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Kreisstraße: Bewohner von Oberhain fühlen sich von der Behörde veralbert

Mitbestimmung Kreisstraße: Bewohner von Oberhain fühlen sich von der Behörde veralbert

Andreas Werrmann lebt gern in Langenleuba-Oberhain. Fast ein Vierteljahrhundert ist der gebürtige Sahliser hier heimisch. Allerdings muss er mit ansehen, wie sein Dorf immer weiter abgehängt wird. Intensiv engagierte er sich deshalb dafür, den Ausbau der Kreisstraße auf die Tagesordnung zu setzen. Doch jetzt fühlt er sich veralbert.

Beim Kaffee auf der Terrasse im Disput: LVZ-Leser Andreas Werrmann (links) mit Lokalredakteur Ekkehard Schulreich.

Quelle: Jens Paul Taubert

Penig/Langenleuba-Oberhain. Neue Häuser heißt die kurze Straße. Eine neue Brücke über die Leuba bindet sie an die Langenleuba-Oberhain durchziehende Kreisstraße an. Kein Problem hat Andreas Werrmann mit der kommunalen Brückenbaustelle. Dass im Zuge dessen im Sommer aber die Kreisstraße gesperrt wurde und er darüber nichts in seiner LVZ las, das ärgerte den 50-Jährigen – zu Recht. Das Thema Straßenbau nahe seiner Haustür beschäftigt ihn schon seit Jahren. Präziser: das immer weitere Hinausschieben des Ausbaus der Kreisstraße, die sich wie eine Lebensader durch Oberhain zieht. Vom ehemaligen Bahnhof bis zur thüringischen Landesgrenze misst sie sieben Kilometer. Sie ist ausgefahren, weil viel befahren, hat keine Gehwege, nur dürftige Beleuchtung. „Der Landkreis hat die Straße vor zwei, drei Jahren bereits geprüft. Damals hieß es, 2017 soll gebaut werden“, sagt Werrmann, verweist auf seine intensive Kommunikation mit der Behörde. Dass die Mitte am Mittwoch eine Beratung vor Ort anberaumte, ließ ihn Hoffnung schöpfen, dass nun gebaut wird.

„Es ist richtig, dass die Kreisstraße in Langenleuba-Oberhain grundhaft ausgebaut werden soll“, bestätigte André Kaiser, Pressesprecher des Landratsamtes Mittelsachsen, der LVZ. Besagte Runde aber nannte er „die erste Begehung der Strecke“ gemeinsam mit einem Planungsbüro und der Stadt Penig. „Was, in welchen Abschnitten und wie ausgebaut werden soll und in welchem Zeitraum, ist offen.“ Fakt sei nur, dass die Ortslage zu lang sei, um den Bau auf einen Ritt umzusetzen.

Von Veralberung spricht Andreas Werrmann. Dass die Behörde erneut auf Zeit spiele, sei ein Schlag ins Gesicht der vielen, die entlang der Straße wohnten. Im Peniger Rathaus kann man seine Kritik nachvollziehen. „Natürlich ist eine solche Maßnahme in unserem mit 1000 Einwohnern bevölkerungsreichsten Ortsteil von großer Bedeutung“, sagt Stadtsprecherin und Kämmerin Manuela Tschök-Engelhardt. Dass in Abschnitten gebaut werde, beginnend möglichst am Ortseingang aus Richtung Niederhain, leuchte ein – nur losgehen müsste es endlich. Die Stadt würde sich dann für die Straßenbeleuchtung, die Herrichtung der Bushaltestellen und den teilweisen Bau von Gehwegen engagieren.

Das sei dringend geboten, meint Werrmann. Schulkinder, Leute mit Kinderwagen und Rollatoren seien höchst gefährdet. Wer auf den Bus warte, stehe im Regen. „Wir brauchen nicht überall Gehwege, aber an einigen Stellen sind sie unverzichtbar.“ Werrmann, aufgewachsen in Kohren-Sahlis, zog der Liebe wegen in den neunziger Jahren nach Langenleuba-Oberhain. Das war zu jener Zeit, als die Landkarte des südlichen Kreises Geithain neu gestaltet wurde: Das einst größte Dorf wechselte in den Kreis Rochlitz. Langenleuba-Oberhain, Obergräfenhain, Niedersteinbach und Wernsdorf fusionierten zu Langensteinbach; die Gemeinde kam 2003 nach Penig. Die Kreisstadt selbst entfernte sich immer weiter, heißt jetzt Freiberg.

Parallel dazu, sagt der Diplom-Agraringenieur, Experte für Pflanzenkrankheiten und im Moment Bereichsleiter für Elektroschrott-Recycling in Ostdeutschland, habe sich das Dorf verändert – nicht nur zum Vorteil wie viele andere seit der Wende auch: Geschäfte und Bank seien geschlossen, der Busverkehr unzureichend. Immerhin gebe es in Oberhain Schule, Kindertagesstätte, Gasthof und Bäcker, habe man für die Arztpraxis eine Lösung gefunden. Insgesamt aber drohe das Dort zum reinen Schlaf-Ort zu werden: „Das ist eine Entwicklung, die nicht gut ist. Ihr muss etwas entgegengesetzt werden.“ Der Ausbau der Kreisstraße wäre in seinen Augen ein solches Zeichen, dass Langenleuba-Oberhain nicht vergessen sei: „Es muss doch endlich mal vorangehen.“

Von Ekkehard Schulreich

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