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Kohrener Töpfermuseum bereitet umfangreiche Sammlung auf

Von Backform bis Vase Kohrener Töpfermuseum bereitet umfangreiche Sammlung auf

Schätze müssen nicht immer gehoben werden, manchmal befinden sie sich schon oben, unter dem Dach: Unter dem des Töpfermuseums in Kohren-Sahlis wartet eine aus 180 Teilen bestehende Sammlung von Alt-Kohrener Keramik auf ihre systematische Aufarbeitung.

Das Kohrener Töpfermuseum konnte eine Sammlung Alt-Kohrener Keramik erwerben - hier Museumsleiterin Corinne Schulze mit Teilen der Sammlung.

Quelle: Jens Paul Taubert

Kohren-Sahlis. Der Stadt gelang es dank der Hilfe durch die Sächsische Landesstelle für Museumswesen, den von Leipziger Sammlern zusammengetragenen Schatz zu erwerben. Seit 2012 als Leihgabe im Haus, werden einzelne Stücke bereits im Rahmen der Dauerausstellung gezeigt.

"Die Sammlung ist eine große Bereicherung", freut sich Museumsleiterin Corinne Schulze. Zwar sammle das Museum seit seiner Gründung 1961 selbst, doch gebe es in der Erforschung und Präsentation des für Kohren-Sahlis über Jahrhunderte prägenden Handwerks erhebliche Leerstellen. Einige könne man jetzt schließen. "Eine Lerchen-Backform hatten wir noch nicht", sagt Schulze und weist auf die Formen und Gefäße, die ein Regal im Depot füllen und einen Teil des Bodens bedecken. Modeln zum Backen, für Sülze oder Pudding in Fisch-Form, für Rührkuchen, Bratpfannen und - aufgrund ihrer Größe und Gestalt herausragend - eine Hasenpfanne mit Deckel; nicht zu vergessen, Töpfe, Kännchen, eine Hühnertränke - alles in einem satten Gelb-Ton: Die Vielfalt beeindruckt, die die Leipziger Sonja und Gert Wunderlich zusammengetragen haben.

Mindestens ein Stück hätten beide, die Mitte der sechziger Jahre begannen, sich nach Kohrener Keramik mit dieser markanten Glasur umzuschauen, gern hinzugefügt: eine Krebsform. Doch die, obschon entdeckt, wollte die Eigentümerin in ihrer Familie weitergeben. Dass sich Wunderlichs nach einem halben Jahrhundert des Sammelns und der Freude daran von der Keramik trennten, hat einen schlichten Grund: Sie mussten die Wohnung wechseln. "Bitter wäre es gewesen, die Sammlung würde in alle Winde zerstreut", meint Gert Wunderlich. Im Töpfermuseum kehrten die Gebrauchsgegenstände aus Ururgroßmutters Zeiten an ihren Ursprung zurück, auch wenn (noch) nicht erforscht sei, in welchen Werkstätten sie entstanden.

Am Anfang war eine Fischform, die Wunderlichs bei dem befreundeten Leipziger Maler Peter Sylvester sahen. "Das Gelb faszinierte uns, eine tolle Farbe", erinnert sich Sonja Wunderlich. Fortan waren beide mit aufmerksamen Blicken unterwegs in An- und Verkauf-Geschäften, auf Trödelmärkten. Und wurden immer wieder fündig. Allmählich füllte sich eine blau gestrichene Wand in der 4,50 Meter hohen Küche mit den Schätzen, die gelegentlich auch benutzt wurden: "Wenn man einmal angefangen hat..."

Ihre Begeisterung für Erzeugnisse bodenständigen Handwerks liege nicht zuletzt in ihrer Profession begründet, sagt Gert Wunderlich (81), Typograf und einer der namhafteste deutschen Schrift- und Buchgestalter. Felder, die seine Frau als Grafikerin (80) ebenfalls bestellt: "Wir haben auf dem Papier ja mit zweidimensionalen Dingen zu tun." Das Sammeln von Alltagsgegenständen versinkender Zeiten als Horizonterweiterung - und als ein Ehren und Achten von Leistung, die aus der Lebenswirklichkeit verschwindet, ohne ihren Wert als einen grundsätzlichen Teil von Kultur zu verlieren.

Durch die Gestaltung von Schriften, Büchern, Plakaten, Briefmarken machten sich Wunderlichs international einen Namen. Gert Wunderlich lehrte an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, wo er selbst in den Fünfzigerjahren studierte, hatte ab 1992 eine Professur inne, leitete die Fachklasse Typofragie/Plakat/Buchgestaltung.

"Sammeln ist auch eine Aufgabe von Museen. Bisher waren es aber eher einzelne Stücke, die uns angeboten wurden", begründet Corinne Schulze, den Ankauf der Wunderlich'schen Exponate. Möglich wurde der, weil die Landesstelle für Museumswesen 7500 Euro dafür bereitstellte. Die Stadt Kohren-Sahlis, obschon finanziell in Nöten, brachte 1900 Euro auf. Der Stadtrat stimmte dem auf seiner jüngsten Sitzung einhellig zu. Das Museum steht jetzt vor der Aufgabe, den Schatz aufzuarbeiten. Wann und in welcher Form Einblicke in diese Sammlung gezeigt würden, habe man noch nicht entschieden, so die Leiterin. Sich intensiv mit den einzelnen Stücken zu befassen, sei möglicherweise auch eine herausfordernde Aufgabe für einen Museologie-Studenten.

Wunderlichs arbeiten längst an ihrem nächsten Buch-Projekt, gegründet auf Zittauer Fayencen, kunsthandwerkliche Keramik aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die sie ebenfalls sammelten. Das Geld aus dem Verkauf der Alt-Kohrener Keramik fließt in die Edition dieses Buches. "Mein letztes Buch", sagt Gert Wunderlich. Das ist schwer zu glauben.

Ekkehard Schulreich

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