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Mäuseplage im Flößberger Wald – jetzt müssen Fallen her

Lärchen-Sterben Mäuseplage im Flößberger Wald – jetzt müssen Fallen her

Wenn man den Wald vor lauter Mäusen nicht sieht, ist es - zu spät. Dass es soweit nicht kommt, ist das Bestreben von Christoph Seifert. Der Förster hat sich professionelle Hilfe geholt, um den Wald südlich der Flößberger Neuland-Siedlung zu retten. Denn die Schermaus hat bereits die Hälfte der dortigen anderthalb Meter hohen Lärchen vernichtet.

Förster Christoph Seifert (li.) zeigt eine tote Eiche mit abgefressenen Wurzeln. Er hat Martin Matzick (r.) zu Hilfe geholt, um die Mäuse zu bekämpfen.

Quelle: Ekkehard Schulreich

Frohburg/Flößberg. Der Förster hat die anderthalb Hektar südlich der Flößberger Neuland-Siedlung, auf der junge Hybrid-Lärchen wachsen sollen, mit einem doppelten Zaun umgeben. Der innere, feinmaschig, reicht einen halben Meter in den Boden. Um jener Schermäuse, die bereits innerhalb des Areals sesshaft sind und die Lärchen Stämmchen um Stämmchen vernichten, habhaft zu werden, bedient sich Seifert professioneller Hilfe: der Firma Messestadt-Trapper Leipzig. Zwei Wochen brauche er, sagt Martin Matzick, um mit Fallen alle Schermäuse zu erledigen. Und den Wald, der in der Zukunft dem Staatsbetrieb Sachsenforst wertvolles Saatgut liefern soll, zu retten. Denn die Hälfte der anderthalb Meter hohen Lärchen ist bereits vernichtet.

"Unsere Erstaufforstungen gehen komplett zugrunde, wenn wir nichts machen", sagt Christoph Seifert. Die beiden zurückliegenden Winter, mild und trocken, hätten zu einer immensen Ausbreitung von Mäusen geführt: der Schermäuse, einer Wühlmausart, unter der Erde, aber auch von Rötel-, Erd- und Feldmaus, die die jungen Bäume am Boden oder knapp darunter angriffen. Letztere träten massiver auf, seien aber leichter zu bekämpfen. An Schermäuse aber komme man nur schwer heran. Wenn sich Ende November Forst-Experten der Landesforstverwaltungen aus ganz Deutschland im Forstbezirk Leipzig treffen, um über Wege einer effizienten Mäusebekämpfung zu sprechen, dann sehen sie sich auch in Seiferts Revier um. Leipzig-Süd heißt das, umfasst 1400 Hektar, erstreckt sich vom Fürstenholz bei Flößberg und den Haselbacher Kippen bis zum Oberholz bei Großpösna und die Leipziger Stadtgrenze.

Hybrid-Lärchen - eine Kreuzung aus Japanischer und Europäischer Lärche, die schnelles und akurates Wachstum vereinigen soll - hat Seifert im vergangenen Jahr nahe der Neulandsiedlung gepflanzt. Die Fläche grenzt unmittelbar an Wiesen. Ein Leichtes für Schermäuse, immer wieder nachzuwandern. Das Maschengitter, das das jetzt verhindern soll, ist ein Novum, von dem er sich - verbunden mit dem restlosen Fang aller Tiere innerhalb des Areals - viel verspricht: "Die Hälfte der jungen Bäume sind bereits verloren."

"Wir versuchen, auf ein Bausystem vier Fallen zu setzen", erläutert Matzick, der das Unternehmen gemeinsam mit Thomas Schröder (City-Trapper Dresden) betreibt, das Vorgehen. Ein System erstrecke sich auf 40 Quadratmetern. Heißt: Aller fünf Schritte wird auf der Gesamtfläche eine Falle gesetzt. 390 Tiere habe man hier 2014 - damals noch ohne den Zaun - gefangen: "Es hat wirklich etwas gebracht." Nun soll es nachhaltig sein. Immerhin gibt es bei Schermäusen vier Würfe a zwei bis sieben Jungtiere im Jahr, frisst jedes Tier 130 Gramm Wurzelmasse am Tag.

"Das Problem potenziert sich im Laufe des Sommers", sagt der Revierförster. Die überirdischen Mäuse - Rötel-, Erd- und Feldmaus - hätten mit Greifen, Mauswiesel und Fuchs zwar natürliche Feinde, doch die kämen schnell an ihre Grenzen. Seifert kommt deshalb nicht umhin, auch gegen diese Arten aktiv zu werden - etwa im Schildholz, das südlich der B 176 zwischen Flößberg und Bad Lausick liegt. Hier kommen Giftköder zum Einsatz. "Vorher machen wir Probefänge, um uns davon zu überzeugen, dass wirklich eine Überpopulation vorhanden ist", sagt er. Diese Probefänge beginnen jetzt Anfang November.

Die sieben Hektar große Schildholz-Parzelle wurde 2012/14 mit Laubbäumen aufgeforstet. Auf 30 Hektar Erstaufforstungen und 20 Hektar übrigen Wald konzentrieren sich Seifert zufolge die Mäuse-Probleme. In seinem Südraum-Revier gibt es zahlreiche Areale, auf denen Waldmehrung in der sonst eher waldarmen Region betrieben wird - nicht zuletzt dank zahlreicher Ausgleichsmaßnahmen für den Bau der Autobahn 72 und anderer Verkehrswege.

"Mäuse im Forst" heißt der Arbeitskreis, zu dem sich Forstexperten aus ganz Deutschland am 25. und 26. November in Bad Lausick treffen. Gastgeber ist der Staatsbetrieb Sachsenforst, Tagungsort der Etzoldshainer "Kastanienhof". Zum Programm gehören Exkursionen in den Südraum, um sich vor Ort ein Bild zu machen von den Schäden, die Mäuse vor allem an Erstaufforstungen verursachen, und vor allem um sich um effektive Möglichkeiten der Bekämpfung zu informieren.

Ekkehard Schulreich

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