Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Menschen dreier Orte schaffen neue Dorfmitte
Region Geithain Menschen dreier Orte schaffen neue Dorfmitte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:01 02.06.2018
Die alte Jahnshainer Dorfschule (rechts) in Nachbarschaft von Pfarre und Kirche. Das Haus hat seine besten Zeiten hinter sich – vorerst nur, denn hier soll wieder Leben einziehen. Quelle: Ekkehard Schulreich
Anzeige
Frohburg/Jahnshain

Vielfältig, vielschichtig, mannigfaltig: So übersetzt der Duden das Wörtchen multipel, das der Sprachgebrauch meist in einen medizinischen Kontext stellt. Im Falle der alten Jahnshainer Schule, die der Bürgerverein JaLiMeu zu einem Multiplen Haus machen will, trifft der nur bedingt zu.

Einwohner sollen am 28. Juni entscheiden, was gewünscht ist

Das seit Jahren leer stehende Gebäude soll saniert und für verschiedene Zwecke von Jahnshain, Linda und Meusdorf, den drei südlichsten Dörfern des Landkreises Leipzig, genutzt werden: für Veranstaltungen, Arztsprechstunden, Dienstleistungen, als Wohnraum. Was gewünscht und nötig ist, darüber sollen die Einwohner bei einem Workshop am 28. Juni selbst befinden.

Bis zum Jahresende soll ein fundiertes Konzept entstehen – das bei dieser Jahnshainer Immobilie allein nicht stehen bleiben soll, heißt doch das durch das Land Sachsen geförderte Vorhaben „Aufbau eines Netzwerkes Multiples Haus im Kohrener Land“.

Beratung in der alten Jahnshainer Schule

„Mir liegt das Haus am Herzen. Hier bin ich zur Schule gegangen. Es täte mir weh, wenn es verfallen würde“, sagte Heidrun Kretzschmann vom Bürgerverein. Der traf sich am Donnerstagabend am ins Auge gefassten Tat-Ort mit dem Leipziger Büro rb architekten, das sich seit einem Jahrzehnt intensiv und bundesweit mit der Neubelebung solcher Immobilien in kleinen und kleinsten Ortschaften befasst („Das Multiple Haus. Die neue Dorfmitte.“), und mit dem Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung des Landkreises Leipzig.

Blick ins Wurzener Land regte an

Vor Monaten schon hatten engagierte Jahnshainer die im Wurzener Land bereits 2016 umgesetzte Idee eines Multiplen Hauses – in der einstigen Dorfschule von Böhlitz, Gemeinde Thallwitz – zum Anlass genommen, etwas Vergleichbares für die Jahnshainer Schule zu erwägen. „Wir können Sie nur beglückwünschen, dass sie sich dazu zusammengefunden haben“, sagte Amtsleiterin Gesine Sommer an die Adresse des Vereins.

Der Landkreis unterstütze solche Projekte, doch er könne sie nicht in eigene Regie nehmen. Nicht nur in Thallwitz und in Lossatal, auch in Groitzsch und Pegau habe man bereits geprüft, ob es einen Bedarf, Immobilien und Initiatoren gebe. Das Kohrener Land könne eine gelungene Abrundung sein.

33 Frohburger Ortsteile – die Stadt könnte so etwas nicht entwickeln

„Ich sehe das sehr positiv“, sagte der Frohburger Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW), der das Projekt mit der Eingemeindung von Kohren-Sahlis quasi erbte. Er meint das Engagement nicht nur eines Dorfs, sondern dreier Dörfer: „Wir mit jetzt 33 Ortsteilen wären überfordert, so etwas zu entwickeln und zu Ende zu führen.“

Die Jahnshainer Schule könne eine Vorbildfunktion haben. Dass das ins Auge gefasste Netzwerk nicht nur dieses eine Haus betreffen sollte, machte Architektin Jana Reichenbach-Behnisch deutlich: Man wolle gern weitere, etwa in Kohren-Sahlis, Gnandstein oder dem zu Geithain gehörenden benachbarten Rathendorf einbeziehen.

Auch ehemaliges Kohrener Rathaus braucht neue Nutzung

Nicht auszuschließen, dass es vielleicht gelinge, auch dem maroden Jahnshainer Gasthof eine Perspektive zu geben. Diese Liegenschaft im Eigentum des Freistaates darf nicht abgerissen werden, ist aber ungenutzt, ihr Schicksal völlig offen. Zumindest ein Gebäude sähe der Bürgermeister gern involviert, das Kohrener Rathaus nämlich, für das man eine neue Nutzung suche.

„Klar ist, so ein Haus muss schwarze Zahlen schreiben“, sagte Reichenbach-Behnisch. Deshalb gehöre ein Wirtschaftsgutachter zum Team. Was in der Jahnshainer Schule künftig geschehe, entschieden die Bürger. Deshalb gibt es hier am 28. Juni, 18 Uhr, eine große Runde mit allen Interessenten.

Fragebogenaktion und feste Termine

Um eine Fragebogen-Aktion komme man nicht herum, auch wenn es – wie es Ortsvorsteher Jörg Stahl formulierte – in den vergangenen zehn Jahren mehrfach schon solche Befragungen gab.

Potenzielle Nutzer sollen am 4. September eingeladen werden. Am 14. November will man allen das Konzept präsentieren. Bis dahin, so die Architektin, gebe es für alle eine Menge Arbeit: „Wir haben einen sehr sportlichen Terminplan.“

Von Ekkehard Schulreich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die letzten Jahre waren die aufregendsten: Hochwasser und Schadstoffe schränkten die Kita „Wirbelwind“ ein. Doch längst ist alles saniert, weisen die Kinderzahlen wieder nach oben. Das wird nun gefeiert.

01.06.2018

Ob in den letzten DDR-Jahren oder den ersten der vergrößerten BRD: Für viele Geithainer war er Heinz, der Bürgermeister. 2008 zog sich Heinz Herzog aus der Öffentlichkeit zurück. Diese Woche starb er.

01.06.2018

Der Landkreis Leipzig war lange Zeit auf der Suche nach einem neuen Jugendamtsleiter. Jetzt ist ein Bewerber gefunden. Der Kreistag soll auf seiner Sitzung am 6. Juni in Borna Jens Ranft als neuen Amtsleiter küren.

01.06.2018
Anzeige