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Geithain LVZ mit 400 Wanderern auf Jubiläumstour
Region Geithain LVZ mit 400 Wanderern auf Jubiläumstour
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12:27 16.09.2018
Kurze Rast in Bruchheim: Jörg Vollert, Betriebsleiter der Landwirtschaftsgesellschaft Geithain (r.), schildert den Wanderern der Gruppe eins, geführt von Revierförster Falkhard Dau (5. v. r.) die aktuell prekäre Lage der Landwirtschaft. Quelle: Jens Paul Taubert
Geithain

So viele Gäste wie am Sonnabend kann Christian Landwehr, erfahren mit Erntedankfesten, selten auf seinem Wickershainer Hof begrüßen. Selbst für die Geithainer Feuerwehr, die jährlich ihr Floriansfest ausrichtet, erreichte die Versorgung mit Speisen und Getränken eine neue Quantität: Mehr als 400 fidele Leser und Freunde der Leipziger Volkszeitung machten sich nicht nur gemeinsam auf die Socken, um Geithain und die sonnigen Höhen südlich der Stadt zu erkunden.

Sie ließen die Jubiläumstour, die 25., mit einem großen Fest im Landwirtschaftsbetrieb Barthel & Landwehr ausklingen – klingen in doppeltem Wortsinn, denn das Blasorchester des Geithainer Musikvereins unter Leitung von Mirko Senftleben spielte auf.

Gut gelaunte Wanderer, viel zu entdecken und zahlreiche Unterstützer bei der Jubiläumstour rund um Geithain.

„Uns gefällt es immer wieder. Wir sind fast jedes Jahr dabei“, sagten Gretel und Kurt Peter Wendel aus dem Naunhofer Ortsteil Lindhardt, als sie, Zwergpudel Yorko an ihrer Seite, nach zwölf erlebnis- wie aufschlussreichen Wanderkilometern das Ziel erreichten. Margot Vogel gehörte sogar zu den dienstältesten Mitwanderern: „Das ist meine 20. Tour“, sagte sie – und gewann selbst als Geithainerin ein paar neue Eindrücke von ihrer Heimat. Heimat neu sehen, etwas tun für Körper und Geist, das verbinden Christa und Hans Ritter aus Elstertrebnitz mit den LVZ- wie den 7-Seen-Wanderungen – und vor allem: „Man trifft sich, man kennt sich. Das macht Spaß.“

Wanderer entdecken Ostalgie im Pulverturm

Trotz des großen Abstands zwischen den 61 Stufen ließen viele es sich nicht nehmen, den Pulverturm, Teil der mittelalterlichen Geithainer Stadtbefestigung, zu erklimmen. Er war die erste Station nach dem Start am Freibad. Mit jungen Langzeitarbeitslosen hatte der Bildungsträger FAW den Turm aus den Dornröschenschlaf geholt. „Toll, was hier entstanden ist. Einer muss sich ja engagieren“, sagte Helga Haase aus Geithain anerkennend.

Wiedererkennungseffekte erzielte die aktuelle „Ostalgie“-Sonderschau unter anderem bei Gudrun Gabler aus Frohburg: „Schön, dass der Turm wieder öffentlich zugänglich ist.“ Für die Leipziger Wandergruppe „Sonnenwinkel“ sei Geithain eine Entdeckung, meinte Martina Scholz: „Wandern gehen wir jeden Sonnabend. Letztes Jahr waren wir mit der LVZ in Frohburg unterwegs.“

Wanderfrühstück auf der Terrasse des Zollhauses

Auf der Terrasse des Zollhauses, unter dem Blätterdach des Stadtparks, hatten die Mitarbeiter des Geithainer Bauhofs, die vielerorts zupackten, Tische und Bänke aufgestellt: Frühstücksrast. Die kernigen Wanderbrötchen der Bäckerei Claus ließen sich alle schmecken, ehe sie der Einladung des Heimatvereins folgten, einen Blick in die Räume des benachbarten Stadttores zu werfen. Durch das Altdorf ging es dann hügelan.

Oldtimerfreunde wecken Erinnerungen

Weit reichte der Blick hinein ins Land, ehe ihn drei historische Karossen auf sich zogen: Mit Trabant 600, Wartburg 311 und einem violetten Kübel-Trabi gaben die Oldtimerfreunde Kohren-Sahlis im ADAC kurz vor der Autobahn 72 Fingerzeige auf die Verkehrsgeschichte. Ihre Informationstafeln zur 1967 abgedampften Kohrener Bimmelbahn weckten Erinnerungen. „Die Älteren kennen die ja noch“, sagte Karsten Krüger vom Verein und freute sich über die große Aufgeschlossenheit. Cornelia Kirsch aus Frohburg posierte auf Krügers „Kugelporsche“ für ein Foto („Mein Sohn hat so einen gefahren.“) und lobte die schöne Tour („Eine hervorragende Organisation!“).

Markus Tripp und Hendrik Richter (Gartenverein Erholung) sorgten mit Erdbeer-Joghurt und Kartoffelsuppe dafür, dass die folgenden Kilometer hinüber nach Bruchheim nicht zur Hungerstrecke wurden.

Einblick in Situation der Landwirtschaft

„Die Zuckerrüben haben Sie noch gesehen, alles andere war schon Ende Juli geerntet, so zeitig ist das einmalig“, begrüßte Jörg Vollert, Betriebsleiter der Geithainer Landwirtschaftsgesellschaft, die Wanderer in Bruchheim. Auf Strohballen und Bänken konnten die, mit einem Getränk versorgt, verschnaufen und erfuhren, wie hart dieser trockene, heiße Sommer die Bauern trifft. Wobei Vollert keinesfalls klagte: „Die Situation ist prekär, für uns aber zum Glück nicht existenzbedrohend.“

Weiter ging es durch die offene Feldflur nördlich von Narsdorf bis nach Wickershain zum Landwirtschaftsbetrieb von Barthel & Landwehr. 1991 gegründet, konzentriert er sich auf die Getreideproduktion und die Bioenergieerzeugung – und bietet dank eines Spargelfelds mit Fußbodenheizung die begehrten Stangen im Frühjahr zeitiger an als andere.

Wanderfest mit vielen leckeren Angeboten

Hier auf dem Hof wurde vor der Kulisse der glänzenden neuen Silotürme ab Mittag gefeiert – auch mit einigen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind wie ein älteres Paar aus dem Geithainer Ortsteil: „Wir wohnen um die Ecke, da müssen wir doch mal gucken…“ Und zu sehen gab es so viel wie zu hören. Während sich zwei Dutzend Kameraden der Geithainer Feuerwehr um das Gastronomische kümmerten, luden regionale Vermarkter zum Probieren ein. Die Bruchheimer Hausschlachterei Berthold, die Kelterei Schauß, die die Geithainer Mosterei betreibt, und die Kohrener Landmolkerei hatten ihre Stände aufgebaut. Der Benndorfer Eberhard Kulpe bot Eis an.

LVZ-Veranstaltung hat viele Unterstützer

Langjährige Unterstützer der Veranstaltung waren ebenso vertreten: das Bad Lausicker Kur- und Freizeitbad „Riff“ mit dem Glücksrad, der Tourismusverein Borna und Kohrener Land mit aktuellen Druckerzeugnissen, der Staatsbetrieb Sachsenforst mit einer Taststrecke.

„Herrliches Wetter, die Location passt, die Leute sind entspannt“, meinte Holger Gwozdz, der stellvertretende Stadtwehrleiter, der am Zapfhahn stand. Regina Heinze vom Tourismusverein, Mitveranstalterin seit der allerersten Stunde 1994, sprach von einer „rundum gelungenen Veranstaltung“. Geithains Bürgermeister Frank Rudolph (UWG), der mit seinen Unterstützern maßgeblich zum Gelingen beitrug, genoss die turbulente Szenerie: „Wenn die Leute zufrieden sind, bin ich es auch.“

Dank an alle fleißigen Helfer

Sie waren es – und Erika Schirmer, LVZ-Regionalverlagsleiterin, ging es nicht anders: „Ich danke allen von Herzen, die diese schöne Veranstaltung ermöglicht haben. Sie hat ein ganz besonderes Flair.“ Ausdrücklich ging ihr Dank an die Stadt, an die ehrenamtlichen Wanderführer, an Gastgeber Christian Landwehr, aber auch an die über viele Jahre treuen Mitgestalter und Begleiter. Die waren es auch, die Preise für das obligatorische Wanderquiz zur Verfügung stellten. Glücksfee Konstanze Kleine und Moderator Michael Franke zogen die Gewinner. Der Hauptpreis, zwei Tickets für die „Blue Man Group“ in der Leipziger Arena, ging an Anke Bachmann aus Naunhof.

Viel Lob von Teilnehmern der Jubiläumstour

Abwechslungsreich dank der Stationen unterwegs nannte Peter Häring aus Frohburg die Jubiläumstour, die für ihn eine Premiere war. Sonja Hildebrandt aus Altenburg stimmte dem zu, wäre aber „lieber ein bissel mehr durch den Wald gelaufen“. Den Geithains Südbalkon allerdings nicht bieten kann. Deshalb der Vorschlag der Schönauerin Marita Heinert: „Wir könnten doch mal wieder durch den Colditzer Forst wandern. Damals an der Ballendorfer Windmühle war es toll.“

Steffen Brödel, gebürtiger Leipziger, jetzt Wiesbadener, war mit seiner Schwester Sybille Krone aus Borna mit von der Partie: „Ich komme immer wieder gern hierher in die Region.“ Für Anita und Jürgen Engelhardt aus Frohburg war der Pulverturm eine Entdeckung. „Man sieht schöne Ecken, in die man sonst nicht kommt“, ergänzten Christina und Gerold Tränkmann aus Frohburg. Elke Weise aus Borna, die in dieser Woche 80 wird und die zum fünften Mal mit der LVZ wanderte, brachte auf den Punkt, was viele meinen: „Es gibt so viel Schönes bei uns, wir müssen gar nicht weit wegfahren, um etwas zu erleben.“

Von Ekkehard Schulreich

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