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In ihrem Lindaer KulturGut wollen Maschecks Menschen zusammenbringen

Kohren-Sahlis In ihrem Lindaer KulturGut wollen Maschecks Menschen zusammenbringen

Ein Ort der Anregung und des Austauschs, der Bewahrung und der Erneuerung, kurz: Ein KulturGut soll jener Vierseithof sein, den Franziska und Marc Mascheck in Linda entdeckten. Das Programm des Hofes ist sein Name und der eines Vereins, den die beiden Mittdreißiger gemeinsam mit Unterstützern aus der Region, aus Leipzig, Berlin, Dresden und anderen Orten gründeten.

Franziska und Marc Mascheck vor ihrem Hof in Linda.

Quelle: Jens Paul Taubert

Kohren-Sahlis/Linda. Ein Ort der Anregung und des Austauschs, der Bewahrung und der Erneuerung, kurz: Ein KulturGut soll jener Vierseithof sein, den Franziska und Marc Mascheck vor ein paar Jahren in Linda entdeckten. Das Programm des Hofes ist sein Name und der eines Vereins, den die beiden Mittdreißiger gemeinsam mit Unterstützern aus der Region, aus Leipzig, Berlin, Dresden und anderen Orten gründeten. Nach dem großen Aufräumen des Hofes, was seit mehreren Sommern den Familienurlaub kostete, waren sie im Juni so weit, ihren Lebensmittelpunkt vom quirligen Berlin her in das beschauliche Kohrener Land zu verlegen. Dass sie angekommen sind und längst dabei, heimisch zu werden, zeigte kürzlich die große Hof-Taufe, zu der an die 170 Besucher kamen.

„Wir haben uns einfach in diesen Hof verliebt“, sagt Franziska Mascheck über das Anwesen, das mindestens ein Vierteljahrtausend alt ist. Der Firststein trägt die Zahl 1749, Goethes Geburtsjahr. „Das haben wir aber erst nach dem Kauf entdeckt“, meint Marc Mascheck. Apropos entdecken: Aus der großen Stadt aufs Land zu ziehen, dieser Wunsch reifte in beiden nicht nur, um ihre vier Kinder – drei, sechs, acht und zwölf Jahre alt – hier aufwachsen zu sehen. „Wir möchten Brücken bauen, Menschen aus der Stadt und vom Land zusammenbringen, möchten hier arbeiten und leben“, sagt sie. Die gebürtige Dresdnerin, Tänzerin, Gründerin eines Tanztheaters für Heranwachsende in Berlin, ist heute in der Kinder- und Jugendhilfe in Chemnitz tätig, studiert parallel Soziale Arbeit. Er, vom Bodensee stammend, Schauspieler und Theaterpädagoge, hat mit der Deutschen Oper, dem Gewandhaus-Chor und anderen Ensembles zusammengearbeitet. Jüngstes Projekt in der Region war eine Musical-Messe gemeinsam mit der Evangelischen Heimvolkshochschule, wo er bereits mehrere Workshops leitete und auch in Dorftheatertreffen des Sächsischen Landeskuratoriums Ländlicher Raum involviert ist. Aktuell erarbeitet er mit Mädchen und Jungen ein Krippenspiel, das am Heiligabend in der Jahnshainer Dorfkirche aufgeführt wird. Mit Birgit Steglich aus Kohren-Sahlis gestaltet er ab Dezember Krimi-Dinner im Café Burggasse 10.

Die Pflege von Heimat und Kultur, das Erfassen und Weitervermitteln von über die Jahrhunderte zusammengetragenen Wissens, von Lebenserfahrung und Lebensleistung der Generationen sind zentrale Anliegen des Vereins KulturGut. Ein naheliegendes weiteres: die Erhaltung und schrittweise Wiederbelebung des Hofes, der nach einem Brand 1855 als einer der ersten in Linda komplett aus Bruchsteinen gemauert wurde, der zu Genossenschafts-Zeiten den Kuhstall beherbergte und der nach der Wende – zu einem Spekulationsobjekt verkommen – mehr und mehr verfiel. Das Kohrener Land, sagen beide, sei zweifellos schön: „Die Geschichte der Menschen vor Ort schafft aber erst die Verbindung zu diesem Landstrich.“ Geschichten, von denen beide nicht nur zur Hof-Taufe eine Menge hörten, sagt Franziska Mascheck: „Fast jede Familie konnte etwas dazu beitragen, was sie mit unserem Hof verbindet.“

In Linda, Jahnshain und Meusdorf Lebensgeschichten sammeln, die Kulturgeschichten sind, ist ein erstes Projekt des Vereins. Ein zweites soll die Pflege, Neu- und Nachpflanzung von Obstwiesen sein. Die prägten über Jahrhunderte den Landstrich, doch drohen nicht nur aus Altersgründen, aus dem Landschaftsbild zu verschwinden. Mit den Fortschritten bei der Instandsetzung der Gebäude bekommen weitere Ideen eine Chance auf Realisierung: die regelmäßige Ausrichtung von Veranstaltungen, ein Seminarbetrieb, vielleicht sogar die Schaffung von Wohnraum, um Ältere in ihren angestammten Gefilden zu belassen. Wichtig sei dabei das Zusammenspiel mit den Partnern vor Ort, sagt Franziska Mascheck, Zwickers Heuherberge in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Beispiel. Selbst Teil dieser ländlichen Gemeinschaft zu werden, sei der Anspruch von Beginn an. Noch ehe beide sich auf den Erwerb des Hofes versteiften, hatte sie sich und ihre Ambitionen im Dorf, in der Kirchgemeinde, im Kohrener Rathaus vorgestellt: „Da haben wir ganz viel Wohlwollen und Unterstützung gespürt.“

www.kulturgut-linda.org

Von Ekkehard Schulreich

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