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Markierungen an Bäumen im Colditzer Forst: Was bedeuten gelbe Striche und rote Kreuze?

Forstwirtschaft Markierungen an Bäumen im Colditzer Forst: Was bedeuten gelbe Striche und rote Kreuze?

Spaziergänger haben es schon oft gesehen: Auf Bäume gesprayte Striche und Symbole. Keine Kunst am Baum sondern ein ausgeklügeltes Hinweissystem für die forstwirtschaftliche Waldpflege.

Keine Kunst am Baum: Mit zwei Ringen markiert Revierförster einen Zukunftsbaum zweiter Ordnung. Der soll – der Name sagt es – den Wald von morgen und übermorgen prägen. Was durchkreuzt ist, muss dagegen raus.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick. Graffiti zu nennen, was Sachsenforst-Revierförster Falkhard Dau in seinem Teil des Colditzer Forstes auf die Stämme bringt, trifft es nicht ganz. Kunst am Baum im Sinne von Kunst am Bau ist ein ebenso verlockendes Wortspiel, doch geht auch das haarscharf am Kern vorbei. Denn: Die Auszeichnung, die Dau im Wald vornimmt, hat einen ernsthaften Grund. Und sie folgt einem Schema, das sich in den Revierkarten niederschlägt. Für Jahre und Jahrzehnte sollen die Markierungen weniger ihm selbst als vielmehr den Maschinenführern, die sich um Durchforstung und Holzernte kümmern, als eindeutige Orientierung dienen. Angesprochen fühlen sich von der Buntheit der Signaturen aber auch Spaziergänger und Pilzsammler – und wollen es dann vom Förster, wenn sie ihn treffen, genau wissen. Etwa auf den Bielbergen, der höchsten Erhebung im Revier, wo sich die Markierungen wie ein Buch darbieten, das für Außenstehende eines mit sieben Siegeln sein muss.

„Jeder Förster entwickelt da seine eigene Handschrift“, sagt Dau. Entscheidend sei, dauerhaft die sogenannten Rückegassen zu markieren. Jene Wege, die die Erntemaschinen im Zuge der in der Regel aller zehn Jahre anstehenden Durchforstung nehmen dürfen, die aber auch beim Holzeinschlag unverzichtbar seien. Im Abstand von 40 Metern ziehen sie sich durch das gesamte Revier, an den Stämmen sichtbar gemacht mit gelben Strichen. Bäume, die zur Fällung vorgesehen sind, erhalten rote Kreuze. Im Gegensatz zu den Zukunftsbäumen, die den Wald noch in 100 oder 150 Jahren prägen sollen: Ein gelber Ring umschließt in Blickhöhe ihren Stamm, um zu signalisieren: „Die bleiben auf alle Fälle stehen, und sie dürfen auch nicht beschädigt werden.“ Ein zweifacher Ring weist auf einen Baum hin, der zwar nicht von derselben Güte ist, aber dennoch eine Zukunft haben soll, weil er wichtig für eine Durchmischung ist – eine einzelne Lärche etwa, die unter dem Schirm großer Kiefern steht.

Ein großes H im Kreis sei mitnichten, wie ein Wanderer frohlockte, der Hinweis auf die Haltestelle eines Kremsers, sondern auf einen schützenswerten Lebensraum – auf ein Habitat. Das könne eine Bruthöhle sein, ein Horst in der Krone, ein Ameisenhaufen im Wurzelbereich, so Dau. AS stehe für Artenschutz, für Bäume, die bleiben sollten, etwa weil sie wie im Falle der Zitterpappel unverzichtbar seien für geschützte Falter-Arten. Polterplätze verwiesen auf Flächen, auf denen das geschnittene Holz für die Abfuhr bereit gelegt werde. Das kryptische Kürzel ips t. ist statt dessen ein lateinischer Fingerzeig auf den Buchdrucker, einen Borkenkäfer, der den Fichtenbestand zusetzt und der dazu führt, dass stellenweise eine ganze Zahl großer Bäume gefällt werden muss. Dann entsteht, was der Förster Käferlöcher nennt. Freiräume, die durch widerstandsfähigeren Laubmischwald bestückt werden sollen.

Von Ekkehard Schulreich

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