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Geithain In Buchheim geht der Ofen aus: Bäcker Meißner hat Rentenalter erreicht
Region Geithain In Buchheim geht der Ofen aus: Bäcker Meißner hat Rentenalter erreicht
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00:27 13.03.2018
Bäckerei Meißner Buchheim schließt Rosmarie und Conrad Meißner 050318 MTL BOG LVZ Foto: Jens Paul Taubert Quelle: Jens Paul Taubert
Bad Lausick/Buchheim

Schluss mit Sirupkuchen, einer Buchheimer Spezialität: Wenn Rosmarie und Conrad Meißner am 17. März ihr Geschäft aufschließen, tun sie das zum allerletzten Mal. Der Buchheimer Familienbetrieb, von Vater Herbert 1966 eröffnet, schließt für immer. Der Grund liegt auf der Hand: Der Bäckermeister und seine Frau werden in diesem Jahr 65. Die Söhne orientierten sich beruflich anders, so dass es keinen Nachfolger gibt. Erneut verschwindet so ein traditioneller Handwerksbetrieb in einer Branche, die seit Langem schon unter erheblichem Druck steht.

Auswirkungen in Frankenhain und Bad Lausick

„Dass wir wirklich zumachen, das glauben alle noch gar nicht richtig“, sagt Conrad Meißner. Damit meint er Lieferanten, die treue Kundschaft, seine Frau und sich selbst. Einfach Feierabend zu machen, verbiete sich; die Abwicklung brauche eine gewisse Zeit – über den 17. März hinaus, da beide unwiderruflich das letzte Mal Brot, Brötchen und Kuchen für den Ladentisch produzieren wollen.

Dass die Backstube danach kalt bleibt, wird bis Frankenhain zu spüren sein, wo Meißners einen kleinen Verkauf unterhalten. Und bis Elbisbach, wo die Betreiberin des einstigen Konsums noch immer Bestellware ausgab. Auf Backwaren verzichten müssen dann auch die Buchheimer Jugendherberge und das Kur- und Freizeitbad „Riff“ in Bad Lausick, die von hier aus beliefert wurden.

Tradition seit 1966

„Die Stammkundschaft, von der wir leben, ist mit uns alt geworden“, resümiert Meißner, der in dieses Handwerk förmlich hineinwuchs. Vater Herbert hatte nach Zwischenspielen in anderen Dörfern 1966 die über Jahre geschlossene Buchheimer Bäckerei wieder in Schwung gebracht. Ein Jahrzehnt später übernahmen sie der Sohn und dessen Frau, eine gelernte Augenoptikerin. Das Ende des familiären Betriebes nach mehr als einem halben Jahrhundert geht auch dem Senior, inzwischen 94, nahe. Die Schließung folgt indes einem Trend nicht nur in der Leipziger Region: „Die Meister kommen ins Rentenalter, und Nachfolger gibt es nicht. Unsere bescheidene Betriebsgröße hat am Markt heute keine Chance mehr.“

Experte bei der Brotprüfung

40 Jahre als Meister in Sachen Brot aktiv. Quelle: Jens Paul Taubert

Conrad Meißner weiß, wovon er spricht. Er kennt die Situation. Über Jahre bildete er selbst in Buchheim aus. Bei der Bäckerinnung Leipziger Land leitete er zudem lange die alljährliche Brotprüfung.

„Unsere angestellten Mitarbeiter waren uns immer eine große Stütze“, sagt Conrad Meißner, auch wenn die Hauptlast zuletzt vor allem auf den Schultern seiner Frau und auf den eigenen lag. Künftig nicht mehr 1.30 Uhr in der Backstube stehen zu müssen, das werde er durchaus genießen können, sagt er. Die innere Uhr lasse sich schnell umprogrammieren. Langeweile fürchtet er nicht, will in Haus und Garten erledigen, was liegen blieb, will Urlaubsvideos sichten und sortieren. Und er will mit seiner Rosmarie auf Reisen gehen: „Auch mal länger als es der Laden bisher erlaubte.“

Party zum 65. Geburtstag

Mitarbeiter, Geschäftspartner und Freunde lädt er Ende April zu einer großen Party nach Frankenhain ein. Dann wird nicht nur Abschied genommen vom Berufsleben, sondern zugleich der 65. Geburtstag gefeiert. Mit Kuchen aus dem Supermarkt? Meißner lacht: „Auf keinen Fall. Dafür werde ich den Ofen noch einmal anschmeißen!“

Von Ekkehard Schulreich

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