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Letzte Ruhe unterm Baum – Kirchspiel Geithainer Land öffnet sich dem Trend

Gebühren werden angepasst Letzte Ruhe unterm Baum – Kirchspiel Geithainer Land öffnet sich dem Trend

Ob Jahnshain oder Geithain, Niedergräfenhain oder Ossa: Für alle Friedhöfe des Kirchspiels Geithainer Land gilt ab sofort eine einheitliche Ordnung. Sie vereinfacht nicht nur das Verwalten, sondern will kulturell und ökologisch neue Akzente setzen.

Blick auf Geithain, links die Kirche St. Nikolai.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Für die sieben Friedhöfe, die zum Kirchspiel Geithainer Land gehören, gilt seit diesem Frühjahr eine einheitliche Friedhofsordnung. „Das bringt eine erhebliche Verwaltungsvereinfachung. Wir legen die Friedhöfe – gedanklich! – zusammen“, sagt Pfarrer Markus Helbig, der neben Pfarrer Johannes Möller das Kirchspiel leitet. Allerdings habe man sich in der vorausgegangenen, ein ganzes Jahr währenden Debatte um diese Satzung nicht nur Fragen der Verwaltung zugewendet.

„Wir möchten neuen Bedürfnissen der Bestattungskultur Rechnung tragen wie den Traditionen“, sagt Helbig, wohl wissend, dass sich zwischen diesen Polen ein weites Spannungsfeld befindet. Deshalb ist dem Dokument eine Art Präambel vorangestellt. „Der kirchliche Friedhof ist der Ort, an dem die christliche Gemeinde ihre Verstorbenen würdig bestattet“, heißt es darin. Auch jene, die nicht der Landeskirche angehörten, könnten hier ihre letzte Ruhestätte finden. An der Gestaltung eines Friedhofes werde „sichtbar, wie der Verstorbenen in Liebe gedacht wird und bei ihrem Gedächtnis der christliche Glaube mit der gemeinsamen christlichen Auferstehungshoffnung lebendig“ sei. „Die Gestaltung und Pflege erfordern besondere Sorgfalt, damit die persönliche Würde der Toten wie der Lebenden gewahrt wird und die Bestattungskultur in der Gesellschaft erhalten bleibt.“

Anonyme Bestattungen in Gemeinschaftsgrab-Anlagen oder in Friedwäldern hält Markus Helbig für eine zumindest zweifelhafte Form. Die Realität zeige doch, dass viele Angehörige einen gekennzeichneten Ort des Abschiednehmens, der Trauer, der Zwiesprache brauchten, meint er mit Verweis auf Blumenschalen und Gestecke auf dem grünen Rasen von Gemeinschaftsgräbern – florale Fingerzeige, die dort formal ausgeschlossen seien.

„Der Mensch hat einen Namen verdient“, sagt er, auch wenn der nicht auf einem traditionellen großen Stein geschrieben sein müsse. Auf den Friedhöfen in Geithain werde – einem Trend entgegen kommend – künftig eine Bestattung nahe der eine Allee bildenden großen Linden möglich sein. In Syhra gebe es dafür eine baumbestandene Fläche, erklärt Helbig.

„Wir favorisieren aber die klassische Bestattung in einem Einzel- oder Doppelgrab. Deshalb haben wir die Gebühren dafür etwas gesenkt“, sagt Markus Helbig. Wenn Angehörige es – etwa aufgrund ihres Alters – später nicht mehr schafften, so ein Grab in Ordnung zu halten, könnten sie einen Dienstleister beauftragen. Oder das Kirchspiel bitten, dieses Grab mit Bodendeckern zu bepflanzen – „wie ein grünes Grab. Und damit würden dann wir zuständig.“

Andererseits habe sich das Kirchspiel genötigt gesehen, nach zwei Jahrzehnten konstanter Gebühren zum Beispiel jene für Urnenbestattungen in Gemeinschaftsanlagen anzupassen. Es gelte der Grundsatz: „Wir wollen auch neue Gepflogenheiten mit der tradierten Trauerarbeit verbinden. Wir gehen davon aus, dass das für die meisten Menschen wichtig ist“, erklärt der Pfarrer.

Zudem fand ein weiterer Aspekt Eingang in die neue Friedhofsordnung: der ökologische. „Wenn man darüber nachdenkt, wie viele Stoffe bei manchem Grabschmuck miteinander vermischt werden: Das ist doch Wahnsinn“, sagt Markus Helbig. Es sei an der Zeit, Umweltfragen auch bei der Bestattungs- und Trauerkultur nicht auszublenden.

Von Ekkehard Schulreich

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