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In der Schlossbrauerei Hopfgarten läuft’s wieder

Zum Wohle... In der Schlossbrauerei Hopfgarten läuft’s wieder

In 43 Tagen jährt sich der Erlass eines der ältesten Qualitätsversprechen zum 500. Mal: Das deutsche Reinheitsgebot wurde am 23. April 1516 durch den bayerischen Herzog Wilhelm IV. und seinen Bruder Herzog Ludwig X. verfasst. Heute wächst die Zahl der Privatbrauereien. Familie Kräcker hat gerade die Schlossbrauerei in Hopfgarten aus dem Dornröschenschlaf geweckt.

Oliver und Gerd Kräcker im Sudhaus bei der Probe.

Quelle: Privat

Frohburg/Hopfgarten. 80 Jahre nach der Stilllegung der Schlossbrauerei reift in Hopfgarten erneut der Gerstensaft: Kräckers knüpfen mit ihrer Familienbrauerei an eine Tradition an, die seit mindestens 1880 zum Dorf gehört. Damals nahm das Brauhaus des Rittergutes die Produktion auf, und in denselben historischen Gewölben sorgen nun Gerd und Oliver Kräcker für Gärung und Geschmack. Blondes, Festbier, Schwarzes und Weizen gehören zum Standard-Repertoire. Es auf Flaschen zu ziehen, ist gernerationsübergreifende Aufgabe der gesamten Familie.

Konstant kühl ist es: Bei zwei Grad Celsius reift das Gebraute in Edelstahlbehältern vier bis sechs Wochen. Doch so groß sind die Abstände zwischen den Brautagen längst nicht mehr. Nach dem Probebetrieb im vergangenen Herbst vertauschen Gerd und Oliver Kräcker, Vater und Sohn, wöchentlich für einige Stunden den Schlosseranzug mit der Brauerschürze und gehen von ihrer Autowerkstatt die wenigen Schritte hinüber ins historische Brauhaus, das sich gegenüber des in Dornröschenschlaf ruhenden Schlosses befindet.

Noch ist die Fassade des Gebäudes nicht wieder hergestellt, fehlt der einstige Schriftzug „Schlossbrauerei“, doch im Inneren, hinter dem hölzernen Doppeltor, ist alles hochmodern: Läuterbottich, Würzepfanne, Gärbehälter aus Edelstahl. „Wir brauen in offener Gärung – und nach dem Deutschen Reinheitsgebot“, sagt der Senior, der sich wie sein Sohn das Wissen über die Braukunst in den vergangenen Jahren selbst erarbeitete. Dass Kräckers gerade im 500. Jahr des Deutschen Reinheitsgebotes – es erlaubt, für Bier ausschließlich Wasser, Hopfen, Malz und Hefe zu verarbeiten – unter die Brauer gehen, ist glückliche Fügung. Dass sie es überhaupt tun, nur konsequent.

Frohburg wollte das Brauereigebäude abreißen

„Frohburg wollte das Brauereigebäude abreißen. Da haben wir es kurzerhand gekauft“, erzählt Ramona Kräcker. Nicht nur, weil in einem der Nebengelasse eine Verwandte lebt. Sie erwogen, ihre Kfz-Werkstatt in die Halle zu verlegen, doch dann lasen sie in der Zeitung von einem jungen Brauer, der im Eichsfeld dieses traditionsreiche Gewerbe neu belebte. Sie sanierten erst die Wohnungen im Haus, dann die Produktionsräume. Letztere hatte nach 1936 erst die Colditzer, später die Altenburger Brauerei genutzt, um Gerstensaft und Limonaden abzufüllen, eine Ära, die Anfang der 90er-Jahre erst endete. „Ich hab hier als Schülerin in den Ferien mein Taschengeld verdient“, blickt sie zurück. Das Äußere der Immobilie soll in den nächsten Jahren hergerichtet werden.

Selbst zu brauen, dieser Wunsch entstand fürwahr aus einer Schnaps-Idee, ergänzt ihr Mann Gerd: „Wir haben Freunde die kreieren Hochprozentiges, andere machen Wein. Da schließen wir jetzt eine Lücke.“ Experimentiert wurde in der Garage. Im Oktober vergangenen Jahres dann das erste Brauereifest, um das Selbstgebraute unter das Volk zu bringen: „Wir haben es nicht an die große Glocke gehängt. Das war gut so, denn noch ehe der Abend zu Ende ging, war alles restlos ausgetrunken.“

600 Liter werden pro Woche gebraut

An die 600 Liter werden jetzt Woche für Woche in dem Dorf gebraut, das sein Name dem über Jahrhunderte gepflegten Hopfenanbau verdankt. Voraus ging dem ein aufwendiges behördliches Prozedere, und auch der Betrieb ist unter ständiger Kontrolle: des Lebensmittel-Überwachungsamtes und des Zolls (Biersteuer). Jede Flasche wird von Hand befüllt, der Kronkorken aufgedrückt, jedes Etikett geklebt. Dann ist die ganze Familie gefragt, selbst der sechsjährige Julian hat Spaß beim Kleben. In rustikalen Neuner- und Zwölfer-Holzkisten wird das Bier verkauft, vor allem ab Hof. Inzwischen ist es auch in mehreren Getränkemärkten der Umgebung zu haben. Wer großen Durst verspürt, kann auch gleich ein Fass ordern.

Die Brauerei ist neben der Reparatur von Fahrzeugen inzwischen zu einem verlässlichen Geschäftsfeld geworden. Und um Auto und Alkohol – was sich ja prinzipiell ausschließt – zu versöhnen, tüfteln Gerd und Oliver Kräcker unter anderem längst an einem leichten Sommerbier mit wenigen Umdrehungen. Zum Brauereifest am 23. April wird das noch nicht ausgeschenkt werden, doch groß gefeiert wird in Hof und gemütlicher Brauerstube dann auf jeden Fall: Biergeburtstag, am 500. Jahrestag des Deutschen Reinheitsgebotes. Und dazu gibt es das erste Hopfgartener Bockbier.

Von Ekkehard Schulreich

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