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Geithain Jugendliche wünschen sich mehr Angebote
Region Geithain Jugendliche wünschen sich mehr Angebote
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15:50 29.11.2018
Das „Dorf der Jugend“ auf dem Areal der Alten Spitzenfabrik in Grimma verfügt unter anderem über einen Skaterpark. Für weitere Pläne wünschen sich die Jugendlichen noch mehr Unterstützung. Quelle: Thomas Kube
Landkreis Leipzig

Gehör verschafften sich Jugendliche aus Geithain und Grimma im jüngsten Jugendhilfeausschuss des Kreistages. „In Geithain herrscht derzeit ein untragbarer Zustand. Schon zum zweiten Mal wurde die offene Kinder- und Jugendarbeit von der Stadt einfach eingestellt“, beklagte Richard Seidel. Der 18-Jährige schilderte, dass er und seine Altersgefährten sich derzeit mangels Alternativen in der Sparkasse oder beim Döner treffen. „Wir wissen derzeit absolut nicht, wohin wir sollen.“

Den Ausschussmitgliedern war das Thema nicht neu. Bereits seit Jahren gibt es Diskussionen um Angebote für die junge Generation in und um Geithain. Im Sommer 2016 hatte die Schließung des Kinder- und Jugendhauses R9 eine riesige Welle ausgelöst. Mehr als ein Jahr danach erfuhr die offene Kinder- und Jugendarbeit endlich wieder Impulse.

Offene Jugendarbeit in Geithain liegt auf Eis

Mit Franziska Mascheck wurde eine Mitarbeiterin gefunden, die Heranwachsende mit ihren Ideen und Projekten erreichte. Die Lindaerin war bei der Arbeiterwohlfahrt Leipziger Land angestellt. Umso mehr verwunderte die Tatsache, dass Träger und Stadt entschieden, den Vertrag nicht zu verlängern. Somit liegt die offene Jugendarbeit nun seit Ende September wieder brach. „Der Bürgermeister behauptet, dass es keinen Bedarf gibt. Das stimmt aber nicht“, schilderte Richard Seidel bei der Zusammenkunft im Bornaer Landratsamt.

Franziska Maschek (l.) veranstaltete im Jugendclub Underground in Geithain ein Willkommensgrillen. Ihr Vertrag wurde allerdings nicht verlängert. Quelle: Jens Paul Taubert

Die Jugendlichen hätten sich auch schon selbst einen Kopf gemacht, um etwas auf die Beine zu stellen. „Aber das kann doch nicht allein unsere Aufgabe sein“, so der Geithainer. Zwar gebe es den Schulclub, aber den könnten junge Leute in Ausbildung zum Beispiel schon aus zeitlichen Gründen nicht nutzen. Rückendeckung erhoffte sich die kleine Geithainer Abordnung vom Kreis.

Jugendarbeit bewegt sich auf sehr dünnem Eis

Die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses warfen die Frage auf, ob eine Kommune nicht zu einem Angebot verpflichtet sei. „Schließlich sieht die Fachplanung des Jugendamtes eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit für Geithain vor“, betonte Andreas Bergmann, seines Zeichens Jugendwart für die Region Borna. Auch Andreas Rauhut vom Flexiblen Jugendmanagement des Landkreises bedauerte den Rückzieher der Stadt: „Die Fachkraft hat sehr versiert gearbeitet und gute Angebote unterbreitet, die auf viel Resonanz gestoßen sind.“

Letztlich sei der Umgang der Kommune mit dem Thema ein Beispiel dafür, dass sich Jugendarbeit immer auf sehr dünnem Eis bewege, so Rauhut. Auch ihn interessierte die Frage, inwieweit man die Stadt in die Pflicht nehmen kann. Landrat Henry Graichen (CDU) erklärte, dass der Kreis seinen finanziellen Beitrag in jedem Fall leiste. „Aber wir brauchen auch zwingend die Mitwirkung der Stadt.“ Ines Lüpfert, Zweite Beigeordnete des Landkreises, will noch einmal das Gespräch mit Geithains Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) suchen. Ihres Wissens habe der Stadtchef Interesse signalisiert, „dass es mit der offenen Kinder- und Jugendarbeit weitergeht“.

Auch Grimmaer Jugendliche wünschen sich Unterstützung

Auch aus Grimma suchten Jugendliche das Podium, das der Ausschuss bei jeder Sitzung mit einer Fragestunde für Einwohner bis 27 Jahre bietet. Konkret ging es um den Wunsch, die Pläne zur Erweiterung des Dorfes der Jugend zu unterstützen.

Die Alte Spitzenfabrik hat mit ihrem Ansatz, Jugendlichen selbst Verantwortung zu übertragen, über Grimma hinaus Beachtung gefunden. Nunmehr gibt es den Plan, das Dorf der Jugend zu erweitern und dafür ein Bundesprogramm in Anspruch zu nehmen.

Die alte Spitzenfabrik am Mulderadweg in Grimma, wo sich das Dorf der Jugend etabliert hat. Quelle: Frank Prenzel

„Dafür wäre es dann nötig, zwei weitere Stellen zu schaffen“, so ein Vertreter der Grimmaer Jugendlichen. Denn nur mit einer bezahlten Stelle sei die ehrgeizige Erweiterung nicht zu stemmen. Auch hier signalisierte der Landrat Gesprächsbereitschaft, erklärte aber im gleichen Atemzug: „Die Stadt Grimma muss sich ebenfalls zu dem Thema bekennen.“

Von Simone Prenzel

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