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Millionen fließen in Kanäle und Anschlüsse: AZV Espenhain versorgt 35 000 Einwohner

Abwasserzweckverband Espenhain Millionen fließen in Kanäle und Anschlüsse: AZV Espenhain versorgt 35 000 Einwohner

Die Klärung des Abwassers war eine der großen Herausforderungen seit der Wiedervereinigung. Als einer der ersten Neugründungen hat der Abwasserzweckverband Espenhain Millionen in die Hand genommen und in den 25 Jahren seines Bestehens knapp 8000 Grundstückseigentümer in der Region ans Klärwerk in Espenhain angeschlossen.

Verbandschef Thomas Hangenow setzt bei den Anschlussgebühren auf das Solidarprinzip.

Quelle: Thomas Kube

Borna. Sie handeln mit einem Stoff, den jeder loswerden will. Deshalb wird den Abwasserzweckverbänden nicht annähernd die Aufmerksamkeit zuteil, wie vielleicht Wasser-, Strom- und Wärmeversorgern. Aber die von der Europäischen Union vorgegebene Galgenfrist, bis Ende 2015 die aus mehreren Kammern bestehenden Kleinkläranlagen auf den heutigen Stand der Technik zu bringen, hat die Betreiber und die kommunalen Verbände auf Touren gebracht. „Wir befinden uns auf der Zielgeraden“, sagte Thomas Hagenow, Bürgermeister von Belgershain und Gründungsmitglied des Abwasserzweckverbandes (AZV) Espenhain vor 25 Jahren. Wenn der Verband am Freitag Bilanz zieht, dann kann Hagenow auf millionenschwere Investitionen verweisen, die seit der Wende in eine umweltfreundliche Abwasserklärung investiert worden sind. „Als wir 1991 anfingen, ging alles im freien Gefälle in die Flüsse“, sagte der 67-Jährige.

In einem Vierteljahrhundert hat der Verband, der damals Anlagen im Wert von sechs Millionen D-Mark vom VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung übernommen hatte, riesige Herausforderungen gestemmt. Mitte der 90er-Jahre seien Kommunen wie Böhlen, Neukieritzsch und Lobstädt, die bereits damals über eine Ortskläranlage verfügten, an die bereits bestehende Kläranlage in Espenhain angeschlossen worden. Außerdem sei in dieser Zeit ein durchdachtes Druckleitungssystem installiert worden, dessen acht Hauptstränge sternenförmig auf das zentrale Klärwerk zulaufen. „Allein 1994 sind 34 Millionen D-Mark verbaut worden“, erinnerte sich AZV-Geschäftsführer Sven Lindstedt.

Obwohl es noch rund 550 unversorgte Grundstücke gibt, wähnt sich der Verband auf der Zielgeraden. Von 9200 Grundstücken im Versorgungsgebiet seien inzwischen rund 8000 zentral an das Klärwerk der Mitteldeutschen Umwelt- und Entsorgungsgesellschaft in Espenhain angeschlossen worden oder nutzen in geringem Maße vollbiologische Gruppenkläranlagen. Die bestehende Lücke soll bis 2020 geschlossen werden.

Auch in den Büchern hat sich die erfolgreiche Arbeit des AZV niedergeschlagen. In der Eröffnungsbilanz konnte der Verband eine Anlagevermögen von rund 100 Millionen Euro ausweisen. „Das ist eine gigantische Leistung“, so Lindstedt. Das Versorgungsgebiet ist inzwischen auf über 300 Quadratkilometer angewachsen und reicht in der Ost-West-Ausdehnung von Kieritzsch bis Lauterbach und in der Nord-Süd-Ausdehnung von Threna bis Hopfgarten in Eulatal.

„Der Verband hat sich in 25 Jahren eine solide, wirtschaftliche Basis geschaffen“, konstatierte Lindstedt. Die jährlichen Einnahmen und Ausgaben würden sich auf rund zwölf Millionen Euro belaufen. Als großen Erfolg wertet Lindstedt die seit 1992 konstant gebliebenen Abwasserbeiträge, die bei 95 Cent pro Quadratmeter liegen und bei einem Anschluss ans Netz anfallen würden. Nach dem Solidarprinzip wäre der Beitrag für alle gleich, unabhängig von der Distanz zum Klärwerk. Allerdings räumte der Geschäftsführer auch ein, dass die Gebühren für die Klärung der Abwasser einer Dynamik unterliegen. Denn im Gegensatz zu den 90er-Jahren, als der Bund Abwasserprojekte bis zu 90 Prozent förderte, müssten sich die Verbände heute verstärkt am Kapitalmarkt bedienen. „Das muss man berücksichtigen, wenn man unsere Gebühren mit denen anderer Verbände vergleicht“, so Lindstedt.

Mit nur 15 Mitarbeitern ist der Espenhainer Zweckverband schlank aufgestellt. Er managt die Abwasserentsorgung für 35 000 Einwohner.

Von Birgit Schöppenthau

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