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Lange Sperrung nervt die Geithainer

Lange Sperrung nervt die Geithainer

Geithain. Der Bau in der Chemnitzer Straße und ein möglicher Abriss des Blockes Lessingstraße 25 bis 28 sind zwei Themen der Einwohnerversammlung diese Woche in Geithain, die für besondere Emotionen sorgten.

Scharfe Kritik haben Bürger an der Dauer der Sperrung geübt - die Baufirma führt auf LVZ-Nachfrage Argumente an. Über das Schicksal des Wohnblockes soll der Stadtrat voraussichtlich im Oktober entscheiden.

 

 

"Warum verzögert sich der Bau in der Chemnitzer Straße?", fragte Geschäftsfrau Annerose Augustin, und mehrere Bürger hakten ebenfalls nach. Sie wollten wissen, warum in der Ausschreibung nicht gleich Zwei-Schicht-Betrieb gefordert wurde und verwiesen auf die großen Probleme, die diese lange Sperrung für die Geschäftsleute bringt, bei denen nun Kunden ausbleiben. Bürger merkten an, dass teils niemand auf der Baustelle arbeite und gelegentlich nachmittags zeitig Schluss gemacht werde.

 

 

Bürgermeisterin Romy Bauer (CDU) verwies auf den geänderten Bauablauf. Der Ausbau soll nun, wie berichtet, so schnell wie möglich bis zum Café Otto erfolgen. Dann werde bis zur Querstraße zunächst lediglich der Hauptkanal Stück für Stück weitergeführt und jeder Abschnitt gleich wieder provisorisch geschlossen. Bei den Kunden könne man auch ein Stück Flexibilität erwarten, alle Geschäfte seien zu Fuß erreichbar, so die Stadtchefin. Doch da erntete sie Widerspruch - jeder wolle heute bis vor die Tür fahren. Wenn der Bau einmal erfolgt sei, habe man lange Ruhe, argumentierte Bauer pro Straßenausbau und räumte ein: "Leider ist es so, dass wir uns im Verzug befinden, das ist sehr schmerzlich für die Geschäftsleute, die auf die Kunden angewiesen sind."

 

 

Warum es Verzug gibt, das blieb an diesem Abend offen, Verzögerungsgründe benennt auf Nachfrage unserer Zeitung Andreas Thiele, geschäftsführender Gesellschafter der bauausführenden Firma HTB Rochlitz. Zum einen habe der Bau Anfang April starten sollen, da herrschte noch starker Frost, und es konnte erst rund zwei Wochen später losgehen. Ab 22. Mai bis zum 10./11. Juni habe es dann Dauerregen mit anschließendem Hochwasser gegeben. Die bis zu vier Meter tiefen Schächte seien vollgelaufen, die Baustelle sei - wie mehrere andere der HTB - stark in Mitleidenschaft gezogen worden. "Man konnte nichts tun, wir mussten wie viele andere Unternehmen Kurzarbeit beantragen", erklärt Thiele. Auch der Rochlitzer Sitz der Firma, die 120 Mitarbeiter hat, habe durch die Flut unter Wasser gestanden, so der Unternehmer.

 

 

Auf den betroffenen Baustellen habe man erst nach Ende der Niederschläge beginnen können, das Wasser wegzupumpen und durchfeuchtete Erdschichten auszutauschen - um das Weiterarbeiten zu ermöglichen. Erst seit Mitte Juni hätten wieder normale Verhältnisse geherrscht - bevor eine vier Wochen lange Hitzeperiode mit bis zu 40 Grad begann. Wie viele andere Firmen habe man in dieser Zeit teilweise schon um 6 oder 6.30 Uhr auf der Baustelle begonnen, um weniger in die Hitze des Nachmittags hineinzukommen, so Thiele. In der Regel würden fünf bis sechs Mitarbeiter auf der Geithainer Baustelle arbeiten, in Spitzenzeiten auch mehr, erklärt er auf LVZ-Nachfrage. Um verlorene Zeit aufzuholen, sei von Mai bis August an 13 Sonnabenden gearbeitet worden, informiert er weiter.

 

 

Zum Wohnblock Lessingstraße 25 bis 28 bestätigte die Bürgermeisterin besorgten Mietern, dass dessen Rückbau nach wie vor zur Debatte stehe. Sie kündigte an, dem Stadtrat im Oktober eine Beschlussvorlage zu unterbreiten, diese 40 Wohnungen "vom Markt zu nehmen", sprich abzureißen - auch wenn es die letzten seien, die Balkone haben. "Wir tun das entweder 2014, spätestens 15 oder dann gar nicht mehr, weil wir es nicht finanzieren können", so Bauer. Die Fördermöglichkeiten laufen aus. Warum gerade der modernste Block fallen soll, hakten Bürger nach. Das begründete Bauer mit der Kulisse des Wohngebietes Geithain-West. Die durch einen Abriss frei werdende Ecke könne noch am ehesten einer anderen Nutzung zur Verfügung gestellt werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.09.2013

Inge Engelhardt

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