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Immer Strom für Krankenhäuser und die Bahn

Immer Strom für Krankenhäuser und die Bahn

 

Bad Lausick/Grimma. Die politische und wirtschaftlichen Veränderungen nach 1989/90 bedeuteten für viele volkseigene Betriebe das Aus. Zugleich eröffnete sich Menschen mit Ideen und Mut die Chance, selbst Unternehmer zu werden und etwas aufzubauen.

Zu ihnen gehört Wolfgang Reinker aus Bad Lausick, Geschäftsführer der Elektroschaltanlagen Grimma GmbH (ESA). „Sie müssen eigentlich nur arbeiten, weiter nichts. Den Erfolg bestimmen nicht sie selbst, den bestimmt der Kunde“, sagt Wolfgang Reinker. An dem, was so simpel klingt, ist gewiss etwas dran. Reinker, der heute 65-Jährige, steht für den Erfolg jenes Geschäftsmodells, das er vor knapp zwei Jahrzehnten mit vier anderen Elektrotechnik-Ingenieuren zu entwickeln begann. Im Grunde einer Not gehorchend, denn der einstige VEB Elektroschaltgeräte Grimma mit seinen 1500 Beschäftigten stand vor dem Aus. Nicht, weil die Produkte nichts taugten, aber der Markt war weg, und alles mit dem Nimbus DDR Verbundene war nicht gefragt. „Bei dem großen Angebot, das es in allen Dingen gibt, eine Nische zu finden für etwas Eigenes, das ist die Herausforderung“, blickt Wolfgang Reinker zurück. Zur Untermiete in Grimma begann die neu gegründete GmbH. kunde Nummer eins war die Bahn. Elektrische Weichenheizungen wurden schon zu DDR-Zeiten hergestellt; jetzt galt es, die Technik am Bundesbahn-System auszurichten und neu zu definieren. „Von Anfang an haben wir Produktentwicklung betrieben, auch mit vier Mann“, sagt Reinker. Der Bahnkonzern macht heute ein Viertel des ESA-Umsatzes aus. Zweites elementares Geschäftsfeld sind sichere Stromnetze, etwa in Krankenhäusern. „Bei beidem gehören wir zur Spitze in Deutschland“, sagt der Geschäftsführer. Die ESA hat die Kliniken in Berlin-Buch und Minden, die zu den größten Neubauten ihrer Art in der Bundesrepublik zählen, ausgerüstet, den ICE-Bahnhof in Erfurt, ein großes Elektronische Stellwerk in Berlin. Schaltschrank-Komplexe aus Grimma wurden in Banken, Datenzentren, sogar in Filmstudios installiert. 80 Prozent seiner Umsätze erwirtschaftet das Unternehmen in Deutschland. Seit zwei, drei Jahren rücken der EU-Markt in den Blick, die Türkei, China, Russland. Mit 200 Beschäftigten ist die ESA der größte Arbeitgeber in Grimma. Die Mitarbeiter kommen aus dem Leipziger Land, dem Muldental, sogar aus Altenburg und Leipzig. 1998 übernahm Reinker das insolvente Unternehmen EAN in Neukirchen bei Borna. Eine Zeitlang produzierte er dort, dann konzentrierte er die Kräfte in Grimma. das einstige EAN-Personal nahm er mit. Seit 2002 ist das Unternehmen in einem Gewerbegebiet am Grimmaer Stadtrand ansässig, hat vier Millionen Euro in Produktionshallen und Geschäftsgebäude investiert. „Wir legen Wert auf eine flache Fertigungsstruktur“, erklärt Wolfgang Reinker. Die Anlagen würden im Hause projektiert. Die Bauteile kaufe man ein oder lasse sie von Mittelständlern in der Region produzieren. Allein Letzteres habe ein Volumen von rund zwei Millionen Euro jährlich und sichere weitere Arbeitsplätze. Von wirtschaftlicher Krisenstimmung sei kaum etwas zu spüren, so Reinker: „Wir werden auch 2010 unser ziel sicherlich erreichen.“ Seit jahren werden Lehrlinge ausgebildet, arbeitet man eng mit Hochschulen in Leipzig, Dresden und Mittweida zusammen. „Dass es sich so gut entwickelt, war Anfang der neunziger Jahre kaum absehbar“, resümiert Wolfgang Reinker. Wann der Bad Lausicker sich aus dem aktuellen Geschäft zurückzieht, lässt er offen. Fakt ist: Sein ältester Sohn Jörg, der im Unternehmen arbeitet, wird sein Nachfolger. Sven, der jüngere, hat in Borna ein medizinisches Versorgungszentrum aufgebaut. Christine, seine Frau, betreibt in Kitzscher eine Physiotherapie. Eine ostdeutsche Familien-Erfolgsgeschichte? Wolfgang Reinker hält den Ball flach: „Wir hatten damals gar keine andere Chance, als uns zu kümmern.“

Ekkehard Schulreich

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