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Landschaften lassen Eberhard Wiedermann zum Pinsel greifen

Landschaften lassen Eberhard Wiedermann zum Pinsel greifen

Bad Lausick. Landschaften faszinieren Eberhard Wiedermann. Es sind die Weite, das Licht, die Farben, die den 73-jährigen Bad Lausicker zum Pinsel greifen lassen.

. Er malt seit Kinderjahren, doch erst jetzt, als Rentner, hat er wirklich die Muße dazu. Der Heimatverein Glasten zeigt zwei Dutzend seiner Großformate in seinem kleinen Museum.

 

 

Seine Bild-Schätze bewahrt Eberhard Wiedermann unter dem Dach, der Weg dorthin erinnert ein wenig an den in Willi Schwabes Fernseh-Rumpelkammer. Mit Eckenschonern versehen, reihen sich im Regal die in schwere Holzrahmen gefügten Leinwände aneinander. Ein nicht nur in seiner Großformatigkeit beeindruckendes Werk ist im Laufe der Jahre entstanden, das überrascht. Das Atelier allerdings ist – die gute Stube. Hierher zieht sich Wiedermann im Winter gern zurück, stellt die Staffelei auf und fasst in Öl, was ihm auf Urlaubsreisen nahegeht. Landschaften, immer wieder Landschaften sind es, alpine Formationen, stille masurische Seen, Hünengräber auf Rügen, eine dörfliche türkische Straßenszene.

Ein Teil seiner Bilder, darunter Bad Lausicker Motive wie die Kilianskirche und das Rathaus, stellt er zurzeit in Glasten aus. Es ist nicht die erste Schau, auch in Rochlitz und Grimma war er schon mit Arbeiten präsent. Auf diese Weise Resonanz zu finden, freut den Künstler – auch wenn er es nicht darauf anlegt. Zu malen gehört für Eberhard Wiedermann zum Beruf. In der vierten Generation führt sein Sohn inzwischen den Raumausstatter, den der Großvater 1906 in Bad Lausick als Sattlerei begründete.

„Wenn du etwas entwirfst, dann musst du den Leuten etwas zeigen", weiß Wiedermann, der von 1976 an für drei Jahrzehnte die Geschicke des Unternehmens lenkte. Stilkunde, Farbenlehre, Perspektive – all das war Ausbildungsstoff, war Handwerkszeug für einen, dessen Familienbetrieb von Tapeten und Gardinen bis zur Autosattlerei ein weites Feld beackerte. Seit er Rentner ist, hat er Gelegenheit, mehr aus seiner bildnerischen Ader zu machen. „Ein bisschen liegt das in der Familie", sagt er und verweist auf seinen Urgroßvater, den Schuhmacher aus Kohren-Sahlis, der schon vor Jahrzehnten unter anderem die Kohrener Burg malte. Das Bild, das Wiedermann als Zehnjähriger malte, hängt noch im Treppenhaus, ein Gebirgsmotiv, Öl. Bei Öl ist er geblieben, auch wenn irgendwann ein paar Radierungen entstanden. Die Rahmen sind Teil des Bildes, vom Tischler aus starkem Holz gedrechselt, von ihm selbst gestaltet. Seine Frau Margot rückt gern ein bisschen zur Seite, um der Staffelei Platz zu machen. Die Herrenmaßschneiderin, die im Betrieb lange Jahre mitarbeitete, hat selbst viel gezeichnet, ausschließlich beruflich allerdings. Ist sie seine erste Kritikerin? Margot Wiedermann winkt ab: „Den richtigen Blick hat er selber, denke ich." Intensiven Austausch über das Malen pflegt Eberhard Wiedermann mit Manfred Nogga, einem Schulfreund, der selbst künstlerisch tätig ist. Regelmäßig sitzen die Männer beieinander, nehmen Bilder des anderen in Augenschein: „Dann tauschen wir uns ein bissel aus."

Malen ist Winterarbeit für den Bad Lausicker. In der anderen Zeit des Jahres kommt er nicht dazu. Das liegt nicht zuletzt an der Papageienzucht, die er betreibt. Was in Jugendjahren mit Wellensittichen begann und berufsbedingt in kleinem Maßstab verharrte, zieht Wiedermann längst professionell auf. In den großen Volieren leben Aras und Kakadus. Doch wenn sich das Jahr neigt, wird er tageweise an die Staffelei zurückkehren. Leere Rahmen und Leinwände stehen parat, vor allem aber „habe ich schon wieder wunderschöne Motive, von Madeira, wo wir im Frühling waren". Auf Reisen nutzt Wiedermann vor allem den Fotoapparat, um Eindrücke festzuhalten; benutzte er ein Skizzenbuch, verlöre er die Reisegruppe aus den Augen. „Alles, was ich male, habe ich selbst gesehen", sagt er und leitet daraus sein Credo ab: „Ich liebe es, so zu malen, wie es das Auge wahrnimmt." Gern würde er seine Bilder einmal in einem im Wortsinn größeren Raum zeigen. Er hat dabei das Musikhaus im Sinn, das der Landkreis Leipzig zurzeit am Rande des Kurparks für das Rundfunk-Blasorchester Leipzig und die Bläserakademie Sachsen baut: „Dort eine Ausstellung zu Eröffnung. Das würde passen. Es ist doch ein Ort der Kultur."

Die kleine Schau im Glastener Museum ist noch einmal am 1. und 15. August von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Ekkehard Schulreich

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