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Geithain Kohrener fordern Rückhaltebecken
Region Geithain Kohrener fordern Rückhaltebecken
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05:00 08.06.2018
Land unter hieß es im Juni 2013 bei Andreas Arnold. Der Rattebach setzte sein Grundstück samt Werkstatt und Hof unter Wasser. Quelle: privat
Frohburg/Kohren-Sahlis

Bauschaum hat er in mehreren Zimmern griffbereit, passgenaue Bretter, um Türen zu verbarrikadieren ebenso: Andreas Arnold aus Kohren-Sahlis muss vorbereitet sein. Immer gefasst darauf, dass ein heftiger Gewitterguss den Rattebach unmittelbar vor dem Haus binnen Minuten derart anschwellen lässt, dass Haus, Hof und Firma geflutet werden – so wie vor einem halben Jahrzehnt.

Damals, am 8. Juni 2013, erwischte es viele nicht nur an der Ratte, nicht nur in Kohren-Sahlis. Ein Rückhaltebecken hätte Wasser und Schlamm stoppen können. Oberhalb von Terpitz soll es entstehen. Die Landestalsperrenverwaltung hätte es gern längst schon gebaut. Doch das Genehmigungsverfahren findet und findet kein Ende. Verstehen können das die leidgeprüften Anlieger des Baches nicht. Sie haben vielmehr den Kanal voll.

Andreas Arnold zeigt den Hochwasserstand vom Juni 2013. Quelle: Jens Paul Taubert

„Wir hatten Hoffnung geschöpft, als wir hörten, das Becken soll gebaut werden“, sagt Andreas Arnold. Der 62-Jährige lebt im Kohrener Stadtkern unmittelbar am meist unspektakulär schmalen, von Rathendorf herkommenden Rattebach. Hier betreibt er auch sein Lichttechnik-Unternehmen. Fünf Mitarbeiter zählt es, stattet deutschlandweit und international Theater und Konzertsäle mit spezieller Beleuchtung aus – zuletzt das Nationaltheater in Tokio und die finnische Nationaloper. Die Flut vom Juni 2013 traf die Firma mit Macht. Der gesamte Erdgeschossbereich wurde überschwemmt.

Land unter hieß es im Juni 2013 bei Andreas Arnold. Der Rattenach setzte sein Grundstück samt Werkstatt unter Wasser. Quelle: privat

Über Monate musste improvisiert werden; die Beseitigung der Schäden von mehreren Zehntausend Euro dauerte zwei Jahre. Das Sonderprogramm des Freistaates habe geholfen, und zum Glück verfüge er über eine Elementarversicherung. „Nachbarn, die tiefer liegen, hat es noch viel schlimmer erwischt“, sagt Arnold. Ein leer stehendes Haus nebenan lasse sich wegen der potenziellen Hochwassergefahr schwer verkaufen.

Ein Rückhaltebecken könnte die Situation entschärfen, ist er überzeugt: „Dass das so lange dauert und dass immer wieder Naturschutzbelange als Gegenargumente angeführt werden, ist unbegreiflich.“

Andreas Arnold hat seit dem verheerenden Hochwasser vor fünf Jahren diverse Dosen Bauschaum griffbereit – und Bretter, um eindringendes Wasser abzuwehren. Quelle: Jens Paul Taubert

300 Meter bachabwärts ist Michael Schönig mit seiner Familie zu Hause. Mit dem Hochwasser zu leben, habe man lernen müssen. Im letzten halben Jahrhundert sei die Familie mehrfach betroffen gewesen. Umso wichtiger, sagt er, sei der Bau des Terpitzer Beckens: „Die Unwetter nehmen zu. Da kann man gar nicht mehr reagieren. Inzwischen aber habe ich den Eindruck: Es interessiert die Verantwortlichen nicht, ob die Leute hier absaufen.“

Einsprüche von Naturschützern bringen Michael Schönig in Rage

Schönig meint nicht nur die Terpitzer und Kohrener, er denkt auch an die anderen Orte am Unterlauf von Katze und Wyhra: „Das zieht sich doch bis Streitwald, Frohburg, Benndorf, Borna.“

Anno 2013 stand das Wasser vor Schönigs Haus 30 Zentimeter hoch. „Nur durch die Hilfe von Kumpeln, der Familie, freiwilligen Helfern konnten wir das Schlimmste abwenden“, erzählt der Mann. Sandsäcke, Abdichtungen, Pumpen hielten die große Flut draußen.

In Rage gerät er, wenn er von Einsprüchen von Naturschützern hört: „Wenn das große Wasser kommt, sind die Tiere, die sie schützen wollen, auch weg.“ Doch Dutzende Bach-Anlieger säßen dann erneut im Schlamassel und würden in Existenznot gebracht. Das sei unverantwortlich.

Mohaupt: Wird immer wieder punktuell solche Katastrophen geben

Siegmund Mohaupt, damals Kohren-Sahliser Bürgermeister, heute Ortsvorsteher, unterstreicht das. „Wir haben damals gemeinsam gegen die Flut gekämpft, haben zu retten versucht, was noch zu retten war. Ich habe die Tränen in vielen Augen gesehen. Dass das Becken noch immer nicht gebaut ist, kann man niemandem hier vermitteln.“

Das Unwetter, das Ende Mai das Vogtland verwüstete, belege erneut, „dass es gerade in Sachsen immer wieder punktuell zu solchen Katastrophen kommen wird“. Nicht nur Werte der Bürger würden dann vernichtet, sondern auch die Steuer-Millionen, die der Wiederaufbau seit 2013 gekostet habe. Widerstand von Naturschützern gegen den Bau begreife er nicht: „Der Flut ist es egal, ob dort ein Frosch, Vogel oder Käfer wohnt. Wenn die Welle durch ist, finden sich alle in Borna am Unterlauf der Wyhra wieder.“

Landestalsperrenverwaltung: 2020 erscheint für Baubeginn realistisch

„Wir werden die nachgeforderten Unterlagen der Landesdirektion demnächst übergeben. Der Ball liegt dann in deren Feld“, sagt Axel Bobbe, Leiter der Landestalsperrenverwaltung in Rötha. Ihm sei die Dringlichkeit des Beckenbaus bewusst, deshalb ringe man seit Jahren darum. Sobald Baurecht vorliege, setze man sich an die Ausführungsplanung.

„Aus heutiger Sicht erscheint 2020 für den Baubeginn realistisch, gegebenenfalls können vorbereitende Arbeiten schon Ende 2019 beginnen“, bestätigt er die Aussage vom Frühjahr.

Landesdirektion: Kein neuer Stand

Die Landesdirektion selbst hält sich mit Prognosen zurück. Es gebe keinen neuen Stand zu den Aussagen vom Frühjahr, heißt es auf LVZ-Nachfrage. Das zweite Plan-Änderungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen. „Aus diesem Grund sind seriöse Aussagen zum Zeitpunkt des Abschlusses des Planfeststellungsverfahrens sowie zum Baubeginn nicht möglich.“

Von Ekkehard Schulreich

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