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"Jeder steht in den Startlöchern"

"Jeder steht in den Startlöchern"

Das bevorstehende letzte Wochenende im August steht für viele Menschen seit Jahren für eine Veranstaltung in Geithain: die Rassehundeausstellung auf dem Gelände der Heros-Baumschulen in Niedergräfenhain.

Geithain. Doch bereits das zweite Jahr in Folge kann sie nicht stattfinden. Der Landesverband Sachsen des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) genehmigt seit dem Vorjahr keine Ausstellungen mehr, zu deren Organisation sich mehrere Vereine zusammenschließen.

 

 

Die Mitgliedsvereine im Landesverband Sachsen hätten vor drei Jahren mehrheitlich beschlossen, dass ab 2013 keine Gemeinschaftsschauen mehr stattfinden sollen, erklärt auf LVZ-Nachfrage Eva-Maria Meißner, die Vorsitzende des sächsischen Landesverbandes. Auf die Frage nach den Gründen dafür, sagt sie, "damit in Sachsen weniger Ausstellungen stattfinden." Sie möchte das Thema aber nicht weiter ausführen.

 

 

Als der erforderliche Terminschutz für die Geithainer Schau vom Landesverband im Vorjahr erstmals verweigert wurde, war das Entsetzen groß - beim Veranstalter, dem 1. Deutschen Shar-Pei-Club 1985, bei Ausstellungsleiterin Karin Kunze-Müller und ihrem Team. Mit Unverständnis reagierten, wie berichtet, die vielen Aussteller, die dieses Wochenende jeweils schon lange im Voraus für Geithain eingeplant hatten. Auch Christian Helldrich, Inhaber der Heros-Baumschulen, würde sich freuen, wenn die Schau wieder stattfinden könnte. "Das hat viele Interessenten hergezogen, das war immer der Start in die Herbstsaison nach den Sommerferien", erklärte er gestern. Geithains Bürgermeisterin Romy Bauer (parteilos) bedauert ebenfalls, dass die traditionelle Veranstaltung wiederum nicht stattfindet, würde eine Neuauflage sehr begrüßen.

 

 

Bereits seit 1996 lud die Rassehundeausstellung jeweils am letzten August-Wochenende in Niedergräfenhain ein. Da der Sonnabend und der Sonntag jeweils als eigene Veranstaltungen gerechnet wurden, war es eine Doppelausstellung, bei der pro Tag 230 bis 270 Rassehunde zu sehen waren. Das habe etwa 200 Hundehalter nach Geithain gezogen, einige hätten das gleich mit einer Woche Urlaub verbunden, berichtet Kunze-Müller. Sie schätzt, dass der Region durch den Ausfall der Veranstaltung alles in allem jeweils an die 70 000 Euro verloren gehen - vor allem für Übernachtungen und Essen.

 

 

17 Vereine hatten die Gemeinschaftsausstellungen auf die Beine gestellt, das seien meist kleinere gewesen, die sich keine eigene Schau leisten können, erläutert die Ausstellungsleiterin. Sobald drei Vereine zusammen ausstellen, wertet der Landesverband das als Gemeinschaftsschau und verweigert seine Zustimmung. Zwei wären möglich, doch dann würde man auf dem Großteil der Kosten sitzen bleiben, so Karin Kunze-Müller. Allein die benötigten drei Preisrichter hätten Anspruch auf Fahrtkosten, Verpflegung und Spesen, was sich auf über 2500 Euro summiere.

Außerdem sei es dann nicht mehr möglich, die Veranstaltung so auszugestalten, wie es die Teilnehmer schätzen und der Ausstellungsleiterin am Herzen liegt. Für jeden ausgestellten Hund hatte es immer ein Erinnerungsgeschenk gegeben, für jeden 1. Platz einen Pokal "in guter Qualität", betont Kunze-Müller. Schließlich konnte sich der Besitzer jedes "Besten seiner Klasse" über ein Rosenstämmchen freuen. Für all diese Aufwendungen sei das Meldegeld der Rassehundebesitzer jeweils fast komplett verwendet worden. "Wir waren froh, wenn 400 Euro für die Vorbereitung der nächsten Ausstellung blieben."

 

 

Der Wille, dafür zu kämpfen, dass die traditionelle Veranstaltung wenigstens in diesem Jahr wieder gestattet wird, war da - lief aber ins Leere. "Das ist so schade", ist Karin Kunze-Müller enttäuscht und schwärmt von dem schönen Ausstellungsgelände. Was wirklich hinter den Kulissen zu dieser Satzungsänderung im Freistaat geführt habe, das wisse man nicht. Nicht auszuschließen sind Veränderungen, wenn 2015 Neuwahlen im Landesverband des VDH anstehen. Immer noch rufen viele Züchter bei der Ausstellungsleitung an, versichern: "Wenn Geithain wieder stattfindet, wir sind dabei." Auch Karin Kunze-Müller verliert den Mut nicht: "Jeder steht in den Startlöchern - ein paar Anrufe reichen. Dann geht es los."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.08.2014
Inge Engelhardt

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