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Geithain Martin Voigt erzählt Ossaer Mühlengeschichten
Region Geithain Martin Voigt erzählt Ossaer Mühlengeschichten
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00:33 23.03.2018
Martin Voigt mit seine neuen Buch, das sich mit der Geschichte der Ossaer Mühlen befasst. Quelle: Jens Paul Taubert
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Geithain/Ossa

Beyrichs besaßen die Hegemühle bei Ossa. Ein Beyrich war Dorfältester, ein anderer Spritzenmeister. Als Chronist Martin Voigt im Vorfeld der 775-Jahr-Feier von Ossa in die Geschichte abtauchte, begegnete ihm dieser Name mehrfach.

Jetzt, Jahre später, nahm er diesen Faden wieder auf. Seine Recherchen führten ihr zur Geschichte der drei Ossaer Wassermühlen. Dass der 82-Jährige in seine Publikation, die er jetzt vorlegte, auch die Geithainer Windmühle am Ossaer Weg aufnahm, ist den Verflechtungen der Müller geschuldet.

Mit dem Buch „Drei Mühlen mit Tradition“ ergänzt er die Chronik von 2012. An ihr hatte er mitgewirkt und damit die vom jüngst gestorbenen Rathendorfer Heimatgeschichtler Manfred Hausotter vorgelegte Dokumentation zum Ort, zum Rittergut Ossa und zur Familie Bastineller um ein aufschlussreiches Kapitel ergänzt.

100 Jahre alte Postkarte auf dem Titel

Historische Holzmühle Quelle: Leipziger Volkszeitung, Borna-Geithain

Der Titel des neuen Buches zeigt eine historischen Ansicht der Holzmühle, Ausschnitt aus einer 100 Jahre alten Postkarte. Rechts am Rand zwei spielende Kinder. „Ich habe rausgefunden, wer die Kerle sind. Das weiß ja kein Mensch mehr“, sagt Martin Voigt und freut sich über diesen Erfolg.

Handgeschriebene Unterlagen und Kirchenbücher gewälzt

Geschichte und Geschichten in ihren Verästelungen nachzuspüren, bereitet dem Bruchheimer Genuss. „Man kann sich richtig reinversetzen in die Zeit“, sagt er und meint die Lektüre handgeschriebener Unterlagen, die er in Archiven aufstöbert, und säuberlich verfasster Kirchenbuch-Einträge. Dokumentiert hat er zum Beispiel den „Kaufaufsatz“ des Adelich Bastinellerschen Gerichtes von 1846. Der, verwahrt im Gerichtsbuch Geithain, belegt den Eigentümerwechsel der Holzmühle auf Johann August Beyrich, ein detailliertes Inventarverzeichnis inklusive. Eigentlich, sagt Voigt, habe er ja nur wissen wollen, was es mit den beiläufig genannten Beyrichs auf sich habe. Letztlich wurde daraus eine vier Jahre währende intensive Beschäftigung mit einer ihm vertrauten und doch so viel Neues bietenden Materie.

Verbindung zur Geithainer Windmühle

Die Hegemühle, auch Holzmühle genannt, an einen idyllischen Teich im Hegeholz liegend, war ursprünglich eine Getreidemühle. „Sie war wie die Dorfmühle, zu der ein Sägegatter gehört, immer in Privatbesitz“, sagt Voigt. Die Dammmühle am gleichnamigen Teich war Teil des Rittergutes. Von 1846 an waren die Beyrichs 72 Jahre lang auf den Mühlen in Ossa tätig.

Der Erste war Johann August Beyrich auf der Hegemühle. Bis 1895 sind in mehreren Generationen 44 Geburten von Beyrichs nachgewiesen. Mit Franz Erich Beyrich, der als Soldat 1916 im Ersten Weltkrieg starb und der die Dorfmühle bewirtschaftete, brach diese Dynastie ab. Die Verbindung zur Geithainer Windmühle konnte Martin Voigt über Gotthelf Leberecht Pönitz herstellen, Pächter der Dammmühle. Dessen Sohn Gustav heiratete 1868 die verwitwete Windmüllerin Rosina Höhle.

Geschichte ist für Voigt Heimatverbundenheit

Die Geschichte seines Dorfes, seiner Familie zu kennen – für Martin Voigt ist das Ausdruck von Heimatverbundenheit und Bodenständigkeit. Deshalb vertieft sich der Mann gern in die Vergangenheit – und er lässt an seinen Erkundungen andere teilnehmen. Seine Vorfahren übernahmen 1879 den Hof in Bruchheim, in dem er heute noch mit seiner Frau lebt.

In der Landwirtschaft groß geworden, machte er im Volkseigenen Gut Elbisbach seinen Meister, wurde Agraringenieur, leitete zuletzt die Schweinezucht in Niedergräfenhain. Nebenbei waren es immer wieder heimatgeschichtliche Zusammenhänge, die ihn reizten. Seit er Rentner ist, hat er die Zeit, sich darin zu vertiefen.

Ossaer Kirche und ein Wegstein

Auf der LVZ-Heimatgeschichtsseite schilderte Voigt zum Beispiel die tragische Geschichte eins US-amerikanischen Aufklärers, der am allerersten Friedenstag 1945 nahe Bruchheim mit seiner Maschine abstürzte. Er engagiert sich für das kleine Ossaer Museum in der Kirche, setzte sich für die Restaurierung eines historischen Wegsteines ein.

Und er wird immer wieder eingeladen, um anhand seiner Bücher und Recherchen Vorträge zu halten. Das Mühlen-Buch, im S. Sell Heimat-Verlag Altenburg erschienen, hat bereits mehrere Dutzend Interessenten gefunden. Einige Exemplare hat er noch vorrätig.

Von Ekkehard Schulreich

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