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Im „Goldenen Engel“ von Dolsenhain darf wieder gefeiert werden

Gastronomie Im „Goldenen Engel“ von Dolsenhain darf wieder gefeiert werden

Dass ein Fachwerk-Bau kaum heutigen Lärmschutzauflagen entspricht, kann nicht verwundern. Die Betreiber des „Privilegierten Gasthofs Goldener Engel“ in Dolsenhain bemühten sich über mehrere Jahre, das im Dorfbild dominierende Gebäude zumindest eingeschränkt wieder nutzbar zu machen.

Das Hauptgebäude des „Goldenen Engels“ schräg gegenüber vor einem Jahrhundert.

Quelle: privat

Kohren-Sahlis/Dolsenhain. Der Dolsenhainer „Privilegierte Gasthof Goldene Engel“, der mehr als zwei Jahrhunderte eine renommierte Ausspanne an der Fernstraße von Leipzig nach Chemnitz war, befindet sich seit Generationen im Besitz der Familie Geithel. Das Hauptgebäude wurde 1768 errichtet, belegt durch einen mit dieser Jahreszahl versehener Stein im Keller. Deutlich jünger ist der große Saalbau aus Fachwerk, vom eigentlichen Anwesen durch die nach Gnandstein führende Straße getrennt. Um 1900 errichtet, darf hier nach mehreren Unterbrechungen seit zwei Jahren wieder gefeiert werden. Diese Erlaubnis zurückzuerlangen, erforderte ein aufwendiges baurechtliches Verfahren. Dessen Komplexität hätten weder Geithels erwartet noch der Architekt und Planer Volker Tracksdorf, der sie auf diesem hürdenreichen Weg begleitete. Dass der letztlich erfolgreich war, freut auch viele im Dorf, die hier Fasching oder Silvester, Hochzeiten oder runde Geburtstage feiern.

Dieses Haus atmet Geschichte, und wer die mit Porphyr belegten Stufen hinaufsteigt, atmet durch, wenn er das Obergeschoss erreicht – und staunt, denn der Saal, der sich den Blicken öffnet, wirkt unerwartet groß. Gut vorstellbar wird, wie hier das dörflich-kulturelle Leben blühte. Gustav Bernhard Geithel hatte 1908 für den offenbar kurz zuvor aus Bruchsteingemäuer und Fachwerk errichteten Saal die Konzession für den Ausschank von Branntwein, für das „Tanzmusikhalten und Krippesetzen“ von der Amtshauptmannschaft Borna bestätigt bekommen. So steht es in alten Akten im Familienarchiv.

Bewirtschaftet wurde der Bau bis in die sechziger Jahre hinein; die älteren Dolsenhainer erinnern sich an den Karneval samt Prinzenpaar und Umzug. Dessen Ausgelassenheit mag dazu beigetragen haben, dass Geithels den Betrieb schließlich einstellen mussten und auch die Gaststätte schlossen. Ein Kunststoff verarbeitender Betrieb aus Kohren-Sahlis nutzte den Saal bis zur Wende als Produktionsstätte, so wie er es auch in Terpitz tat.

„1990 haben wir die Gaststätte wieder eröffnet. Wir sagen unsere Dorfkneipe dazu“, sagt Ilona Geithel, die 1983 nach der Heirat mit Armin Dolsenhain kam und die Bewirtung übernahm. Später wurde auch der Saal neu hergerichtet, um seiner ursprünglichen Bestimmung neu zu dienen. „Unser Ziel war es, da drin unsere Silberhochzeit zu feiern“, blicken sie zurück. Das gelang. Dass der traditionsreiche Saal-Betrieb unter den neuen (baupolizeilichen) Verhältnissen nicht rechtens sein könnte, kam Geithels nicht in den Sinn. Doch sie mussten es erkennen, als keine drei Jahre später die Bauaufsicht des Landkreises die Nutzung untersagte.

„Die Revitalisierung eines solchen Hauses zu erreichen ist wie der Bauantrag für ein neues Gebäude“, sagt Volker Tracksdorf, von Geithels ins Boot geholt. Ein Konzept für den Brandschutz wurde nötig, eine aufwendige Schallemissionsprognose ebenso. Zudem steht der denkmalgeschützte Bau zu dicht an zwei Nachbargrundstücken, „aber wir konnten das Gebäude ja nicht wegrücken wie die Heuersdorfer Kirche“. Zeitweise habe man sich im Kreis gedreht, so der Planer, und Zweifel gehabt, ob das Kunststück gelinge. Doch nach zwei Jahren habe man die Genehmigung erhalten. Möglich machten dies unter anderem ein zweiter Rettungsweg, eine Brandmeldeanlage und eine Begrenzung der Kapazität und der Veranstaltungen mit lauter Musik.

„Die Sache gemeinsam durchzustehen, war die richtige Entscheidung“, sagten Ilona und Armin Geithel. Seither hielten mehrfach wieder Kutschen mit Hochzeitspaaren vor dem markanten Haus, feierten die Dolsenhainer in großer Runde. „Die Termine im Jahr, an denen es ein bisschen lauter sein darf, sind ruckzuck weg“, sagt die Wirtin. Darüber freut sich auch Volker Tracksdorf, der zur Historie des Hauses ein wenig recherchierte: „Der Goldene Engel ist gewiss jene Gaststätte im Kohrener Land, die am längsten in Familienhand ist.“

Von Ekkehard Schulreich

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