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Geithain Im Tennis war Bad Lausick viele Jahre republikweit eine Größe
Region Geithain Im Tennis war Bad Lausick viele Jahre republikweit eine Größe
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08:00 19.11.2016
Tennis in Bad Lausick 1997. Quelle: privat
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Bad Lausick

Wenn der Bad Lausicker Tennisclub Blau-Gelb sein 90-jähriges Bestehen feiert, ist sein ältestes Mitglied gesundheitsbedingt nicht dabei: Elli Otte wurde soeben bemerkenswerte 98 Lenze. Sie hat den Verein acht Jahrzehnte lang begleitet, denn 18 war sie, als sie 1936 erstmals zum Schläger griff – und sie legte ihn erst mit 90 aus der Hand. Mischten die Herren des Vereins in seinen besten Jahren die DDR-Oberliga auf, steht der TC heute vor allem für den Breitensport – mit, wie es Präsident Thomas Hiebel formuliert, „mehreren Hoffnungsträgern im Kinder- und Jugendbereich“. Gefeiert wird das Jubiläum Sonnabendabend mit Mitgliedern und Förderern.

Erinnerung an glorreiche Zeiten für den Tennissport in Bad Lausick. Quelle: privat

„Ich gehörte zu den Ballkindern, die bei Turnieren die Bälle auflasen“, blickt Jochen Winzer auf den Anfang der Fünfzigerjahre zurück, als in ihm die Leidenschaft für Tennis geweckt wurde. Der 77-Jährige zählt heute zu den Ältesten im Verein, spielte zuletzt in der Seniorenmannschaft. Vor Jahrzehnten habe er sich zwischen Handball, Kegeln und Tennis entscheiden müssen: „Ich habe Letzteres gewählt, denn da kann man bis ins hohe Alter spielen.“ Und ebenso früh beginnen, sagt Vereinspräsident Thomas Hiebel mit Blick auf Oliver Neher, der mit drei Jahren das jüngste Vereinsmitglied ist: „Das ist das Schöne und Wertvolle am Tennis: Es spricht beide Geschlechter gleichermaßen an und ist für alle Altersklassen geeignet.“ Mit 200 Mitgliedern zählt der TC zu den großen Bad Lausicker Sportvereinen. Er unterhält neben einem Frauen-Team zwei Herren- und mehrere Seniorenmannschaften, ist vor allem aber im Bereich Kinder und Jugend aktiv – „von der Kreisklasse bis zur Bezirksliga“.

Das erfolgreiche Herren-DDR-Liga-Team 1974 (von links): Manfred Seidel, Günther Fährmann, Siegfried Kamprad, Rolf Müller (drei Jahrzehnte TC-Präsident), Johann Schmidt und Frank Liebich. Quelle: privat

Während Jochen Winzer bis zur Bezirksliga spielte, gehörte Jürgen Backhaus – neben Frank Liebich, Bernd Dobmaier, Günther Fährmann und anderen – zu jenen, die den TC in den Achtzigerjahren in die höchste Spielklasse der kleineren deutschen Republik führten: Dreimal Dritter in der Oberliga und 1986 sogar der Vizemeister-Titel belegen das. „In den Neunzigerjahren gab es noch höhere Leistungen, als wir sie gebracht haben“, erinnert sich Backhaus, bis heute aktiv, stimmt aber zu: „Für unsere Verhältnisse war das schon sehr gut. Wir zählten mit Dresden, Rostock, Magdeburg zu den Spitzenmannschaften.“ Bad Lausick war in der Tenniswelt des Ostens ein Begriff. Nach der Wende agierte die nächste Generation bereits in der 2. Bundesliga, sagt Thomas Hiebel: „Eigengewächse wie Martin Backhaus, mehrfacher Sachsenmeister im Einzel und Doppel, und Thomas Lange – auch dank argentinischer und österreichischer Unterstützung.“

„Dank der intensiven Kinder- und Jugendarbeit gehören inzwischen viele Familien zu unserem Verein“, sagt Silke Heisig, die 1976 zur damaligen BSG Stahl stieß. Das zeige sich bei den Punktspielen auch auf der Traverse: „Das ist für die Spieler eine schöne Kulisse.“ Auf einem Platz, der selbst bestens gelegen ist auf der Höhe des Badeberges, heute begrenzt von Sachsenklinik und Haus Herrmannsbad. Hier wurde schon in der Zwischenkriegszeit Tennis gespielt. Die beiden vorhandenen Plätze wurden später durch die Sportler um einen dritten ergänzt. In den zurückliegenden Jahren unternahm der Verein große Anstrengungen, um das Areal auszubauen, setzte mehrere Zehntausend Euro Eigenmittel ein, besorgte Fördergelder. Dass etwa unter Flutlicht gespielt werden könne, komme gerade an milden Spätherbst-Abenden zupass, sagt Heisig. Zudem profitiere der Verein von der neuen Sporthalle, die die Stadt Bad Lausick in diesem Jahr eröffnete: „Der Belag dort ist zwar relativ schnell, aber es ist sehr schön, dass wir jetzt die Möglichkeit haben, über den Winter dort zu trainieren.“

Wenn sich der Verein am Sonnabend im Saal der „Dynastie“ zu einer Festveranstaltung versammelt, kommen viele Aktive, Spieler vergangener Zeiten, Freunde, Förderer und Vertreter anderer Tennisclubs zusammen. Für Thomas Hiebel, seit zehn Jahren Präsident, eine gute Gelegenheit, all jenen Dank zu sagen, die den Verein nach ihren Kräften unterstützten: „Die ganz große Party muss aber noch ein bisschen warten. Das 100-jährige Bestehen unseres Clubs soll 2026 ein ganz besonderes Ereignis werden.“

Von Ekkehard Schulreich

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