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Mädchenjahr in Kohren-Sahlis ist für Brigitte Winter Schlüssel zu ihrem Leben

Buchvorstellung Mädchenjahr in Kohren-Sahlis ist für Brigitte Winter Schlüssel zu ihrem Leben

Auf Malawi, ein Land in Afrika, konzentriert Brigitte Winter ihre Kräfte und die ihres Vereins Malawihilfe. Ihr Herz allerdings hängt auch an Kohren-Sahlis, dem Ort glücklicher Kindheit. In einem Buch berichtet sie über beides – und reiste jetzt ins Kohrener Land, um daraus zu lesen und um über ihr an Umbrüchen reichen Leben zu erzählen.

Dieses Foto entstand zur goldenen Hochzeit der Großeltern Frieda und Max Fröbel. Brigitte Winter steht ganz rechts.

Quelle: privat

Kohren-Sahlis. Zwei Landstriche, die widersetzlicher kaum zu denken sind, haben Brigitte Winter geprägt: das Kohrener Land und – Malawi, im Südosten Afrikas liegend und eines der ärmsten Länder der Erde. Gerade acht, neun Jahre war sie, als sie für ein Jahr zu den Großeltern nach Kohren-Sahlis geschickt wurde, um in Idylle und sauberer Luft zu gesunden. Die Lebensjahrzehnte, die folgten, waren voller Umbrüche – der Gang mit der Mutter in den Westen, der Verlust des Vaters, die Pflege des Mannes, ein Schlaganfall-, aber auch voller Hoffnung für sie, für andere. Eine davon heißt Malawihilfe, ein Verein, deren Initiatorin sie ist. Mit der Wahlheimat ihrer Kindheit verbinden die 69-Jährige bis heute vor allem familiäre Kontakte. Mit ihrem Buch „Und immer wieder Wunder“ nahm sie diesen Faden wieder auf. In der Evangelischen Heimvolkshochschule las sie jetzt daraus. Sie stieß auf ein aufgeschlossenes Publikum.

Als Brigitte Winter, da war sie Ende zwanzig, ihre Großmutter Frieda in Kohren-Sahlis besuchte – Großvater Max Fröbel war bereits gestorben-, querte sie eine Grenze, die nur für sie durchlässig war. Die Jungunternehmerin, die mit einer Chemischen Reinigung im Hessischen Fuß zu fassen suchte, traf ihre Jugendliebe wieder. Ihre Zeit, da sie die Kohrener Schule besuchte, stand ihr wieder vor Augen. Der Versuch, das Schwärmerische von damals in eine lebbare Beziehung in der Bundesrepublik zu übersetzen, scheiterte am Grenzregime; die Versuche klingen wie ein Krimi. Was Winter findet in dieser Not, ist ein Halt, der sie künftig auch aus schwierigsten Situationen holt: der Glaube, Vorsehung. Und die Zuversicht, selbst etwas zu können, tun zu müssen für andere Menschen. „Die Entstehung meines Buches ist stark mit Kohren verknüpft“, sagt die Frau, die heute in der Nähe von Gelnhausen heimisch ist. Es zu schreiben, war ein Prozess, der sich über Jahre hinzog. Die Wiederbegegnung mit ihrer Jugendliebe betrachtet sie in der Rückschau als einen wichtigen Lebensimpuls.

„Ich bin kein Großstadtmensch. Deshalb war für mich Kohren-Sahlis lange der Inbegriff von Heimat“, sagt sie. Das Städtchen, in dem der Opa – Nachfahre des Pädagogen Friedrich Fröbel – zusammen mit Sohn Otto eine Bauschlosserei betrieb. Ein Haus aus Fachwerk, das einst das „Gasthaus zur Linde“ beherbergte, ein Rückzugsort, ein Ort des Durchatmens, der Bestärkung. So empfand sie es später, als sie im Westen war, wenn sie Verwandtschaft besuchte. Zu ihrer Cousine Gisela Herget hält sie bis heute engen Kontakt, pflegte sie, als sie schwer erkrankte. Als sie jetzt Kohren besuchte, fand sie bei Gisela, die inzwischen in Frohburg lebt, Unterkommen.

Ein wesentlicher Teil des mehr als 300 Seiten starken Buches widmet Brigitte Winter der Hilfe für Menschen in Malawi. Dass sie sich hier engagieren sollte, träumte ihr in der Heiligen Nacht 2001, ein Ereignis von vielen Bruchstellen ihres Lebens. Sie nahm den Hinweis auf, fand gleichgesinnte Menschen, gründete den Verein, knüpfte Kontakte und reiste schließlich selbst in das afrikanische Land. Seither füllten viele Helfer etliche Container mit Hilfsfracht, wurde das Bohren von 38 Tiefbrunnen ermöglicht, um sauberes Wasser zu beschaffen; eine zweite Schule befindet sich zurzeit im Bau. Der Verein wird gefördert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, kooperiert mit Stiftungen und anderen Hilfsorganisationen. Dass, was aus einer bloßen Idee entstand, solche Kreise zieht, die größte Not vieler Menschen lindert, Brigitte Winter kann nicht umhin, von einem Wunder zu sprechen: „Wenn ich das so im Nachhinein betrachte, kann ich nur sagen: Es sollte so sein. Gott hat mir diese Möglichkeit aufgetan.“

Mit ihrem Buch nach Kohren-Sahlis zurückzukehren, sich in die Seele blicken und beim Wort nehmen zu lassen, für Winter war es eine Reise, die – anders als jene Fernreisen, von denen sie auch in ihrem Buch berichtet – an Innerstes rührte, keinesfalls das, was man gemeinhin ein Heimspiel nennt. „Hier zu erzählen, zu lesen, das ist etwas Besonderes für mich.“ Hier, wo zwar nicht alles begann, wo aber Weichen gestellt wurden. Trotz Regens war die Veranstaltung gut besucht. Drei Dutzend Zuhörer lauschten den Erzählungen der Autorin. Zwei Frauen backten nach einem im Buch enthaltenen Rezept afrikanischen Kuchen, der in der Pause gefragt war. Brigitte Winters großer Wunsch: „Dass ich im Herbst nächsten Jahres noch einmal selbst nach Malawi komme.“ Zu Menschen, die ihr ans Herz gewachsen sind, mit Menschen, die dieselben Ideale einen. Ein Ort, wo sie spürt, eines zu sein mit allem.

Brigitte Winters selbst editiertes Buch „Und immer wieder Wunder“ ist in der Töpferei Arnold in Kohren-Sahlis vorrätig, kann aber auch über den Buchhandel bezogen werden. Es kostet 9,99 Euro.

www.malawihilfe-gelnhausen.de

Von Ekkehard Schulreich

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