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Geithain Kohren-Sahliser Grundschüler erleben Workshop über Inklusion
Region Geithain Kohren-Sahliser Grundschüler erleben Workshop über Inklusion
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18:00 07.11.2018
Die Punkte sind die Schrift: Julia Dobroschke zeigt Melina, wie man mit der Braille-Schreibmaschine seinen Namen tippt. Quelle: Jens Paul Taubert
Frohburg/Kohren-Sahlis

Fußball spielen, obwohl ich den Ball gar nicht sehen kann? Mit anderen reden, obwohl ich ihre Worte nicht höre? Und was bedeuten denn diese Punkte, dank derer blinde Menschen einander Briefe schreiben können? – Unter dem Leitgedanken „Einfach machbar“ begaben sich die Mädchen und Jungen der Kohren-Sahliser Grundschule am Dienstag auf eine Reise in eine Welt, in der es auf geschärfte Sinne ankommt. Auf eine Sensibilität, die das Lernen und den Umgang miteinander funktionieren lässt, auch wenn manche Kinder eingeschränkt sind – etwa was ihr Seh- oder Hörvermögen betrifft.

Alphabet der Gebärdensprache

„Das heißt Entschuldigung“, sagte Johannes aus der Klasse 2a stolz. Dreimal strich er sich mit der leicht geschlossenen Faust über die Wange: „Aber man muss das auch leise mitsprechen.“ Dass es ein regelrechtes Alphabet der Gebärdensprache gibt, fasziniert nicht nur ihn. Alle Gruppen, klassenübergreifend zusammengestellt, sind begeistert dabei, sich ein unbekanntes Terrain zu erschließen.

Wie es sich anfühlt, wenn man eingeschränkt ist, wie man aber dennoch zurecht kommen kann – das lernten die Kohren-Sahliser Grundschüler in einem besonderen Workshop kennen.

Kommunikationsdesignerin Antje Mönnig brachte ihnen die Gebärdensprache nahe, zeigte ihnen, dass es gelingt, auch komplizierte Namen mit Hilfe der Hände und von Gesten verstehbar zu machen. Mönnig, Autorin des Buches „Unmöglich. Aber machbar“, das sich mit Blindheit und Inklusion beschäftigt und das in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde erschien. Sie gehört zu einer Gruppe von Menschen unterschiedlicher Profession, die sich im Verein „Einfach machbar“ zusammenschlossen. In Schulen für die Inklusion zu werben und Wege aufzuzeigen, sind ein Vereinsziel. Dass jedoch gleich eine komplette Grundschule einbezogen wird, das war eine Premiere – eine, die gelang.

Inklusion ist an der Grundschule Kohren-Salis wichtig

„Inklusion hat inzwischen einen sehr hohen Stellenwert an den Schulen. Vieles wurde in der Vergangenheit durch die Förderschulen abgedeckt. Jetzt aber wünschen die Eltern verstärkt, dass ihr Kind trotz Einschränkung in einer Regelschule aufgenommen wird“, sagte Schulleiter Olaf Kämpfner. Es sei deshalb wichtig, die Pädagogen zu qualifizieren, aber auch den Kindern zu zeigen, wie man mit Einschränkungen umgehen, wie man helfen kann. In Kohren-Sahlis, wo ein sehbehindertes Kind inklusiv betreut werde, funktioniere das schon gut. Der Workshop sei eine willkommene Horizont-Erweiterung, aber auch eine Bestätigung.

Kämpfner kümmerte sich in der Turnhalle um das Angebot Blindenfußball. Anna-Lena, Klasse 3, nannte die Erfahrung dieses Tages, „einfach cool“. Trotz verbundener Augen konnte sie dem Ball folgen, weil er Geräusche machte wie eine Babyrassel. In Vierer-Teams plus Torwart war es trotz Augenbinden sogar möglich, erfolgreich zu kicken.

Braille-Schreibmaschine vorgestellt

Während es in anderen Workshops um das Schmecken und Riechen ging und in der Schulbibliothek vorgelesen wurde, stellte Julia Dobroschke, Mitarbeiterin der Deutschen Zentralbücherei für Blinde und Vorsitzende des Vereins, die Punktschrift vor. Die Mädchen und Jungen mussten sich konzentrieren, um mit der über sieben Tasten verfügenden Braille-Schreibmaschine ihren Vornamen in das Spezialpapier zu drücken. Der Namenszug wurde eingeklebt in ein Heft, das diesen Tag zusammenfasste und in dem die Schüler zu den verschiedenen Bereichen Fragen beantworten mussten.

„Die ganze Schule ist in Aufruhr. Das ist schön zu sehen“, freute sich Julia Dobroschke über die Aufgeschlossenheit. Es komme nicht nur darauf an, zu sensibilisieren, sondern bei der Umsetzung des Inklusionsgedankens praktische Hilfestellung zu leisten. Etwa durch die Entwicklung von Materialen, „mit denen alle Kinder arbeiten können – egal auf welche Art sie eingeschränkt sind“. Unterstützt werde man dabei durch die Herbert-Funke-Stiftung. Dass die Mitglieder des Vereins aus verschiedenen, durchaus schulfernen Berufen kämen, allerdings auf vielfältige Weise mit dem Thema vertraut seien, komme entgegen: „Das ermöglicht uns eine andere Perspektive, einen Blick von außen.“

Von Ekkehard Schulreich

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