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Geithain Kohren-Sahlis: Restaurierter Altmörbitzer Altar erzählt wechselvolle Geschichte
Region Geithain Kohren-Sahlis: Restaurierter Altmörbitzer Altar erzählt wechselvolle Geschichte
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00:16 27.06.2017
Pfarrer Matthias Ellinger vor dem Altar in der Altmörbitzer Kirche. Quelle: Jens Paul Taubert
Kohren-Sahlis/Altmörbitz

Die in ihrem Ursprung romanische Kirche von Altmörbitz birgt einen Altar, der nicht nur von hohem kulturgeschichtlichen Wert ist. Bemerkenswert ist auch dessen wechselvolle Geschichte. Den Altar mit seinen drei markanten Figuren – Maria, Laurentius und Martin – schuf ein unbekannter Meister in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die drei Bilder, die auf die Predella, den Untersatz des Altars, gemalt sind, stammen sogar aus der Zeit um 1430. Ein Jahrhundert lang war der Altar nach Dresden ausgelagert und durch einen anderen ersetzt, ehe in den Jahren vor und nach dem Zweiten Weltkrieg die noch erhalten gebliebenen Teile zurückkehrten. Jetzt, 70 Jahre später, wurde der Altar einer erneuten Restaurierung unterzogen.

„Wir versuchen, die Puzzleteile unserer Kirchengeschichte in alten Akten aufzuspüren und sie Stück für Stück zusammenzusetzen“, sagt Matthias Ellinger, Pfarrer des Kirchspiels Kohrener Land. Das sei eine Sisyphos-Arbeit, aber reizvoll und spannend gerade auch mit Blick auf den Altmörbitzer Altar. „Zur Nacht der offenen Dorfkirchen im Leipziger Land am 1. Juli wollen wir über den Verlust und die Rettung unseres wunderbaren Altars erzählen“, sagt er. Bei den Recherchen stehen dem Kirchspiel der Ortschronist Gert Schreiber und die Arbeitsgruppe Historische Handschriften zur Seite, die unter dem Dach des Vereins Spurensuche tätig ist. „Wir haben im Altmörbitzer Pfarrarchiv aufschlussreiche Unterlagen finden und mühevoll entziffern können“, sagt Schreiber. Abgeschlossen sei das Ganze noch nicht.

Doch so viel scheint klar: Der Altar, wie er heute vor den gotischen Fenstern des Chorraumes steht, stammt im Kern aus dem 15. Jahrhundert. Der Altertumsverein Dresden erwarb den Altar Mitte der 1840er Jahre für sein „neu begründetes Museum für vaterländische besonders kirchliche Altherthümer“. Genauer: Es waren „Ueberreste eines alten Altars“, vor allem drei geschnitzte Figuren und besagte Predella, die Pfarrer Meitzner nach Dresden schickte. Die Altmörbitzer holten sich einen anderen Altar in ihre Kirche; jener aus St. Afra in Meißen erwies sich als zu hoch.

Des fortgegebenen Schatzes erinnerte man sich erst 1938, als man begann, die Kirche in den Zustand der Renaissance und des Barocks zurückzuversetzen. Den Mitte des 19. Jahrhunderts beschafften Altar, inzwischen wurmzerfressen, nannte der Amtsbaurat „völlig wertlos“. Die Teile des alten Altars wurden in Dresden gefunden – und dabei wurde eine Entdeckung gemacht, von der das Bornaer Tageblatt 1939 berichtete: nämlich „daß sich unter der bemalten Leinwand – mit der der in Altmörbitz verbliebene Sockel des Altars zwischenzeitlich verkleidet war – eine Darstellung des Abendmahls aus der Reformationszeit befand“. Doch damit nicht genug: Unter dieser Malerei, ebenso auf Leinwand, kamen drei Bilder auf Holz von 1430 zum Vorschein. Offenbar, so vermutet es Matthias Ellinger, habe man mit der Überdeckung dem neuen Geist der Reformation Rechnung getragen.

Parallel zu der behutsamen Komplettierung des Altars wurde – unterbrochen durch die Kriegsjahre – die gesamte Kirche restauriert. Der Handwerker, der die Ausmalung, wie sie heute zu sehen ist, besorgte, verewigte sich an einem Balken der Empore. Die neuerliche Restaurierung sieben Jahrzehnte später nahm Grit Stamm-Lange aus Kaufungen vor. Die erheblichen Mittel – insgesamt fast 15 000 Euro – brachte zur reichlichen Hälfte die Kirchgemeinde auf, die Spenden sammelte und Eigenleistungen erbrachte. „Zu Ostern konnten wir unseren Altar wieder in Gebrauch nehmen“, so Ellinger. Jetzt freue er sich, ihn am 1. Juli einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen zu können.

Das passiert zur Dorfkirchen-Nacht in Altmörbitz: 18 Uhr Eröffnung mit Kirchenchor und Instrumentalisten, 18.30 Uhr Vortrag, 20.30 Uhr Aufheiternde Klänge, 22 Uhr Nachtgebet.

Von Ekkehard Schulreich

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