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Geithain Künftig mehr Elbisbacher Strom aus Biogas
Region Geithain Künftig mehr Elbisbacher Strom aus Biogas
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12:18 22.09.2018
Ulrich Wiesehügel erweitert seine Biogas-Anlage in Elbisbach. Die Fundamentarbeiten für ein drittes Rundbecken haben begonnen. Quelle: Jens Paul Taubert
Frohburg/Elbisbach

Weil Fotovoltaik-Anlagen nachts keinen Strom produzieren und Windräder bei Flaute ebenso wenig, setzen die Energieversorger auf mehr Flexibilität bei Biostrom-Erzeugern, wie Ulrich Wiesehügel einer ist. „Wir sollen den Strom künftig dann einspeisen, wenn er gebraucht wird. Aktuell tun wir das rund um die Uhr“, sagt der 54-Jährige, der mit seinem mehr als ein Jahrhundert bestehenden Familienbetrieb in Elbisbach seit Jahren unter anderem auf die Energieerzeugung aus Biogas setzt.

Umbau soll mehr Flexibilität ermöglichen

Um die künftig geforderte Flexibilisierung zu erreichen, baut er bis zum nächsten Frühjahr die Anlage um. Alles in allem wird er rund anderthalb Millionen Euro investieren: „Damit machen wir die Anlage für die nächsten 20 Jahre fit.“

Der Bau eines dritten Beckens, das Gärreste aufnehmen soll, hat bereits begonnen. 5600 Kubikmeter Fassungsvermögen soll es haben und die jetzt länger nötige Lagerung dessen, was nach Gärung und Verstromung übrig bleibt, sichern. Denn diese Reste sollen, um den natürlichen Kreislauf zu schließen, wieder auf den Feldern ausgebracht werden. Doch das ist nur zu bestimmten Zeiten im Jahr gestattet; deshalb der Puffer.

Größere Kuppeln, um Gas zeitweise zu lagern

Um das permanent erzeugte Biogas für wenige Stunden zwischenlagern zu können und erst zu verstromen, wenn der Strom in Netz gebraucht wird, erhalten die dann drei kreisrunden Becken größere Kuppeln. „Wir können dann das Gas aus 36 Stunden Produktion speichern“, sagt Wiesehügel. Aktuell werde es sofort verstromt. Um flexibler agieren zu können, muss zudem ein zweiter Motor mit mehr als 1000 Kilowatt Leistung her.

Arbeiten sollen im Frühjahr beendet sein

„Unser Ziel ist es, die Arbeiten bis zum Frühjahr abzuschließen. Wir setzen dabei auf Firmen aus der Region, denn die Arbeit soll ja in der Region bleiben“, sagt der Unternehmer. Der Stadtverwaltung Frohburg und dem Stadtrat dankt er „für die unbürokratische Unterstützung“, die sehr geholfen habe, dieses große Vorhaben auf den Weg zu bringen.

Begrünter Wall soll noch entstehen

Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) hatte in der jüngsten Sitzung des Stadtparlamentes über die Genehmigung zur Anlagen-Erweiterung informiert, aber kritisch angemerkt, dass Auflagen aus der allerersten Genehmigung noch nicht erfüllt seien. „Das trifft zu und betrifft einen begrünten Wall, der die Anlage einschließen soll, um bei einer Havarie Sicherheit zu geben“, sagt Ulrich Wiesehügel. Weil die jetzt anstehende Erweiterung absehbar war, habe man sich mit den Fachbehörden des Landkreises verständigt, den vorgeschriebenen Grüngürtel erst nach Schüttung dieses einen Meter hohen Walls anzulegen. Alles andere hätte wenig Sinn gemacht.

Parallel erneuere man das marode Abwassersystem des Hofes, der in der DDR-Zeit Teil des Volkseigenen Gutes Elbisbach war. Wiesehügel, der in Kohren-Sahlis Geflügel produziert und in diesem Jahr die Stalldächer dort mit Fotovoltaik ausstattete, hatte die Immobilie 2010 erworben.

Wärme soll künftig genutzt werden

„Uns ist es wichtig, den Kreislauf zu schließen“, sagt Wiesehügel. Dazu gehöre auch, die bei der Verstromung anfallende Wärme künftig zu nutzen – etwa im Arwedhof gegenüber, der nach Jahrzehnten des Verfalls jetzt durch einen privaten Investor saniert werde. Zu Biogas vergärt würden in Elbisbach Mais, Silage und Mist. Der Anteil des Mists sei inzwischen auf mehr als 50 Prozent gestiegen. Die Verarbeitung von Mais fahre man weiter zurück, um die „Tank-Teller-Diskussion“ nicht zu befördern. Der Bad Lausicker Bauhof liefere seinen Rasenschnitt ab, inzwischen komme auch der aus Frohburg in die Anlage.

Betrieb soll einmal an die Kinder gehen

„Man kann alles vergären, was pflanzlich ist.“ Auch der Inhalt der Biotonne eigne sich dafür. Angesichts der Braunkohle-Ausstiegs-Debatte sieht der Unternehmer die Biostrom-Erzeuger in der Pflicht, sich neuen Herausforderungen zu stellen, denn der hier flexibel erzeugte Strom sei grundlastfähig, heißt bei Bedarf immer verfügbar. Auf diesem Feld zu investieren, ist Ulrich Wiesehügel auch deshalb wichtig, weil er den Betrieb, setzt er sich einmal zur Ruhe, in guten Händen sieht: „Tochter Michaela und Sohn Tony führen das, was wir hier gemeinsam aufbauen, weiter.“

Von Ekkehard Schulreich

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