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Kohrener malt Landschaften, Karikaturen und jetzt ein Bilderbuch für Enkelin Elena

Gerhard Neruda Kohrener malt Landschaften, Karikaturen und jetzt ein Bilderbuch für Enkelin Elena

Weil er gern malt, hat Gerhard Neruda für seine Enkelin Elena selbst ein Bilderbuch gemacht. Die Geschichte vom Schmetterling Lydia gefiel nicht nur ihr. Der Wahl-Kohrener ließ Exemplare drucken – und fand einen aufgeschlossenen Leserkreis dafür. Die Geschichte gehört auch zum Bestand der, nur noch einmal wöchentlich nutzbaren, Stadtbibliothek Kohren-Sahlis.

Gerhard Neruda blättert in den Vorlagen für sein erstes Kinderbuch.

Quelle: Jens Paul Taubert

Kohren-Sahlis. Anders als es sein Name nahelegt, ist Gerhard Neruda ein Mann der Bilder. Der chilenische Dichter Pablo Neruda, der prompt in den Sinn kommt, habe den Namen tschechischen Ursprungs ohnehin nur angenommen – in Verehrung des Alt-Prager Autors Jan Neruda, dessen „Kleinseitner Geschichten“ Gerhard Neruda ebenso schätzt.

Der Wahl-Kohrener hat zwei nur wenige Seiten starke, dafür umso farbenkräftigere Publikationen vorgelegt. Die Geschichte eines Schmetterlings, zuallererst für seine Enkelin Elena entstanden, hat inzwischen im Freundeskreis und darüber hinaus Nachhall gefunden und ist als kleinkindgerechte Lektüre auch im Bestand der – seit Jahresbeginn nur noch einmal wöchentlich nutzbaren – Stadtbibliothek Kohren-Sahlis.

„Ich zeichne nicht erst vor. Das geht gleich mit dem Pinsel los, gleich mit Farbe. Das macht viel mehr Spaß“, sagt Gerhard Neruda und ist mitnichten der „nicht Fröhliche“, wie sein Name im Kern bedeuten will.

Aufgewachsen in Lucka, hätte der heute 67-Jährige seine Begeisterung für das Malen beinahe zu seiner Profession gemacht. „Nach dem Abi wollte ich in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studieren, war so gut wie angenommen – aber dann kam die Einberufung“, blickt er zurück. Zur Marine wollte er, „unbedingt aufs Schiff“, unter drei Jahren war da nichts – und die Kunst blieb dahinter zurück.

Polizist, diplomierter Ökonom, Sägewerk-Betriebsleiter, Außendienstler nach der Wende, Bezirksleiter einer Bausparkasse – das Bildkünstlerische hat ihn immer begleitet. Geburtstags- und Glückwunschkarten gestaltete er, griff mit spitzem Stift Kritikwürdiges auf und an. Karikaturen erschienen in Zeitungen; der Eulenspiegel-Verlag indes schickte Nerudas Arbeiten zurück – „ohne Kommentar“. Im Haus in Kohren-Sahlis – hier lebt Gerhard Neruda mit seiner Frau Christa seit zwei Jahrzehnten, die beiden Burgtürme auf dem gegenseitigen Hang immer vor Augen – sind Aquarelle gerahmt, die den Blick auf die Stadt von der Putzschelbank zeigen, Kohrener Landschaften. „Das meiste, das ich gemalt habe, ist verschenkt, verstreut“, sagt er. Zwei Arbeiten aber sind gedruckt, und das in je 100 Exemplaren.

Für Elena, die 2011 geborene Enkelin, setzte sich Gerhard Neruda eines Tages hin, um die Entwicklung eines Schmetterlings namens Lydia ins Bild zu setzen. Ein Bilderbuch für Kinder entstand, eines, das – und das betont er – die Zusammenhänge der Welt zeigt, wie sie sind, fern von Walt Disney, pinkfarbigen Einhörnern und lila Kühen. Das Werk gefiel nicht nur Elena, sondern auch der Verwandtschaft, und der Autor legte nach und binnen Wochen Heft zwei vor, in dem Lydia, als prachtvoller Schmetterling nun, die Gegend erkundet. Beides einem größeren Kreis zugänglich zu machen, legten Familie und Freunde ans Herz. Er fand eine Druckerei, und viele Exemplare nahmen inzwischen den Weg zu den Lesern und Betrachtern.

Seit Gerhard Neruda Rentner ist, hat er mehr Zeit als vordem, um zu malen. Aquarelle mit Vorliebe, wo Farben Raum greifen, ineinander verschwimmen, wo das Entstehen der Bilder ganz unmittelbar sichtbar wird. Und er, dessen Vorfahren aus den Sudeten stammen, liest gern, wird Jan Nerudas „Kleinseitner Geschichten“ mal wieder aus dem Regal suchen – und will sich mit Christa wieder einmal auf Spurensuche in Prag begeben mit Quartier in einem Hotel namens – Neruda.

Von Ekkehard Schulreich

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