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Geithain Lärm: Frauendorfer sehen sich allein gelassen
Region Geithain Lärm: Frauendorfer sehen sich allein gelassen
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06:00 09.06.2018
Blick auf die Autobahn bei Frohburg. Frauendorfer leiden unter dem Lärm des Verkehrs. Quelle: Jens Paul Taubert
Frohburg/Frauendorf

Dass ein Teil der Einwohner Frauendorfs unter dem Lärm des Autobahnverkehrs leidet, ist unbestritten. Dass der Geräuschpegel indes die zulässigen Grenzwerte überschreitet, wohl. „Permanenter Lärm macht krank“, sagte Ingo Müller, einer der Betroffenen, Anfang April in der LVZ: Die an der A 72 in Höhe des Frohburger Ortsteils montierte Lärmschutzwand sei zu kurz; sie müsste verlängert werden. Die Behörden sehen dazu keinen triftigen Grund.

Frohburgs Stadtrat beschließt keine Maßnahmen

Turnusmäßig wurde jetzt die Lärm-Kartierung für Frohburg aktualisiert. Maßnahmen beschloss der Stadtrat, der das Thema am Donnerstagabend auf dem Tisch hatte, nicht. Der Grund: Gemessen an der Gesamtbevölkerung gebe es nur „eine sehr geringe Lärmbetroffenheit“. In fünf Fällen gehe es um 55 bis 60 Dezibel, in 17 Fällen um 45 bis 50 Dezibel. Kindereinrichtungen und Schulen seien nicht darunter.

„Wenn man eine Autobahn baut, muss man doch den Lärmschutz bis in alle Ewigkeit beachten“, sagte Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW). Die Einwände von Frauendorfern könne man nicht einfach vom Tisch wischen, doch „keiner misst die Werte, man berechnet sie nur“. Nach dieser Lesart liege die Belastung des Müller’schen Grundstücks etwa bei „knapp unterhalb von 45 Dezibel“, heißt es aus dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

Geforderte Messung zu aufwendig

Eine Messung, wie sie Frauendorfer fordern, wäre äußerst aufwendig, müsse über einen längeren Zeitraum erfolgen und werde „von Gerichten in der Regel nicht anerkannt“. Deshalb stütze man sich auf Berechnungsmodelle. Das Argument des Beschwerdeführers, der Verkehr auf der A 72 habe seit ihrer Inbetriebnahme einen enormen Zuwachs erfahren, konterte die Behörde mit einem Verweis auf die Zählstelle Niederfrohna nördlich von Chemnitz: Dort habe man im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2015 nur „einen marginalen Anstieg“ um 1500 Fahrzeugen am Tag registriert.

„Unabhängig davon bleibt die Frage zu klären, ob die Dimensionierung des Lärmschutzes korrekt ausgeführt worden ist und ob gegebenenfalls Schäden an Fahrbahn und Brückenfugen eine unnötige Belastung verursachen.“

Autobahn-Bauer hat Forderungen abgeschmettert

Für Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) der Punkt, einzuhaken: „Kann man die Deges nicht noch mal anschreiben?“ – Das hätten betroffene Anwohner und die Stadt bereits getan, doch habe der Autobahn-Bauer solche Forderungen abgeschmettert, so Hiensch: „Für die ist das abgeschlossen. Wer das nicht akzeptiert, müsste einen Rechtsstreit anfangen – gegen wen auch immer.“ Mit zwei Enthaltungen beschloss der Stadtrat, auf die Erarbeitung eines gesonderten Lärm-Aktionsplans zu verzichten.

Weder Hilfe vom Kreis noch vom Wirtschaftsministerium

Dass die lärmgeplagten Frauendorfer keine Unterstützung durch die Frohburger Stadtverwaltung erhielten, sei für ihn unverständlich, sagt Ingo Müller, der für ein ganzes Wohngebiet spricht: „Wir liegen laut der Berechnungen bei 44,3 Dezibel – und ab 45 ist Handlungsbedarf.“ Hilfe bekämen die geplagten Anwohner ebenso wenig von Landrat Henry Graichen (CDU) und Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD); der eine sei nicht zuständig, der andere der Meinung, dass die Vorschriften eingehalten würden. Das sei in höchstem Maße unbefriedigend.

Müller: Nochmalige Prüfung war versprochen worden

„Für die Autobahn werden zig Millionen verbaut, und dann hängt es bei ein paar Zehntausend für einen besseren Lärmschutz.“ Während der Planung der A 72 habe man den Anwohnern versprochen, erinnert sich Müller, dass bei einer Zunahme des Verkehrs nach Fertigstellung der gesamten Trasse noch einmal geprüft und nachgebessert werde. „Schriftlich hat uns das keiner gegeben, wir mussten einfach das Vertrauen haben.“ Das sei inzwischen erschüttert – und nicht nur das: „Es gibt Menschen im Dorf, die hat der Lärm krank gemacht.“

Von Ekkehard Schulreich

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