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Geithain Lindigtmühle braucht neues Wasserrad – nun kann Verein Fördergeld beantragen
Region Geithain Lindigtmühle braucht neues Wasserrad – nun kann Verein Fördergeld beantragen
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18:12 21.03.2017
Blick auf das Ensemble der Lindigtmühle. Der gleichnamige Verein hat einen Erbbaupacht-Vertrag über 60 Jahre mit Kohren-Sahlis abgeschlossen. Quelle: Jens Paul Taubert
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Kohren-Sahlis/Linda

Die Lindigt­mühle, die mit dem benachbarten Lindenvorwerk seit mehreren hundert Jahren ein reizvolles Ensemble bildet, braucht ein neues Wasserrad. Das bisherige ist verschlissen und muss durch ein aus Esche neu zu fertigendes ersetzt werden. Das plant der Verein Lindigtmühle, der sich seit seiner Gründung 1994 um den Erhalt dieses technischen Denkmals kümmert. Und ebenso darum, dass die Mühle längst zu einem beliebten Ausflugs- und Veranstaltungsort geworden ist. Voraussetzung, um Fördermittel beantragen zu können, ist der Abschluss eines Erbbaupachtvertrages zwischen der Stadt Kohren-Sahlis und dem Verein. Dem stimmte der Stadtrat kürzlich einhellig zu und machte damit den Weg frei, denn, so Wolf-Peter Hetzer, Schatzmeister und Lindenvorwerks-Wirt: „Allein aus eigener Kraft könnten wir das gar nicht schaffen.“

Dabei ist höchst beachtlich, was die aktuell 18 Mitglieder des Vereins – zu Beginn 1994 waren es lediglich acht Enthusiasten aus Kohren-Sahlis, Linda und Jahnshain – in den letzten knappen zweieinhalb Jahrzehnten zu Werke brachten: Die Mühle, die sich Anfang der neunziger Jahre in einem sehr schlechten Bauzustand befand, wurde Stück für Stück restauriert. Unzählige Arbeitsstunden wurden geleistet. Der damalige Jahnshainer Bürgermeister Dr. Frank Vogel kümmerte sich um die Bereitstellung von Fördermitteln. Ortsansässige Unternehmen wurden eingebunden. Die Mühlenbaufirma Schumann aus Mulda im Erzgebirge setzte die Mühlentechnik in Stand. Um die Jahrtausendwende war die Mühle wieder voll funktionsfähig. Seitdem 2000 sie ein Museum, das der Verein betreut und das von Anfang April bis Ende Oktober Jahr für Jahr eine Menge Besucher anzieht. Es gibt Führungen und zu besonderen Anlässen das Mühlenbrot, das im historischen Ofen der Mühle bäckt. Für Schüler wurden spezielle Programme entwickelt, eines heißt „Vom Korn zum Brot“. Beliebt sind die Kabarett-Abende im Mühlenhof. Höhepunkte sind die Veranstaltung zum Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag, verbunden mit dem Kunstmarkt. Das Fischerfest am letzten Sonntag im Oktober beschließt traditionell die Saison. Den Winter über bleibt das Museum geschlossen.

Außerhalb von ihr führt Wolf-Peter Hetzer gern Interessenten durch das Bau- und Kulturdenkmal - zu dem er eine ganz besondere Verbindung hat: Seine Großeltern Gertrud und Martin Zöllner hatten von 1920 bis 1960 Mühle und Gaststätte gepachtet, bewirtschaften auch das zum Vorwerk gehörende Land. „Ich bin hier geboren und groß geworden“, sagt der 68-Jährige. Ab 1960 betrieb der Konsum die Gaststätte. Der Enkel, der hier 1972 als Kellner begann und fünf Jahre als Gaststättenleiter eingesetzt war, pachtete das Ausflugslokal nach der Wende von der Treuhand, kaufte es schließlich, baute es um und aus und gab ihm sein familiäres Flair zurück.

„Die Lindigtmühle gehörte wie das Lindenvorwerk über Jahrhunderte zum Rittergut Sahlis, und beides gehörte zusammen“, sagt Hetzer. Das habe sich erst mit der Bodenreform 1945 geändert, als die Mühle der Gemeinde Jahnshain zugeordnet wurde. Seit 1960 ruhte der Mühlenbetrieb. Der Versuch Mitte der siebziger Jahre, sie zu einem Museum zu machen, erwies sich „als Strohfeuer, das nach zwei Sommern endete“. Anders als das Engagement des Mühlenvereins, der auch nach dem Jahr 2000 immer wieder aus eigener Tasche in die Instandhaltung investierte: mit einem neuen Anstrich, mit einem neuen Zulauf vom Teich her: „Das Wasserrad samt Rinne auf dieselbe Weise zu erneuern, überstiege aber unsere Möglichkeiten.“

Für die Dauer von 60 Jahren ist der Verein Lindigtmühle deshalb jetzt Erbbaupacht-Nehmer. Und damit in der Pflicht, in den nächsten sechs Jahrzehnten alle anfallenden Kosten selbst zu erwirtschaften. Das soll vor allem durch Veranstaltungen und Führungen gelingen. Geöffnet ist die Mühle von April bis einschließlich Oktober sonnabends von 13 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Von Ekkehard Schulreich

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