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Markt der Meinungen und Möglichkeiten: Kirchspiel lädt in Geithains Gute Stube ein

Stadtfest Markt der Meinungen und Möglichkeiten: Kirchspiel lädt in Geithains Gute Stube ein

Echt sein und erkennbar: Was das Kirchspiel Geithainer Land ab 20. August auf dem Geithainer Markt gestaltet, soll mehr sein als Party. Das Fest soll Menschen zueinander bringen, will ein gemeinsames Nachdenken anregen über Werte, Glaube, die Rolle des Einzelnen – über das, was eine Gesellschaft beieinander hält.

Geithain feiert ab dem Wochenende sein Stadtfest.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Am Sonnabend beginnt ein zweiwöchiges Stadtfest in Geithain – doch ohne Autoscooter und Berg-und-Tal-Bahn, ohne Schießstand und Losbude. Stattdessen: gemeinsames Singen und ein Bläserfest, Kunst und Bibellektüre – und vor allem Raum und Zeit für Begegnungen. Das Kirchspiel Geithainer Land versucht damit eine Neuauflage des großen Festes von 2009. Eines Festes, das sich ausdrücklich als ein Angebot an alle offenen, an Austausch interessierten Menschen versteht. Auch jenen, die im Alltag mit Kirche wenig am Hut haben. Über Intentionen, Erwartungen und Höhepunkte sprach die LVZ mit Markus Helbig, neben Johannes Möller Pfarrer im Kirchspiel.

Zwei Wochen Party in Geithains guter Stube: Wie kommt das Kirchspiel dazu?

Weil es passt. Der Markt ist seit jeher ein Platz, um Waren, Dienstleistungen, Meinungen auszutauschen. Ich betrachte es sogar als die Pflicht eines Vereins, einer Institution, von Zeit zu Zeit den öffentlichen Raum zu suchen und zu bespielen und sich nicht allein auf das stille Kämmerlein zu beschränken.

„Echt & ewig“ lautet das Motto. Worauf zielt es ab?

Echtheit ist etwas, was verloren zu gehen droht. Fassaden sind heute wichtiger als die Substanz. Das möchten wir in Frage, zum Disput stellen. Wir möchten als Kirche echt erkennbar sein. Zum anderen leben wir in einer Gesellschaft, in der Zeit knapp ist. Das betrifft viele Lebensbereiche. Früher wurde für die Ewigkeit gebaut. Heute gilt: Was lange hält, bringt kein Geld. Eine Stadt wie Geithain war über Jahrhunderte, trotz aller Brüche, unumstritten Stadt. Selbst das scheint inzwischen nicht mehr so sicher. Über all das lohnt es zu reden.

Wer sich kirchenfern nennt, muss der fürchten, missioniert zu werden?

Ich werde mit dem, was ich glaube, nicht hinter dem Berg halten. Um vordergründige Missionierung geht es nicht. Ich denke, Kirche hat eine ganze Menge zu sagen. Es braucht den Diskurs, um diese Substanz wirksam werden zu lassen. Nicht nur um Glaube geht es, sondern um Werte, um Kultur.

Gewinnt Religiosität an Bedeutung angesichts von Globalisierung und Entfremdung?

Ich habe eher einen gegenteiligen Eindruck: Zeitgeist steht für Konsum, Zügellosigkeit, Entwertung, doch Kirche mit ihrem Angebot als eine Gegenkraft profitiert davon nicht.

Ein großes Zelt und eine Bühne vor dem Rathaus, ein Sandplatz für Streetsoccer und beinahe rund um die Uhr Menschen, die ansprechbar sind: Wie finanziert das Kirchspiel so ein Fest?

Aus eigener Kraft und dank der Unterstützung vieler. Seit 2009 haben wir Jahr für Jahr Geld dafür zurückgelegt. Nachbarkirchgemeinden helfen uns, Geithainer Vereine. Die Stadt unterstützt organisatorisch. Steuermittel nutzen wir nicht.

Welches sind Höhepunkte?

Eine Auswahl zu treffen, fällt nicht leicht. Gewiss zählt der Auftakt am 20. August dazu, wenn uns Landesbischof Carsten Rentzing besucht und unser Posaunenchor sein 60-Jähriges feiert. Einige Tage sind thematisch ausgerichtet: Da geht es um den Wald, das Holz und um die Frage: Aus welchem Holz sind wir geschnitzt? Da werden Handwerk, Denkmal und Kirchenbau beleuchtet, geht es um Pflege und Begleitung auf dem letzten Stück des Lebensweges.

Worauf freuen Sie sich selbst besonders?

Auf die Aktion „Kunst und Krempel“, wo Experten Gegenstände taxieren, die die Besucher mitbringen. Das Entscheidende für mich aber ist, dass wir uns gemeinsam finden in diesen Tagen, dass es ein lebendiges Miteinander wird.

Programmdetails und Informationen unter www.stadtfest.kirche-geithain.de

Von Ekkehard Schulreich

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