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Kopfschütteln über Begrünungsaktionen

Kopfschütteln über Begrünungsaktionen

Mehr Grün in den Wohnorten und der Landschaft ist eine gute Sache. Darin sind sich auch die Stadträte der Töpferstadt einig, sahen deshalb den Ausgleichsmaßnahmen der Deges für den Bau der Autobahn 72 mit Freude entgegen.

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Eine Augenweide sind die gehäuften Greifvogelsitzstangen - hier ein Blick auf eine Grünfläche am Ortsausgang Gnandstein in Richtung Kohren-Sahlis - wahrlich nich

Quelle: Jens Paul Taubert

Kohren-Sahlis. Inzwischen aber schütteln sie über vieles den Kopf, was da in den vergangenen Wochen passierte. Nicht nur die Art und Weise der Pflanzungen sei gewöhnungsbedürftig, monieren sie. Auch prägen über 50 Steinhaufen an Weg- und Feldrändern nunmehr die Landschaft.

Vor allem für die Landwirtschaft seien Letztere ein großes Ärgernis, verhehlte Georg-Ludwig von Breitenbuch, der CDU-Fraktionschef, jüngst in einer Sitzung des Gremiums seinen Ärger nicht. "Manchmal ist im Bereich Gnandstein, Kohren-Sahlis und Terpitz nahezu alle 30 Meter ein solcher Haufen mit sicherlich sehr teuren Steinen zu finden. Doch was soll das? So etwas mag in Brandenburg als Biotop Tradition haben, in unserer Kulturlandschaft jedenfalls nicht", bat er die Stadt um Unterstützung, bei der Deges, der Deutsche Einhiet Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH, dagegen Eindruck zu erheben. Das verschandle nicht nur das Bild. Die Landwirte seien auch besorgt, dass Steine auf Felder geworfen und eine Gefahr für die Technik würden. Selbst das Wenden von Landwirtschaftsmaschinen am Feldrand sei erschwert. "Wir fordern, dass die Steine wieder weggeräumt werden. Und lassen das jetzt juristisch prüfen",lässt von Breitenbuch die Sache nicht auf sich beruhen.

Auch Bürgermeister Siegmund Mohaupt (CDU) stößt vieles auf. Ihn, selbst gelernter Gärtner, stört zum einen die "Protzigkeit des Naturschutzes", mit der hier Dinge angelegt wurden. Jeder Baum sei doppelt und dreifach geschützt. An anderen Stellen im Naturschutz dagegen fehle das Geld. "Aber das sind ja alles Steuergelder", gibt er zu bedenken. Und wenn dann auch noch das Ergebnis nicht wie erwartet sei, werde es prekär. "Ich glaube, mitunter wurde zu eng gepflanzt, obwohl wir noch genug Ecken in der Stadt haben, die Grün vertragen könnten. Und so viele Greifvögel, wie hier Sitzkrücken für sie montiert wurden, haben wir bestimmt nicht. Oder sollen die für die Pleitegeier sein, die nach der Doppik über unseren Städten und Gemeinden kreisen?", meint er sarkastisch er sarkastisch. Schwer nachvollziehbar sei auch, dass die Kirschallee - der Wanderweg zwischen Gnandstein und dem Alten Bahndamm - nunmehr mit Äpfel- und Birnbäumen bepflanzt wurde. "Aber gerade die Kirschblüte ist doch seit Jahrzehnten das Aushängeschild des Kohrener Landes", tut ihm das weh.

Andererseits warten die Töpferstädter seit Jahren vergeblich darauf, dass sich an den die ebenfalls in den Plan der Ausgleichsmaßnahmen aufgenommenen Dorfteich in Rüdigsdorf wie auch von zwei solchen Gewässern in Dolsenhain, die dringend als Feuerlöschteiche benötigt werden, etwas tue. "Hier ist trotz mehrfacher Nachfrage immer noch ,Ruhe sanft'", so das Stadtoberhaupt. Auch deshalb werde die Stadt dem Wunsch der Landwirte nachkommen, von der Deges Abhilfe zu fordern. Denn obwohl in den vergangenen Jahren so mancher Baum auch durch die Landwirtschaft das Zeitliche segnete und es schön ist, wenn das Grün jetzt ersetzt wird: "Gegenseitig behindern darf man sich deshalb dennoch nicht", so Mohaupt.

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte die Deges, dass sich bezüglich der dauerhaften Sicherung der Neupflanzungen Zäune oder Spaltholzpfosten allein nicht bewährt hätten, es durch die Agrargenossenschaften in der Vergangenheit zu Beschädigungen oder gar zum Umpflügen von Pflanzungen kam. "Die Greifvogelstangen dienen dem Schutz der Leittriebe der frisch gepflanzten Hochstämme gegen Abbrechen. Diese werden je nach Zuwachs der Bäume entfernt", so Pressesprecherin Nicole Drieschner. Das Maßnahmekonzept wäre vorbereitend zur Planfeststellung mit den betroffenen Städten und Gemeinden sowie relevanten Behörden und Institutionen umfassend abgestimmt worden.

Hinsichtlich der Kritik in Sachen Kirschallee merkt sie an, dass bei der Obstbaumpflanzung zu beachten sei, dass generell ein Wechsel zwischen Stein- und Kernobst berücksichtigt werde. Sonst reagierten die gepflanzten Bäume mit Kümmerwuchs und vermindertem Fruchtansatz.

Keinerlei Erklärungen gab die Deges gegenüber LVZ zu den Steinhaufen ab. Auch die Ausführungen hinsichtlich der Teiche klären wenig auf. "Durch den Vorhabensträger wurde dem Landkreis Leipzig ein alternatives Verfahren zur biologischen Teichsanierung vorgestellt, um erhebliche Deponiekosten zu vermeiden. Dieses Verfahren soll nun in einem weiteren Schritt den relevanten Städten, aber auch den Teicheigentümern oder Pächtern vorgestellt werden, um Einvernehmen zur weiteren Verfahrensweise herzustellen", heißt es da. Eine Infoveranstaltung dazu soll am 29. April in Geithain sein, hieß es vorgestern zur Stadtratssitzung.

Die Teiche in Dolsenhain seien seit langem vollständig trocken gefallen, da sie ausschließlich über Niederschlagswasser vom umgrenzenden Acker beziehungsweise parallelem Feldweg eingespeist werden. Was dies bedeutet, blieb im Schreiben der Deges ebenfalls offen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.04.2014
Lang, Thomas

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