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Geithain Kormorane, Reiher, Gänsesäger: Wo Räuber zuschlagen, zieht der Fischer den Kürzeren
Region Geithain Kormorane, Reiher, Gänsesäger: Wo Räuber zuschlagen, zieht der Fischer den Kürzeren
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00:24 01.04.2018
Idylle an einem der beiden Hainteiche in Frohburg – nur auf den ersten Blick. Die Reiher am und die Kormorane auf dem Wasser bereiten mit ihrer Fresslust dem Pächter Sorgen. Darüber hinaus verletzen sie viele der Fische, was die Einbußen weiter erhöht. Quelle: Jens Paul Taubert
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Frohburg

Wenn Udo Wolf schwarz sieht, dann liegt es an den schwarzgefiederten Kormoranen, die sich zurzeit intensiv tummeln – nicht nur im Naturschutzgebiet Eschefelder Teiche, sondern auch jenseits der alten B 95 am Frohburger Hainteich. Dort wissen sich die Fischfresser in bester Gesellschaft von Silberreihern und Gänsesägern.

Fischwirt verliert täglich 50 Kilo an tierische Räuber

Der Kormoran bedient sich an der Fischzucht in den Eschefelder Teichen. Quelle: dpa

36 Silberreiher, 18 Kormorane und 20 Gänsesäger zählte der Beuchaer Fischwirt, der Pächter der Teiche ist, allein am Sonntagmorgen am und auf dem Hainteich. Eine Tonne Satzfisch hatte er im Herbst in das Gewässer eingesetzt zur Winterung. „Wenn ich an einem einzigen Tag 50 Kilogramm verliere, kann man sich schnell ausrechnen, was am Ende bleibt: ein dickes Minus.“ Die Teichbewirtschafter hätten nur eine einzige Möglichkeit zur Schadensbegrenzung: den Abschuss von Kormoranen. Im Eschefelder Teichgebiet habe er in diesem Jahr zwei dieser Vögel erlegt; am Hainteich entfalle die Option aufgrund der Siedlungsnähe.

Gegenwärtige Ebbe im Teich ist hausgemacht

Seit 2007 bewirtschaftet Wolf die Eschefelder Teiche; in all den Jahren habe er allenfalls für ein Fünftel der Einbußen einen Ausgleich erhalten, sagt der Fischwirt. Denn in Beucha, Otterwisch, Rohrbach, Ossa sei die Situation ähnlich fatal. Zu den schmerzlichen Einbußen komme die Dauerkritik, der er sich durch einige Naturschützer gerade im Eschefelder Teichgebiet ausgesetzt sieht. Kritik, die unberechtigt sei, ist Wolf überzeugt. Denn nicht die Bewirtschaftung schädige das Natur- und Vogelschutzgebietes von europäischem Rang. Es seien widerstreitende Ansätze der Politik und der Behörden. So lasse er zurzeit das Wasser des Großteichs nicht aus freien Stücken ab, sondern weil es der Eigentümer, der Landkreis Leipzig, von ihm fordere. Das kommt nicht überall gut an, die Prügel aber bekomme er.

Landkreis plant Entschlammung im Sommer

„Der Landkreis beabsichtigt, in diesem Jahr den Großteich, den Vorwärmer sowie den kleinen Streckteich zu entschlammen. Die Grundräumung des Großteiches mit über 40 Hektar Teichnutzungsfläche wird dabei die anspruchsvollste Aufgabe“, sagt Behördensprecherin Brigitte Laux. Im Ergebnis der Entschlammung wäre die Teichkette vom Groß- bis zum Ziegelteich grundhaft beräumt. Ins Teichgebiet könnte wieder Ruhe einziehen, zumindest was Störungen durch Baumaßnahmen betreffe.

Neben der Teichentschlammung plane man weitere Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für die Tier- und Pflanzenwelt. Udo Wolf hätte da gern ein paar Details gewusst. Er befürchtet, dass inmitten des Großteichs mehrere Brutinseln entstehen. „Die würden voll sein mit Kormoranen. Da kommen wir gar nicht mehr ran.“ Dann habe man das Rennen so gut wie verloren. „Dann ist eine Bewirtschaftung nicht mehr möglich.“ Er wolle aber trotz allen Ärgers daran festhalten und sich für 2020 neu um die Teiche bewerben, denn der alten Pachtvertrag läuft Ende 2019 aus.

Absprachen während der Vorbereitung

„Derzeit steht der Landkreis mit allen Landnutzern, Eigentümern, dem Bewirtschafter der Teiche und der Stadt Frohburg in engem Kontakt, um die Maßnahme ordentlich vorzubereiten und hoffentlich reibungslos durchführen zu können“, sagt Laux. Seit Anfang März werde der Großteich nach erfolgter Schlammtiefenmessung abgelassen, damit der Schlamm vor der Beräumung abtrocknen könne. Die Schlammentnahme sei für den Spätsommer geplant. Der Abtransport erfolge nördlich des Großteiches. Bauvorbereitend hat in den letzten Tagen am Nordufer des Großteiches und auf einer vorgesehenen Zwischenlagerfläche für den Teichschlamm eine Gehölzbeseitigung und Schilfmahd stattgefunden.

„Auch wenn die vorgesehenen Arbeiten in den nächsten Monaten für Unruhe in dem Schutzgebiet sorgen werden, ist sich der Landkreis sicher, dass nur durch die komplexen Instandsetzungsarbeiten das Schutzgebiet für die nächsten Jahrzehnte erhalten und entwickelt werden kann, sowie eine fischereiliche Bewirtschaftung möglich ist“, so die Sprecherin. Trotz aller Eingriffe und der damit einhergehenden Störungen müsse klar sein, dass es sich insbesondere um ein Naturschutzgebiet handele. „Alle vermeidbaren Beeinträchtigungen sind zu verhindern beziehungsweise sind verboten. Darunter fällt das Verlassen der Wege, das Reiten im Gebiet oder Hunde frei herum laufen zu lassen.“ Verstöße würden geahndet.

Von Ekkehard Schulreich

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