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Geithain Messerangriff auf Frohburger Radler: Noch kein Urteil
Region Geithain Messerangriff auf Frohburger Radler: Noch kein Urteil
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10:15 28.11.2018
Die 3. Strafkammer am Landgericht Leipzig hat die Entscheidung vom Dienstag auf den Donnerstag verschoben. Quelle: Frank May/dpa
Frohburg/Leipzig

Freispruch oder Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik, ausgesetzt zur Bewährung? Die 3. Strafkammer des Landgerichtes Leipzig kam am Dienstag noch nicht zu einem Urteil. Sie verhandelte über einen an einer paranoiden Schizophrenie erkrankten Mann aus Frohburg. Der – das ist nach der Beweisaufnahme unstrittig – hatte im Mai 2016 einen damals 16-jährigen Radfahrer in der Frohburger Innenstadt mit einem Teppichmesser im Gesicht verletzt. „Wir haben sehr heftig beraten, aber es bedarf noch einiger Überlegungen“, sagte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel. Er kündigte das Urteil nun für den 29. November an.

Gutachter: Angreifer mit Psychose, aber stabil

„Es ist zu keiner akuten Psychose mehr gekommen, die die Umwelt beeinträchtigt hätte“, stellte der Sachverständige Dr. Christof Hieronymus, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem Gutachten fest. Seit dem zur Last gelegten Angriff auf den Radfahrer habe sich der Angeklagte zunächst in stationärer medizinischer Behandlung befunden, dort wurde er medikamentös eingestellt. Seither werde er in seiner Frohburger Wohnung vom Hilfeleistungsträgerwerk Soziale Dienste Sachsen wöchentlich betreut, darüber hinaus vierteljährlich von der Zschadraßer Diakonie-Klinik. Der 34-Jährige, dessen Psychose 2010 zum Ausbruch gekommen sei, sei „chronisch krank. Eine Stabilität konnte aber erreicht werden“.

Drogen provozieren psychotische Schübe

Übergriffe in der Öffentlichkeit wie die vor dem Landgericht verhandelte gefährliche Körperverletzung, aber auch das eingestellte Verfahren wegen Bedrohung einer Hausbewohnerin und weiter zurückliegende Attacken gegen zwei Pkws, seien dann geschehen, wenn sich der Angeklagte bedroht und in die Enge getrieben fühlt, so Hieronymus. „Dann kommt es zu Handlungen, die bizarr anmuten. Sie sind ein Ausfluss psychotischen Erlebens.“ Die regelmäßige Medikamenten-Einnahme nehme dem Mann die Gefährlichkeit. Da er aber Cannabis, Amphetamine und Alkohol konsumiere, wirke er dieser Behandlung entgegen und provoziere neue psychotische Schübe: „Und dann wird er gefährlich.“ Der Sachverständige plädierte deshalb dringend für eine Abstinenz und für Drogen-Screenings.

Staatsanwaltschaft: Einweisung in Krankenhaus auf Bewährung

In ihrem Plädoyer ließ Staatsanwältin Jana Kalex den Vorwurf des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr fallen. Die gefährliche Körperverletzung indes sei belegt. Anknüpfend an die Ausführungen des Gutachters verneinte sie zwar ein schuldhaftes Handeln des Angeklagten, sagte aber: „Die Gefahr weiterer schwerer Straftaten besteht.“ Sie forderte deshalb seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus, was für fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden soll. Der 34-Jährige müsste unter Führungsaufsicht gestellt werden, einen Bewährungshelfer an die Seite bekommen und auf Drogen-Abstinenz kontrolliert werden.

Verteidigung: Zweifel an Gewalttätigkeit – Freispruch gefordert

Für Verteidiger Reinhard Baehr ging das entschieden zu weit. Eine Einweisung, auch wenn sie zur Bewährung ausgesetzt werde, sei ein schwerwiegender Eingriff in die Freiheitsrechte und im konkreten Fall vom Gesetzgeber kaum gedeckt. „Es muss eine Wahrscheinlichkeit höheren Grades bestehen“, dass sein Mandant erneut gewalttätig werde. „Daran aber habe ich meine Zweifel.“ Der Frohburger nehme seine Medikamente; deshalb passiere auch nichts, so Baehr. Er plädierte auf Freispruch.

Richter: Hilfe für Angeklagten – Urteil später

„Sie sind in guten Händen. Viele kümmern sich um sie“, versicherte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel am Ende der Beweisaufnahme dem Angeklagten. Am Donnerstagnachmittag will er das Urteil der 3. Strafkammer verkünden.

Von Ekkehard Schulreich

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