-Reinigungsanlage gefordert: „Diese Unterlagen liegen uns jetzt vor und werden gerade fachtechnisch bewertet.“ Die maximale Entlastungsmenge in die Eula beträgt Hahn zufolge „nach dieser Berechnung 2,4 Kubikmeter pro Sekunde bei einem Regenereignis mit einer Wiederkehrwahrscheinlichkeit von einmal pro Jahr“. Warum die Kreisbehörde überhaupt den wiederkehren Abschlag von fäkalienhaltigem Wasser über so viele Jahre duldete, diese Frage blieb unbeantwortet.

„Wasserrechtliche Genehmigung ist der Hammer“

„Diese wasserrechtliche Genehmigung ist der Hammer“, sagt der Geithainer Stadtrat Mario Frommhold (CDU). Aufgewachsen im Altdorf, kennt er das Flut-Problem aus der Unmittelbarkeit. Er hält den Staukanal für eine „Fehlkonstruktion“ und die Genehmigung all dessen für eine Fehlleistung der Behörden. Doch leider sei niemand willens, sich dieser Verantwortung wirklich zu stellen. Aus seiner Sicht lässt sich das Problem nur lösen, indem die Eula durchlässiger wird. „So lange sie das Wasser nicht abtransportieren kann, wird das Altdorf immer wieder geopfert für eine ganze Stadt“, sagt er. Das Projekt zum Ausbau liege seit Jahren in den Schubfächern – „und die Eingriffe in die Grundstücke sind gar nicht so gravierend wie behauptet“.

„Wir müssten den Fluss richtig einmauern“

Freygang sieht das anders. Selbst wenn die Eula ausgebaut würde – trotz des für den Freistaat ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses, „müsste sie bis zu zehn Kubikmeter pro Sekunde ableiten können. Dafür reicht der Platz in der Aue gar nicht aus. Wir müssten den Fluss richtig einmauern.“ Was man tun könne und tue, sei der Eula in kleinen Schritten mehr Raum zu geben. So sei man mit einem Unternehmen im Altdorf im Gespräch, dessen verbautes Ufer naturnaher zu gestalten. Im Bereich der in Auflösung begriffenen Gartenanlage Alte Heimat würde die LTV gern Flächen von der Stadt erwerben, um hier auch potenzielle Überflutungsflächen zu schaffen – auch wenn das dem Altdorf nicht helfe. Eine Solche Fläche habe man unterhalb des Altdorfs hergerichtet, dort wo bisher Garagen standen. Allerdings werde der Eula-Abfluss hier, im Bereich der B 7-Brücke erschwert, Rückstau-Gefahr inklusive: „Hier wächst alles immer wieder mit Schilf zu. Wir kommen mit dem Freihalten kaum nach – und es kann letztlich nicht unsere alleinige Aufgabe sein“, so Markus Freygang. Denn der Grund für das üppige Wachstum sei das Überangebot an Nährstoffen – durch die Fäkalien aus dem überlaufenden Stauraum-Kanal der Wasserwerke.

Von Ekkehard Schulreich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Name klingt vielversprechend. Aus dem Förderprogramm Brücken in die Zukunft werden dem Landkreis Leipzig sowie den Kommunen 30,3 Millionen Euro bewilligt. Das Geld wird in Schulen, Kitas, Sportstätten und Verwaltungsgebäude gesteckt. LVZ bietet eine Übersicht zu allen bestätigten Maßnahmen, die bis 2020 in der Region gefördert werden.

31.08.2016

Wissen über gesunde Ernährung vermittelt das Deutsche Rote Kreuz in Geithain den Schülern der Förderschule für geistig Behinderte „Wilhelm Pfeffer“ in Zettlitz. Für das Projekt „Gemeinsam BEERENstark“ erhielt der Kreisverband eine 500-Euro-Spende der Town & Country Stiftung.

30.08.2016

Michael Hecht, 27, übernimmt ab September das Privatwald-Revier Muldental–Kohrener Land. Hans-Joachim Kotschmar, seit fast fünf Jahrzehnten in der Forstwirtschaft tätig, wechselt in den Ruhestand. Seit 2008 betreute er eine kleinteilige Waldfläche, die mehr als 1300 verschiedene Eigentümer hat, darunter Kommunen und Kirchgemeinden.

30.08.2016
Anzeige