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Geithain Königsfelder Schäfer zieht zur Lammzeit zurück in den Glastener Stall
Region Geithain Königsfelder Schäfer zieht zur Lammzeit zurück in den Glastener Stall
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06:00 26.02.2016
Andreas Kober mit seiner Herde und staunenden Kindern. Quelle: Jens Paul Taubert
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Bad Lausick/Königsfeld

Ein Schäfer, der mit seiner Herde über die Fluren zieht: Ein selten gewordener Anblick. In Königsfeld bei Bad Lausick ist das Szenario noch ein paar Tage zu sehen: Dann macht sich Schäfermeister Andreas Kober mit seinen 600 Tieren auf den Weg von den Feldern zurück in den heimischen Glastener Stall. Seit Anfang Oktober – meist wird der Feiertag 3. Oktober für die große Wander-Etappe genutzt, weil dann der Autoverkehr geringer ist – fanden die Schafe auf Grasflächen ihre Nahrung. „Das Feldfutter ist gesund, da war kein Vieh drauf. Es gibt nichts Besseres“, sagt Kober, seit 20 Jahren Schäfermeister und einer, der dieses traditionsreiche Gewerk hochhält. Zweimal am Tag werden die Tiere auf eine neue Koppel geführt, grasen so täglich zwischen zwei und vier Hektar ab.

„Es ist heute keinesfalls mehr selbstverständlich, dass die großen Landwirtschaftsbetriebe die Schäfer unterstützen“, sagt der 57-Jährige. Umso mehr freut er sich über das Entgegenkommen, das er bei der Agrargenossenschaft Königsfeld (einem Dorf zwischen Geithain und Rochlitz) erfährt. Seit 2004 darf er in den Herbst- und Wintermonaten seine Herde über die dortigen Grasflächen ziehen lassen. In der jetzt zu Ende gehenden Saison durfte er 220 Hektar nutzen, hervorragendes und kostenloses Futter für den kleinen Betrieb, bei dem Kober Schäfermeisterin Franziska Metzner zur Seite steht. Vorteile ergäben sich auch für die Genossenschaft: Weil die Schafe den Bewuchs kurz hielten, würden in großer Zahl auftretende Mäuse für die Greifvögel sichtbar, und die Mäusebaue würden zertreten. Ein ökologischer Beitrag, um einer Mäuseplage entgegenzuwirken. Und ein Stück Landschaftspflege. Ganz abgesehen davon gehöre es zur Schäferei, mit der Herde auf Wanderschaft zu gehen: „Und die Königsfelder wissen das zu schätzen.“ Zum guten Miteinander gehöre auch, dass Kober bei den Betriebsfesten der Genossenschaft zugegen sei: mit einem kleinen Streichelzoo zum Beispiel, aber auch mit einer Schäfer-Tombola.

Große Augen machten Anfang dieser Woche die Mädchen und Jungen der Schwarzbacher DRK-Kindertagesstätte Hüttenzwerge, als sie Kober und seinen Schafen auf einem ihrer Spaziergänge nahe des Dorfes begegneten und der Schäfer sich ein bisschen Zeit nahm für die Fragen der Knirpse. Dabei neigt sich der Aufenthalt auf den bis an den Rochlitzer Berg heranreichenden Fluren für diese Saison seinem Ende zu: In den nächsten Tagen wird Kober mit seinem Tieren die rund 20 Kilometer bis Glasten zurück ziehen. „Die Lammzeit ist so festgelegt, dass wir dann zu Hause sind“, sagt er. Die Osterlämmer kämen in der überwiegenden Zahl erst ein wenig nach dem Osterfest.

Mit zunehmender Sorge verfolgt Andreas Kober die Entwicklung der Wölfe in Sachsen. Um seine Herde zu schützen, hat er sich zwei Kaukasische Hirtenhunde angeschafft. „Die Wolfsabwehr wird wichtiger“, sagt er, ohne Schwarz malen zu wollen. Er selbst habe – ganz anders als Berufskollegen in anderen Regionen Sachsens – noch keine nachweislichen Verluste durch Wölfe erlitten, doch sei das im Grunde eine Frage der Zeit. Er sei nicht grundsätzlich gegen den Wolf, sagt Kober, der sich 1993 in seinem Heimatdorf als Schäfer selbstständig und den Meister machte und sich so einen Kindheitstraum erfüllte: „Ich hoffe auf die Politik. So wie das im Augenblick deutschlandweit gehandhabt wird, führt das zum Ende der Weidetierhaltung.“ Und das könne doch niemand ernsthaft wollen.

Von Ekkehard Schulreich

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