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Mehr Plätze in Krippe, Kindergarten und Hort in Bad Lausick

Interview Mehr Plätze in Krippe, Kindergarten und Hort in Bad Lausick

Mit fünf Kindereinrichtungen ist die Volkssolidarität Leipziger Land/Muldental der Platzhirsch in Bad Lausick. Andererseits ist die Kurstadt ein wichtiger Standort für den Verein. Nach offenem Streit vor einem halben Jahrzehnt ist man längst zu wertschätzender Zusammenarbeit zurück gekehrt – und reagiert auf neue Anforderungen mit Weitsicht.

Demo im Mai 2012 in Bad Lausick für den Erhalt der Verträge der Stadt mit der Volkssolidarität als Träger der Kindereinrichtungen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick. Der Bad Lausicker Hort „Riff-Piraten“ startet mit erweiterter Kapazität in das neue Schuljahr. Die Stadt Bad Lausick und der Träger Volkssolidarität Leipziger Land/Muldental verzichten im selben Zug künftig in Steinbach und Ebersbach auf die Hortbetreuung und erhöhen dort statt dessen die Plätze in Krippe und Kindergarten. Rund 450 Heranwachsende betreut der Verein in fünf Einrichtungen in der Kurstadt. Über sich wandelnde pädagogische Herausforderungen, Unterstützung für Kinder aus schwierigen sozialen Lebenssituationen und Forderungen an die Landespolitik hinsichtlich der Personalstärken sprach die LVZ mit Geschäftsführer Lutz Stephan und mit Steffi Klingner, stellvertretende Bereichsleiterin Bildung.

Stefi Klingner

Stefi Klingner

Quelle: Ekkehard Schulreich
Lutz Stephan

Lutz Stephan

Quelle: Ekkehard Schulreich

In der Steinbacher Kindertagesstätte „Waldwichtel“ werden ab August keine Hortkinder mehr betreut, statt dessen gibt es mehr Krippenplätze. Warum diese Veränderungen?

Steffi Klingner: Der Bedarf vor allem an Krippen- und Kindergarten-Plätzen steigt. Deshalb konzentrieren wir die Hort-Betreuung jetzt in Bad Lausick. Das hat auch Vorteile für die Schulkinder, befinden sich doch Grundschule und Hort zwar räumlich getrennt, aber unter demselben Dach. Die Veränderungen erlauben es uns, die Platzzahl in Krippe und Kindergarten in Steinbach um sieben und Ebersbach um zwölf zu erhöhen.

Die Eltern tragen diese Veränderungen mit?

Wir sind darüber bereits seit dem vergangenen Herbst mit Eltern und Stadt im Gespräch. Wir erhöhen die Kapazität bei den „Riff-Piraten“ von 172 auf 220 Plätze. Auch Leiter Mike Schüssler und sein Team sehen diese Entwicklung positiv, zumal die Kooperation von Schule und Hort hervorragend funktioniert.

Wenn Bad Lausick den Plattenbau des einstigen Gymnasiums, den sich Hort und Grundschule teilen, jetzt abschnittsweise saniert, kommt ja auf alle einiges zu...

Lutz Stephan: Alle sind in diese Pläne involviert. Sie sind eine schöne Vision, schaffen Zukunftssicherheit. Wir freuen uns darauf. Eine Zusammenarbeit wie im Lehrbuch. Ganz anders als vor einem halben Jahrzehnt, als es zwischen der Stadt und uns erhebliche Spannungen gab.

Der Stadtrat zeigte sich damals entschlossen, für die fünf Einrichtungen der Volkssolidarität einen neuen Betreiber zu suchen. Weil die Eltern massiv protestierten, suchte und fand man Möglichkeiten für einen Neubeginn...

Für einen ehrlichen und gemeinsamen Neubeginn. Die Reaktion der Eltern zeigte uns, dass sie mit der Qualität unserer Angebote zufrieden waren. Ich bin froh, dass es gelungen ist, zu einer auf gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen gegründeten Arbeit mit der Kommune zurückzufinden.

Wie ist die Auslastung der Bad Lausicker Einrichtungen?

Steffi Klingner: Die „Sonnenkäfer“ sind ausgelastet. In der „Phantasie am Schwanenteich“ gibt es einige offene Kindergarten-Plätze, bei den „Waldwichteln“ und den Ebersbacher „Buntspechten“ sind wenige Krippenplätze zu haben. Die „Riff-Piraten“ sind mit 13 offenen Plätzen auf Zuwachs ausgelegt.

Die Zahl Alleinerziehender wächst. Der Zuzug von Flüchtlingen und Arbeitsverhältnisse, die allein nicht den Lebensunterhalt sichern können, verändern das soziale Gefüge. Was hat das für Konsequenzen für das pädagogische Handeln?

Lutz Stephan: Das Projekt „Kinder stärken“, das wir seit Monaten am Schwanenteich praktizieren, wendet sich gerade an solche Familien, die unter schwierigen Bedingungen leben. Es ist ein wunderbares Projekt und wird angenommen. Davon konnte ich mich selbst gemeinsam mit dem Bad Lausicker Bürgermeister Michael Hultsch überzeugen. Möglich wird das durch zwei zusätzliche Fachkräfte und durch ein einfühlsames Miteinander. Allerdings stehen diese zusätzlichen Fachkräfte nur in jeder 20. Einrichtung in Sachsen zur Verfügung, womit wir bei einem grundsätzlichen Mangel sind: Der Landespolitik ist es seit vielen Jahren nicht gelungen, die Rahmenbedingungen frühkindlicher Bildung maßgeblich zu verbessern. Das ist ein erheblicher Widerspruch bei der Umsetzung des Sächsischen Bildungsplanes und ein Armutszeugnis für Sachsen. Darunter leiden nicht nur die Kinder und die Eltern, sondern auch unsere Fachkräfte. Der sächsische Personalschlüssel enthält null Stunden für Vor- und Nachbereitung, für Elternarbeit, für Weiterbildung, Urlaub oder Krankheit. Die Fachkraft-Kind-Relation ist völlig unbefriedigend. Dass das alle Träger betrifft, macht die Sache nicht besser. Hier muss die Landespolitik zwingend mehr tun – weil unsere Kinder Zeit, viel mehr Zeit und Zuwendung brauchen!

Die Bildung und Erziehung der Heranwachsenden ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wen haben Sie als Partner an Ihrer Seite?

Steffi Klingner: Stadt, Grundschule, Eltern sind schon genannt. Wichtig ist es, enge Netzwerke zu knüpfen weit in die Region hinein, zu den Behörden, zu Vereinen, zur Wirtschaft. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Dass unsere Mitarbeiter motiviert sind, zeigt nicht zuletzt die Bildungsreise nach Schweden, an der Erzieherinnen unter anderem aus dem Schwanenteich teilnahmen. Sie erlebten in der Praxis, wie in schwedischen Kindereinrichtungen gearbeitet wird. Von diesen Erfahrungen, die den eigenen Horizont erweitern, werden unsere Einrichtungen zweifellos profitieren.

 

Die Volkssolidarität Leipziger Land/Muldental betreibt unter anderem 56 Kindertagesstätten, ein Gymnasium in Borsdorf, zwei Altenpflegeheime mehrere Sozialstationen. Rund 600 Fachkräfte sind allein in der Kinderbetreuung eingesetzt, wo sie für rund 5500 Mädchen und Jungen Verantwortung tragen. Weitere 500 Mitarbeiter arbeiten in den übrigen Bereichen.

Von Ekkehard Schulreich

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