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Mechthild Mansel stellt in der Geithainer Stadtbibliothek aus

Bilderschau Mechthild Mansel stellt in der Geithainer Stadtbibliothek aus

„Farbe – Klang – Variationen“ heißt die neue Bilderschau in der Geithainer Stadtbibliothek. Mechthild Mansel, gebürtige Dresdnerin, setzt auf Schwingungen, die Seelenzustände beschreiben, die nachhallen. Bilder, denen man nachlauschen muss. Die Ausstellung lässt Zeit für ein zweites, ein drittes Schauen, denn sie ist bis in den September hinein zu sehen.

Mechthild Mansel stellt in der Geithainer Stadtbibliothek aus.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Landschaftsarchitektin (und Feinmechanikerin) ist Mechthild Mansel von Beruf. Wer erwartet, die Malerin würde angesichts dessen in der Geithainer Stadtbibliothek pittoreske Landschaften ausstellen, Stadtgetriebe, idyllische Szenerien, irrt – ohne deshalb enttäuscht zu werden. Landschaften sind es wohl, die die gebürtige Dresdnerin, Jahrgang 1959, mit kräftigen Farben und kraftvoller Bewegung umreißt: Seelenlandschaften. Raumgreifende Bilder, emotionale Konvolute, die sich einer Enträtselung auf den ersten Blick hin entziehen, die ein zweites, ein drittes Schauen einfordern.

Für das lässt die Geithainer Ausstellung Zeit, denn sie ist bis in den September hinein zu sehen. „Man kann auch mehrmals herkommen und merkt dann, dass das Betrachten durchaus Wirkung hinterlässt“, sagt Mansel. Hintergründige, verinnerlichte Wirkung, die fern von Fassade und plakativer Botschaft ist.

Dass man sich auf Mansels Bilder einlassen (wollen) muss, wurde deutlich bei jenem Gespräch mit der Künstlerin, das Bibliothekarin Ramona Kratz am Sonntagvormittag zur Vernissage mit ihr führte. „Farbe – Klang – Variationen“ heißt die Schau, ein Titel, der beliebig anmutet, doch das gut umfängt, was Mansel künstlerisch antreibt: mit dem Mittel Farbe Emotionen sicht- und hörbar machen, eine innere Zwiesprache anstoßen, Nachhall erzeugen. „Farbe ist Schwingung, wird aber – anders als Töne – durch das Auge aufgenommen. Und sie dringt vor bis ins Herz.“

Realistisch, nach der Natur zu zeichnen und zu malen, das habe sie während ihrer Studien an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und der Hochschule für Grafik und Buchkunst gelernt, sagt Mansel. Doch die Eins-zu-eins-Widerspiegelung leiste – anders als bei Caspar David Friedrich – heute die Fotografie: „Ich habe die Form, die Figur verlassen, weil ich sie nicht mehr brauche.“ Das ureigenst Menschliche, zerlegt in Farbakkorde, in grafische Strukturen.

Mansel nutzt die Metapher des Pianisten, um die sich eröffnenden Dimensionen zu beschreiben: Der spiele vom Blatt, was ein anderer in Noten gesetzt habe, interpretiere es und entwerfe damit etwas Neues, das seinerseits im Zuhörer auf andere, weil individuelle Art nachtönt. Dass sie, wenn sie malt, Musik hört, überrascht nicht; oft aber, sagt sie, verzichte sie inzwischen darauf, „weil es in mir selbst weiter klingt“. Ein schöpferischer Prozess, der sich verselbstständigt.

Mechthild Mansels Bilder erfordern Auseinandersetzung, die Arbeit ist. Zweifelsfreie Aussagen, die klare Ansagen sind, sind ihr Metier nicht. In Dresden und Bologna, in Leipzig und Vilnius war sie mit Personalausstellungen oder Beteiligungen präsent, in vielen anderen und kleineren Städten ebenfalls. Geithain entdeckte sie, als sie für die Volkshochschule Leipziger Land einen Malkurs anbot. Und sie erlebte die Ausstellung, die die Leipziger Malerin Gudrun Petersdorff im vergangenen Herbst in Geithain gestaltete. Die vermeintliche Provinz schätzt sie nicht gering; sie ist für sie alles andere als ein kunstleerer Raum. Und ihre Art zu malen keine Dekoration, die Mustern folgt: „Ich lasse Bilder liegen, überarbeite, übermale sie. Und ich spüren, wenn sie fertig sind.“

Von Ekkehard Schulreich

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