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Kohrens Grundschulleiterin nimmt Abschied von einem Beruf, der ihr Berufung war

Letzter Arbeitstag am 29. Januar Kohrens Grundschulleiterin nimmt Abschied von einem Beruf, der ihr Berufung war

Ihr 65. Geburtstag ist zugleich der letzte Arbeitstag: Doris Häßler, langjährige Leiterin der Grundschule Kohren-Sahlis, wechselt in den Ruhestand. Nicht mehr nach der Uhr leben zu müssen, darauf freut sie sich. Aber der Abschied fällt schwer, weil vieles verbindet.

Eine wichtige Etappe ist 2010 geschafft: die energetische Sanierung.

Quelle: Jens Paul Taubert

Kohren-Sahlis, . Das Läuten des Weckers und der Schulklingel sind für sie am 29. Januar letztmals ein Achtungszeichen: Doris Häßler wechselt nach 44 Jahren und einem halben als Lehrerin in den Ruhestand. Den größten Teil dieser Zeit verbrachte sie in Kohren-Sahlis, hatte seit der Schulreform in Sachsen 1992 die Leitung der neu gebildeten Grundschule inne. Und während einer Vakanz parallel dazu die der Grundschule im benachbarten Narsdorf. Ob es ein Leben nach der Schule gibt, diese Frage hat sich Doris Häßler, die an diesem einschneidenden Freitag 65 Jahre alt wird, längst gestellt. Und entschieden: Es gibt eines. Auch wenn loslassen schwerfällt. Auf einer Kreuzfahrt, die sie mit ihrem Mann Gerhard unternehmen wird, will sie Abstand gewinnen und eine verdiente Gelassenheit.

„Lehrerin zu sein, habe ich immer geliebt“, sagt Doris Häßler. Das hier in Kohren-Sahlis sein zu können, betrachtete sie immer als ein Geschenk: Auf Augenhöhe mit Schülern, Eltern, Kollegen umzugehen, eingebunden zu sein in ein Gemeinwesen der kurzen Wege, der Verlässlichkeit und des Vertrauens.

„Hier in Kohren haben wir eine Heimat gefunden“, sagt sie und erinnert sich an den Januar vor 36 Jahren, als sie hier ankam. Die Tochter ein halbes Jahr alt, Mann Gerhard als Bürgermeister der Liberalen frisch im Amt. Dass sie Pädagogik studierte, liegt in ihrer Familiengeschichte begründet. Der Großvater mütterlicherseits wollte Lehrer werden, musste aber Schmied sein; die Mutter zwangen Krieg und Flucht, die Ausbildung abzubrechen. „Bei mir, der dritten Generation, musste es endlich klappen. Und ich habe es keinen Tag bereut.“

Nicht zuletzt deshalb, weil die Nachwendezeit, die Umkrempelung des Bildungssystems neue Gestaltungsräume öffnete. „Man konnte viel Eigenes einbringen, vieles ausprobieren - weil ich das Glück hatte, Kolleginnen zu haben, die mitziehen, Eltern, die offen sind, eine Kommune, die das mitträgt“, sagt sie. 2004 war die Kohrener Grundschule „die erste im Landkreis, die Ganztagsangebote hatte“. Möglich wurde das durch die enge Kooperation mit dem von den Johannitern getragenen Hort und dem sanierten großzügigen Mittelschulgebäude, das – seit 2003 ungenutzt – die Stadt der Grundschule überträgt: „Damit konnten wir noch einmal ganz neue Akzente setzen.“ Schmerzhaft dagegen der Verlust der Grundschule in Gnandstein, die aufgrund mangelnder Schülerzahlen aufgegeben werden musste. Der Rückgang vor allem der jungen Bevölkerung wird sichtbar an diesen Zahlen: Als Doris Häßler Schulleiterin wurde, zählte ihr Haus 140 Kinder. Heute sind es 74 Mädchen und Jungen in vier Klassen (Tendenz steigend), die von fünf Pädagoginnen unterrichtet werden. Eine Überschaubarkeit, die intensives Lernen und menschliche Nähe ermöglicht. Doris Häßler, die auch in ihren Jahren an der Schulspitze immer in allen Klassen Stunden gab, den Kontakt hielt und Einblick hatte, wird diese innige Herzlichkeit vermissen. Doch wichtiger ist ihr, sie genossen zu haben. Wer ihr Nachfolger wird, ist noch offen.

„Mein ganzes Leben habe ich nach der Uhr gelebt. Jetzt werde ich es genießen, mit meinem Mann ohne Hast beim Frühstück zu sitzen und die Zeitung bis zum Ende zu lesen“, sagt sie. Möglich, dass sie sich in der nun freien Zeit dem Malen zuwendet; einen Kurs hat sie vor Längerem einmal absolviert. Gewiss wird sie weiterschreiben an den Geschichten aus dem Alltag von Kindern, die sie längst aufschreibt. Was aus diesem Manuskript wird? Die Frage hat sie sich noch nicht gestellt, lächelt Doris Häßler darüber: „Vielleicht veröffentliche ich sie mal, warum nicht?“

Von Ekkehard Schulreich

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