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Jan Körners Anlage rettet Museumsgut in Frankenhain

Holzwurm und Motte geht die Luft aus Jan Körners Anlage rettet Museumsgut in Frankenhain

Der Holzwurm, der in Wirklichkeit eine Käferlarve ist, hat keine Chance: Mitglieder des Heimatvereins Prießnitz/Trebishain deponierten jetzt einige ihrer hölzernen Exponate in einer Anlage, die den Schädlingen den Garaus machen soll. Gebaut hat sie auf seinem Frankenhainer Hof Jan Körner, ein Experte für Holzschutz. Er will die mit Stickstoff arbeitenden Kammern künftig Restauratoren und Handwerkern, die in der Denkmalpflege tätig sind, zur Verfügung stellen.

Der luftdicht verschließbare Raum füllt sich mit Exponaten der bäuerlichen Sammlung: Vereinschef Andreas Mäder (links) und Holzschutz-Experte Jan Körner.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg/Frankenhain. Wenn es um die Bekämpfung von Holzschädlingen geht, greift Jan Körner auf verschiedene Techniken zurück. Der Zimmerer mit einem Faible für das Denkmalpflegerische arbeitet seit einem Jahrzehnt als Sachverständiger für Holzschutz. Auf dem historischen Hof in Frankenhain, den er mit seiner Frau Tina Höhle (eine Tischlerin) bewohnt und den beide in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten Stück für Stück sanierten, hat er jetzt ein besonderes kleines Gebäude errichtet: In ihm werden Schädlinge, die sich in Möbeln, Kunstgegenständen, Textilien, Bücher eingenistet haben, getötet – ohne Gift, sondern durch anhaltenden Sauerstoff-Entzug. Nach mehreren Wochen Probebetrieb ist der Heimatverein Prießnitz/Trebishain erster Nutzer der Anlage. Körner behandelt einen kleinen Teil seiner umfangreichen Sammlung von Zeugnissen bäuerlichen Lebens: „Um die engagierte Arbeit des Vereins zu unterstützen.“

Das Prinzip ist verblüffend einfach: In den beiden mit Aluminium ausgekleideten, penibel isolierten Kammern wird Stickstoff aus der Außenluft gewonnen und durch Sauerstoff ersetzt. Schädlinge, die sich in hier deponierten Sachen befinden, sterben. Auch dicke Farbschichten schützen sie nicht. Allerdings dauert das Prozedere, das Körner per Computer exakt steuert, sechs Wochen. Regulieren kann er dabei auch die Temperatur („Es braucht mindestens 20 Grad, um den Stoffwechsel der Tiere anzuregen.“) und die Luftfeuchte. Deshalb lassen sich auch wertvolle Museumsgüter und Kunstwerke problemlos behandeln. 15 Kubikmeter Fassungsvermögen hat die kleinere Kammer, die jetzt der Heimatverein nutzt. Die größere ist so bemessen, dass sogar eine Kirchenbank von fünf Metern Länge Platz findet.

Andreas Mäder (r) bringt einen alten Krauthobel und Jan Körner sortiert es in die Kammer

Andreas Mäder (r.) bringt einen alten Krauthobel und Jan Körner sortiert es in die Kammer

Quelle: Jens Paul Taubert

„Solche Kammern gibt es üblicherweise in großen Museen, die darin die Güter aus ihrem Fundus schützen. Für Außenstehende ist es schwierig, sie zu nutzen“, sagt der 41-Jährige, der im vergangenen Winter deshalb eine eigene Anlage errichtete. Nicht nur für seine eigene Tätigkeit, sondern um sie Restauratoren, Kirchen, Museen, Privatleuten zur Verfügung zu stellen. Der Bedarf sei da, ist er überzeugt, verweist auf die gute Vernetzung derjenigen, die wie er als Sachverständige in puncto Holz und Denkmalpflege im von Leipzig, Dresden und Chemnitz gebildeten Dreieck tätig sind.

Objekte, die Körner nicht in einer der beiden Kammern unterbringen kann, befreit er auch künftig zum Beispiel per Mikrowellen von Schädlingen. Die Wellen zerstörten effektiv Insektenlarven zum Beispiel im Gebälk, und sie kämen auch gegen den gefürchteten Hausschwamm an. Mit dieser Technologie, die nur wenige Betriebe in Deutschland anbiete, sei er republikweit unterwegs, sagt er: in historischen Bauwerken ebenso wie bei Wohngebäude-Sanierungen. Als Zimmermann aber beschränkt sich Jan Körner auf die heimischen Gefilde, widmet sich mit Vorliebe Fachwerkhäusern und jahrhundertealten Dachstühlen.

Ehe er sich 1998 als Handwerker selbstständig machte, war er wie seine Frau auf traditioneller Wanderschaft. „Dort haben wir uns kennengelernt“, sagt er. 2001 entdeckten beide den Hof in Frankenhain, das Wohnhaus von 1741, die Scheune aus Holz gefügt, das 1697 geschlagen wurde. Bausubstanz, um sich selbst zu verwirklichen und um für sich und die beiden Söhne eine reizvolle Wohnwelt zu schaffen. Die Liebe zu Volksarchitektur und bäuerlicher Tradition bewegt Körner auch, dem Heimatverein Prießnitz/Trebishain – Betreiber einer umfangreichen wie viel beachteten Sammlung im Prießnitzer Rittergut – zur Seite zu stehen.

„Wir lassen drei alte bemalte Bauerntruhen, einen Schlachtetrog aus Holz und einige andere Exponate mit deutlichen Fraßspuren behandeln“, sagt Vereinschef Andreas Mäder, erfreut über diese Unterstützung. Der Verein habe das Obergeschoss des Rittergutes nach der baulichen Wiederherstellung durch die Stadt Frohburg inzwischen wieder eingeräumt. Jetzt konzentriere man sich auf das Erdgeschoss, baue das historische Klassenzimmer, das sich bisher im Schloss befand, hier auf. „Wir wollen unsere Ausstellung im Rittergut und in der Scheune konzentrieren“, so Mäder. Schließlich werde das Schloss demnächst zu einer Baustelle. Die Mitglieder des Vereins leisteten zahlreiche Einsätze in der Woche und an den Wochenenden, um die Sammlungen neu aufzubauen und für die Präsentation vorzubereiten. Deshalb gebe es in diesem Jahr keinen Museumsbetrieb mit festen Öffnungszeiten. „Besuche sind natürlich trotzdem möglich – wenn man sich anmeldet.“

Telefonnummer des Heimatvereins Prießnitz/Trebishain 034345/24241.

Von Ekkehard Schulreich

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